Lieferando, Wolt, Uber Eats: Was die Plattformen wirklich kosten — und wie Sie trotzdem Marge behalten
Mehr Bestellungen übers App-Tablet bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. In vielen Betrieben liegt der Engpass nicht im Umsatz, sondern in einer zu groben Kalkulation: Die Provision wird gesehen, aber Verpackung, Werbekosten, Rabattbeteiligung und Peak-Zeitkosten bleiben zu lange unsichtbar.
Wenn Sie Lieferservice profitabel steuern wollen, brauchen Sie deshalb zwei Dinge: eine saubere Quote je Plattform und eine DB-Rechnung pro Gericht.
Kurz gesagt
- Vergleichen Sie Lieferando, Wolt und Uber Eats über den Deckungsbeitrag pro Bestellung, nicht über den ersten Prozentwert im Pitch.
- Rechnen Sie Delivery-Preise pro Artikel statt mit einem pauschalen Aufschlag auf die ganze Karte.
- Trennen Sie Innenstadt-Lunch und Wohngebiet-Abend in der Auswertung, weil Bonhöhe und Zeitaufwand unterschiedlich sind.
- Kalkulieren Sie Mehrwegprozesse mit, nicht nur Verpackungsmaterial.
Warum 2026 ein Monatsreport Pflicht ist
Der Kostendruck kommt 2026 nicht aus einer einzigen Quelle. Destatis meldet in der Pressemitteilung vom 16.01.2026 für den Jahresdurchschnitt 2025:
- Verbraucherpreise gesamt: +2,2 %
- Nahrungsmittel: +2,0 %
- Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen: +3,8 %
Wenn Plattformkosten, Warenkosten und Arbeitskosten in unterschiedlichem Tempo steigen, reicht eine jährliche Preisrunde nicht mehr. Die effektive Plattformquote gehört deshalb in den monatlichen Report, direkt neben Wareneinsatz und Personalkostenquote.
1) Was Plattformen tatsächlich abrechnen
| Kostenblock | Was Sie konkret prüfen sollten |
|---|---|
| Basisgebühr/Provision | Vertragsmodell (eigene Lieferung vs. Plattformlieferung), Kanal und Region |
| Zusatzmodule | Ads, Sichtbarkeit, Rabattbeteiligung, ggf. Mitgliedschaftsprogramme |
| Abzüge | Storno, Reklamation, Korrekturen in der Auszahlung |
| Operative Nebenkosten | Verpackung, Mehrweghandling, Peak-Zeit für Kommissionierung/Abgabe |
Die konkrete Höhe ist bei allen großen Plattformen vertraglich und marktabhängig. Darum sollten Sie nicht mit pauschalen Branchenwerten steuern, sondern mit Ihrer eigenen effektiven Monatsquote.
Öffentlich einsehbare Hinweise (Stand: 13.02.2026)
Bei Uber Eats Deutschland nennt die Preisseite für Marketplace aktuell unter anderem:
- Uber Delivery 30 % (bei Uber One Mitgliedern 33 %),
- Self-delivery 14 %,
- Pickup 14 %,
- Uber Direct ab 7,90 EUR pro Lieferung ohne Provision.
Gleichzeitig verweist Uber in derselben Fußnote darauf, dass die individuelle Rate je nach Auftragsart, Distanz, Marktregion und weiteren Faktoren höher oder niedriger sein kann.
Bei Wolt ist die Logik ähnlich: Die Lernseite erklärt Kommissionstypen (Standard, Wolt+, Takeaway) und Zusatzgebühren, stellt aber klar, dass konkrete Gebühren im jeweiligen Vertrag geregelt sind.
Bei Lieferando gilt in der Praxis ebenfalls: Vertragsdetails und Zusatzleistungen entscheiden über die reale Kostenquote. Deshalb ist Ihre eigene Abrechnung der belastbare Ausgangspunkt.
2) Die Kennzahl, die wirklich zählt: effektive Plattformquote
Effektive Plattformquote (%) =
(Provision + Zahlungsgebühren + Werbekosten + Rabattbeteiligung + Stornoabzüge)
÷ Plattformumsatz × 100
Diese Quote zeigt, was das Portal Sie real kostet. Sie ersetzt nicht den Vertrag, aber sie zeigt, ob Ihr aktuelles Pricing im Alltag funktioniert.
3) Rechenbeispiel: Wann ein Bestseller kippt
Beispielgericht (realistische Musterwerte):
- Delivery-Preis: 18,90 EUR
- Wareneinsatz: 4,80 EUR
- Verpackung: 1,25 EUR
- Variable Personalkosten: 2,10 EUR
- Sonstige variable Kosten: 0,65 EUR
Deckungsbeitrag je Bestellung =
Verkaufspreis
- Plattformkosten
- Wareneinsatz
- Verpackung
- variable Personalkosten
- sonstige variable Kosten
| Szenario | Plattformkosten | Deckungsbeitrag |
|---|---|---|
| Effektive Quote 19 % | 3,59 EUR | 6,51 EUR |
| Effektive Quote 28 % | 5,29 EUR | 4,81 EUR |
Differenz: 1,70 EUR pro Bestellung. Bei 1.200 Bestellungen pro Monat sind das 2.040 EUR Ergebnisunterschied. Darum steuern profitable Teams nicht nur den Umsatz je Plattform, sondern den DB je Artikel und je Tageszeit.
4) Lokale Umsetzung: Berlin-Mitte vs. Wohngebiet Köln
| Szenario | Typischer Effekt | Praktische Anpassung |
|---|---|---|
| Berlin-Mitte, lunch-lastig | Niedrigerer Bon, hohes Peak-Fenster, Wartezeiten in kurzen Slots | Lunch-spezifische Mindestbestellwerte, Top-Artikel mit stabilem DB priorisieren |
| Wohngebiet Köln, abendlastig | Höherer Bon, längere Routen, mehr Familienbestellungen | Zonenpreise sauber staffeln, Bundle nur mit geprüfter DB-Marge anbieten |
Die größte Fehlentscheidung ist ein einziges Delivery-Preisschema für beide Situationen. Trennen Sie mindestens nach Zeitfenster und Zone, sonst verlieren Sie Marge in einem Segment oder Conversion im anderen.
5) Deutschland-spezifisch: Mehrwegpflicht als Prozesskosten mitdenken
Nach Umweltbundesamt gilt seit 01.01.2023 die Mehrwegangebotspflicht für bestimmte To-go-Verpackungen. Neben Materialkosten entstehen dabei auch Zeitkosten für Ausgabe, Rücknahme und Teamabstimmung.
Kleinbetriebe mit Ausnahmeregelung können stattdessen kundeneigene Behälter befüllen, haben aber ebenfalls operativen Aufwand. Wenn diese Minuten nicht in der Delivery-Kalkulation auftauchen, wirkt die Marge auf dem Papier besser als in der Kasse.
Mehr dazu im Leitfaden Verpackungskosten im To-go-Geschäft.
30-Minuten-Monatsroutine
- Plