Ratgeber

Wareneinsatz berechnen: So kalkulieren Gastronomen wirklich

Wareneinsatz in der Gastronomie richtig berechnen: klare Formeln, Berlin/Essen-Beispiel und ein kurzer Wochenrhythmus fuer stabile Margen.

Aktualisiert 13. Feb. 2026
WareneinsatzKalkulationGastronomieKostenrechnung
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Wareneinsatz ist kein Steuerberater-Thema fuer das Jahresende. Er entscheidet Woche fuer Woche, ob Ihr Betrieb mit jedem vollen Service tatsaechlich Ergebnis produziert.

Viele Teams kennen ihren Umsatz sehr genau, aber nicht den echten Wareneinsatz pro Gericht und Kanal. Dann sieht der Monat auf dem Papier solide aus, bis am Ende zu wenig Deckungsbeitrag uebrig bleibt.

Kurzfassung

  • Rechnen Sie Wareneinsatz ueber Bestand und Einkaeufe, nicht ueber Bauchgefuehl.
  • Trennen Sie Warenkosten je Kanal (Restaurant, Abholung, Delivery).
  • Pruefen Sie Top-Seller jede Woche, den Gesamtmix mindestens monatlich.
  • Dokumentieren Sie Schwund und Sachentnahmen, sonst kippt die Quote leise.

Warum die Zahl 2026 noch wichtiger ist

Laut Destatis lag die Inflationsrate in Deutschland im Januar 2026 vorlaeufig bei +2,1 % (VPI, Mitteilung vom 30.01.2026). Parallel ist der gesetzliche Mindestlohn seit 01.01.2026 auf 13,90 EUR gestiegen.

Die Folge im Betriebsalltag: Einkauf und Personalkosten bewegen sich gleichzeitig. Wer Wareneinsatzquote und Preislogik nicht eng fuehrt, sieht die Erosion erst mit Wochenverzoegerung.

Die Kernformeln

Wareneinsatz = Anfangsbestand + Einkaeufe - Endbestand
Wareneinsatzquote (%) = Wareneinsatz / Nettoumsatz x 100

Fuer einzelne Gerichte:

usableAmount = purchaseAmount x (1 - lossRate)
unitCost = purchaseCost / usableAmount
itemCost = unitCost x portionAmount
menuPriceNet = plateCost / targetFoodCostRatio

Wenn Nettoumsatz, usableAmount oder targetFoodCostRatio gleich 0 ist, zuerst Eingaben korrigieren und nicht mit dem Ergebnis weiterarbeiten.

Beispiel 1: Monatsquote eines Bistros

Annahmen fuer einen Monat:

  • Anfangsbestand: 6.200 EUR
  • Einkaeufe: 18.400 EUR
  • Endbestand: 5.400 EUR
  • Nettoumsatz: 58.000 EUR
Wareneinsatz = 6.200 + 18.400 - 5.400 = 19.200 EUR
Wareneinsatzquote = 19.200 / 58.000 x 100 = 33,1 %

Wenn Ihr Zielkorridor bei 30 % liegt, fehlen 3,1 Prozentpunkte. Das ist kein Detail, sondern ein klarer Auftrag fuer Preis-, Portions- oder Mixanpassung.

Beispiel 2: Gerichts- und Kanalpreis sauber trennen

Beispiel “Haehnchen-Bowl” (netto):

PositionRestaurantDelivery
Zutaten inkl. Schwund5,70 EUR5,70 EUR
Verpackung0,15 EUR0,85 EUR
Variable Kanalgebuehren0,10 EUR0,45 EUR
Plate Cost5,95 EUR7,00 EUR

Bei Ziel-Wareneinsatzquote 30 %:

Restaurantpreis netto = 5,95 / 0,30 = 19,83 EUR
Deliverypreis netto   = 7,00 / 0,30 = 23,33 EUR

Ein Einheitspreis auf beiden Kanaelen wirkt kundenfreundlich, subventioniert aber oft den teureren Kanal.

Lokale Umsetzung: Berlin-Mitte vs Essen-Wohnlage

Berlin-Mitte (Lunch-Peak, hoher Takt)

  • Enges Zeitfenster und hohe Schlagzahl erhoehen Portionierungsfehler.
  • Besser: kleine Karte, mise en place nach Gewicht, taegliche Soll-Ist-Kontrolle fuer Top-5.
  • Preisanpassungen in kleineren Schritten, dafuer kuerzer getaktet.

Essen-Wohnlage (abendorientiert, mehr Stammgaeste)

  • Durchschnittsticket ist oft preissensibler als in Innenstadt-Lagen.
  • Besser: klare Kanaltrennung und Bundle-Logik statt linearem Aufschlag auf alles.
  • Fokus auf Stabilitaet: weniger Wechsel, aber konsequente Monatsnachkalkulation.

Typische Fehler, die Marge kosten

  1. Einkaufspreis wird gerechnet, aber Putz- und Produktionsverlust nicht.
  2. Sachentnahmen und Personalverpflegung werden uneinheitlich gebucht.
  3. Inventur wird nur grob oder zu selten gemacht.
  4. Restaurant- und Delivery-Kosten werden mit einem Preis gemischt.

20-Minuten-Wochenroutine

  1. Top-10 Artikel nach Umsatz und Menge exportieren.
  2. Pro Artikel aktuelle Kostenbasis (Einkauf, Schwund, Verpackung) aktualisieren.
  3. Ist-Quote gegen Zielquote pruefen.
  4. Die 2 bis 3 groessten Abweichungen sofort fuer die naechste Preisrunde markieren.

Verknuepfte Guides

Quellen (Stand: 2026-02-13)

Wenn Sie diese Berechnungen nicht mehr manuell pflegen wollen, unterstuetzt KitchenCost bei laufender Rezept- und Preiskalkulation pro Kanal.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechne ich den Wareneinsatz in der Gastronomie?

Wareneinsatz = Anfangsbestand + Einkaeufe - Endbestand. Die Wareneinsatzquote lautet: Wareneinsatz / Nettoumsatz x 100. Erst mit der Quote sehen Sie, ob der Monatsmix tragfaehig ist.

Was ist eine gute Wareneinsatzquote?

Das haengt von Konzept und Verkaufsmix ab. Im Alltag liegen viele Betriebe im Korridor von etwa 25 bis 35 Prozent. Entscheidend ist, ob die Quote zu Ihrem Ziel-Deckungsbeitrag und Ihren Fixkosten passt.

Warum weicht der Wareneinsatz in der Praxis oft von der Kalkulation ab?

Haeufige Ursachen sind ungenaue Inventur, nicht gebuchte Sachentnahmen, Schwund ohne Erfassung und gleiche Preise fuer unterschiedlich teure Kanaele wie Restaurant und Delivery.

Wie oft sollte ich Wareneinsatz und Preise pruefen?

Eine kurze Wochenroutine fuer Top-Seller und eine vollstaendige Monatspruefung funktionieren in den meisten Betrieben am besten.

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