Verpackungskosten im To-Go-Geschäft: Was Außer-Haus wirklich kostet — und wie Sie es richtig kalkulieren
Der Koch macht das Pad Thai fertig: 3,20 € Wareneinsatz, sauber kalkuliert. Der Service-Mitarbeiter packt es ein: Behälter, Deckel, kleiner Soßenbehälter, Holzbesteck, Serviette, Papiertüte. Alles zusammen dauert 30 Sekunden — und kostet 1,35 €.
Der Gast zahlt 12,90 €. Denselben Preis wie im Restaurant. Nur dass jetzt 1,35 € Verpackung dazukommen, die bei der Kalkulation nicht berücksichtigt wurden. Plus die 15 Sekunden Mehrarbeit für das Einpacken. Plus die Plattformprovision, wenn die Bestellung über Lieferando kam.
Ergebnis: Das Pad Thai im Restaurant bringt 6,50 € Rohertrag. Das Pad Thai to go bringt 3,80 €. Minus 42 % — weil niemand die Verpackung eingepreist hat.
Was To-Go-Verpackung wirklich kostet
Die volle Rechnung pro Bestellung
| Bestandteil | Beschreibung | Stückpreis |
|---|---|---|
| Hauptbehälter (750 ml) | Für Hauptgericht, mit Deckel | 0,30–0,80 € |
| Beilagen-Behälter (250 ml) | Sauce, Dip, Salat | 0,10–0,25 € |
| Besteck-Set | Gabel + Messer + Serviette (Holz oder Plastik) | 0,05–0,20 € |
| Tragetüte (Papier) | Für 1–2 Behälter | 0,10–0,30 € |
| Aufkleber/Etikett | Bestellnummer, Inhalt | 0,02–0,05 € |
| Zusatzartikel (Stäbchen, Strohhalm, Feuchttuch) | Optional | 0,03–0,10 € |
| Summe pro Einzelbestellung | 0,60–1,70 € |
Hochgerechnet: Was es im Monat kostet
| To-Go-Bestellungen/Tag | Verpackungskosten/Tag | Verpackungskosten/Monat |
|---|---|---|
| 10 | 6–17 € | 156–442 € |
| 25 | 15–43 € | 390–1.105 € |
| 50 | 30–85 € | 780–2.210 € |
| 100 | 60–170 € | 1.560–4.420 € |
Bei 50 Bestellungen am Tag und einem durchschnittlichen Verpackungspreis von 1,10 € sind das 1.430 € pro Monat — nur für Verpackung. Das ist mehr als die monatliche Stromrechnung vieler Restaurants.
Materialvergleich: Was wohin passt
Die Materialien im Detail
| Material | Stückpreis (750 ml Behälter) | Mikrowelle | Fett-/Wasserdicht | Nachhaltig | Haltbarkeit (gefüllt) |
|---|---|---|---|---|---|
| PP (Polypropylen) | 0,15–0,35 € | ✅ | ✅ | ❌ (Kunststoff) | 3–5 Tage (gekühlt) |
| PET | 0,20–0,40 € | ❌ | ✅ | ❌ (Kunststoff) | 2–4 Tage |
| Papier/Karton (beschichtet) | 0,25–0,60 € | ⚠️ (ohne Deckel) | ⚠️ (mit PE-Beschichtung) | ⬜ (Beschichtung problematisch) | 1–2 Stunden (Durchweichen) |
| Bagasse (Zuckerrohr) | 0,35–0,80 € | ⚠️ (eingeschränkt) | ⬜ (nur mit Beschichtung) | ✅ | 1–3 Stunden |
| Aluminium | 0,20–0,45 € | ❌ | ✅ | ⬜ (recycelbar, energieintensiv) | 2–4 Tage |
| Palmblatt | 0,40–0,90 € | ✅ | ⚠️ | ✅ | 2–4 Stunden |
| Mehrweg PP | 2,00–4,00 € (einmalig) | ✅ | ✅ | ✅ | 300+ Nutzungen |
Was passt zu welchem Gericht?
| Gericht-Typ | Anforderungen | Empfohlenes Material | Preis |
|---|---|---|---|
| Nudeln, Reis-Gerichte | Fettdicht, mikrowellengeeignet, stapelbar | PP-Einweg oder Mehrweg | 0,25–0,40 € |
| Suppe, Eintopf | Flüssigkeitsdicht, verschließbar, hitzebeständig | PP mit Schraubdeckel | 0,30–0,50 € |
| Burger, Wraps | Fettdicht, formstabil, belüftet | Karton (beschichtet) oder Bagasse | 0,30–0,60 € |
| Salat (kalt) | Transparenz (Produkt sichtbar), dicht | PET-Salatschale | 0,20–0,35 € |
| Pizza | Stabil, belüftet, fettdicht | Karton (Pizza-Box) | 0,35–0,70 € |
| Dessert, Kuchen | Kleine Portion, ansprechend | Karton oder Palmblatt | 0,15–0,40 € |
| Getränke (kalt) | Dicht, Strohhalm-Öffnung | PET oder Papierbecher | 0,10–0,30 € |
| Getränke (heiß) | Isolierend, doppelwandig | Papierbecher doppelwandig | 0,12–0,25 € |
Die Mehrwegpflicht: Was Sie wissen müssen
Seit Januar 2023 gilt: Wer To-Go verkauft, muss Mehrweg-Alternativen anbieten — sofern der Betrieb über 80 m² hat und mehr als 5 Beschäftigte. Seit 2025 gilt das für alle Materialien, nicht nur Kunststoff.
Pfandsysteme im Vergleich
| System | Pfand | Behälter-Kosten | Verwaltung | Verbreitung |
|---|---|---|---|---|
| RECUP/REBOWL | 5 €/Bowl, 1 €/Becher | Im System enthalten | App-basiert, 15–30 €/Monat | Weit verbreitet, viele Partnerbetriebe |
| Vytal | 0 € (App-basiert, Zeitlimit) | Im System enthalten | App-basiert, ca. 30 €/Monat | Wachsend, vor allem in Städten |
| Eigenes Pfandsystem | 3–5 €/Behälter | 2–4 €/Stück (Eigenanschaffung) | Pfandmarken oder manuelle Verwaltung | Lokal, unabhängig |
Kosten-Vergleich: Einweg vs. Mehrweg
| Kennzahl | Einweg (PP) | Mehrweg (eigenes System) | Mehrweg (RECUP) |
|---|---|---|---|
| Kosten pro Nutzung | 0,35 € (jedes Mal neu) | 0,15 € (Abschreibung + Reinigung) | 0,15–0,25 € (Systemgebühr) |
| Break-Even | — | Ab 5. Nutzung | Ab 3.–5. Nutzung |
| Erstinvestition | 0 € | 200–400 € (50–100 Behälter) | ~50 € (Anmeldegebühr) |
| Laufende Kosten/Monat (50 Bestellungen/Tag) | 455 € | 195–325 € | 195–325 € + Systemgebühr |
| Kundensicht | Bequem, wird entsorgt | Rückgabe nötig, dafür Pfand zurück | App-basiert, flexibel |
Ab ca. 30 To-Go-Bestellungen pro Tag spart Mehrweg 150–250 € pro Monat gegenüber Einweg. Eine detaillierte Aufstellung aller Pflichten, Anbietervergleiche und Bußgeldrisiken rund um die Mehrwegpflicht in der Gastronomie finden Sie im separaten Ratgeber.
Verpackungskosten richtig kalkulieren
Schritt 1: Verpackungskosten pro Gericht ermitteln
Nicht jedes Gericht hat dieselben Verpackungskosten. Kalkulieren Sie pro Gericht:
| Gericht | Behälter | Extras | Verpackung gesamt |
|---|---|---|---|
| Pad Thai | 750-ml-Box + Deckel | Soßenbecher, Stäbchen, Serviette, Tüte | 1,05 € |
| Caesar Salad | Salatschale + Dressing-Becher | Besteck, Serviette, Tüte | 0,85 € |
| Burger + Pommes | Burger-Box + Pommes-Becher | Ketchup-Tüte, Serviette, Tüte | 1,25 € |
| Suppe (500 ml) | Suppenbehälter + Deckel | Löffel, Serviette, Brot-Tüte | 0,75 € |
| Kaffee to go | Doppelwand-Becher + Deckel | Rührstab, Zucker | 0,25 € |
Schritt 2: To-Go-Preis separat kalkulieren
| Position | Gastraum | To-Go | Differenz |
|---|---|---|---|
| Wareneinsatz Pad Thai | 3,20 € | 3,20 € | — |
| Verpackung | 0 € | 1,05 € | +1,05 € |
| Personal (Einpacken, ~1 Min.) | 0 € | 0,25 € | +0,25 € |
| Serviergeschirr (Abschreibung, Spülen) | 0,15 € | 0 € | −0,15 € |
| Gesamtkosten | 3,35 € | 4,50 € | +1,15 € |
| Verkaufspreis | 12,90 € | 13,90 € | +1,00 € |
| Rohertrag | 9,55 € | 9,40 € | −0,15 € |
Mit dem 1-Euro-Aufschlag sind die Kosten fast gedeckt. Ohne Aufschlag verlieren Sie 1,15 € pro To-Go-Bestellung.
Schritt 3: Plattform-Bestellungen anders kalkulieren
Auf Lieferplattformen kommt die Provision dazu. Dann braucht es einen deutlich höheren Preis:
| Position | Gastraum | To-Go (direkt) | Lieferplattform (28 % Provision) |
|---|---|---|---|
| Wareneinsatz | 3,20 € | 3,20 € | 3,20 € |
| Verpackung | — | 1,05 € | 1,05 € |
| Provision (28 %) | — | — | 4,34 € |
| Gesamtkosten | 3,20 € | 4,25 € | 8,59 € |
| Verkaufspreis | 12,90 € | 13,90 € | 15,50 € |
| Rohertrag | 9,70 € | 9,65 € | 6,91 € |
Selbst bei 15,50 € Verkaufspreis auf der Plattform ist der Rohertrag um 29 % niedriger als im Gastraum.
Einkauf optimieren: Verpackung günstiger beschaffen
| Strategie | Ersparnis | Aufwand |
|---|---|---|
| Großpackungen kaufen (500er statt 50er) | 20–40 % | Lagerplatz nötig |
| Direkt beim Hersteller/Großhändler (Metro, Transgourmet) | 15–25 % | Mindestbestellmengen |
| Standardgrößen statt Sonderformate | 10–20 % | Weniger Auswahl |
| Weniger Artikel (3 Behältergrößen statt 8) | 15–30 % | Produktanpassung |
| Saisonale Aktionen nutzen (Messepreise, Überbestände) | 10–30 % | Timing |
Praxistipp: Beschränken Sie sich auf 3 Behältergrößen: klein (250 ml, für Suppe/Beilage), mittel (500 ml, Hauptgericht), groß (750–1000 ml, große Portionen). Weniger Varianten = günstigerer Einkauf + weniger Lagerbedarf + schnelleres Einpacken.
Verpackungsgesetz: Was Sie registrieren müssen
Wer Verpackungen erstmalig in Verkehr bringt (= an den Endkunden gibt), muss:
| Pflicht | Was | Kosten |
|---|---|---|
| LUCID-Registrierung | Einmalige Anmeldung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister | 0 € |
| Systembeteiligung | Vertrag mit dualem System (z. B. Der Grüne Punkt, Reclay, BellandVision) | 50–300 €/Jahr (abhängig von Menge und Material) |
| Datenmeldung | Jährliche Mengenmeldung an LUCID und duales System | 30 Min. Aufwand |
Achtung: Die Systembeteiligung gilt auch für Servietten, Tragetüten und Aufkleber — nicht nur für Lebensmittelbehälter. Wer nicht registriert ist, riskiert ein Bußgeld und ein Vertriebsverbot.
Verpackung als Marketinginstrument
Die Verpackung ist das Erste, was der Lieferkunde sieht — und das Letzte, woran er sich erinnert:
| Maßnahme | Kosten | Wirkung |
|---|---|---|
| Sticker mit Logo auf jedem Behälter | 0,02–0,05 €/Stück | Markenbekanntheit, wirkt professionell |
| Bedruckte Tragetüte | +0,10–0,20 € ggü. blanko | Werbefläche, wird weiterverwendet |
| Beilage-Karte (nächste Bestellung 10 % Rabatt) | 0,03–0,05 € | Wiederkaufsrate erhöhen |
| Handschriftliche Notiz (Tafel oder Post-it) | ~0 € + 10 Sek. | Persönliche Bindung, wird fotografiert |
| Qualitativ hochwertige Behälter | +0,10–0,30 € ggü. billigste Option | Hochwertigkeits-Eindruck, Rechtfertigung höherer Preise |
Die handschriftliche Notiz kostet nichts und bringt am meisten. „Danke für Ihre Bestellung! Viel Spaß beim Essen. — Ihr Team vom [Restaurant].” Wird auf Social Media geteilt, bringt organische Reichweite, kostet 10 Sekunden.
Diese Woche noch umsetzen
- Listen Sie alle Verpackungsartikel auf, die Sie verwenden — mit Stückpreis und Monatsverbrauch
- Rechnen Sie die Verpackungskosten pro Gericht aus — nicht pauschal, sondern für jedes To-Go-Gericht einzeln
- Prüfen Sie, ob Ihre To-Go-Preise die Verpackung abdecken — oder ob Sie drauflegen
- Checken Sie Ihre LUCID-Registrierung und Systembeteiligung: Sind alle Materialien angemeldet?
- Bestellen Sie Ihre meistverbrauchten Behälter in der nächstgrößeren Packung — oft 30 % günstiger
KitchenCost kalkuliert den Wareneinsatz pro Rezept — Zutat für Zutat. Wenn Sie den genauen Wareneinsatz kennen, können Sie Verpackung und To-Go-Aufschlag gezielt kalkulieren. Kostenlos im App Store.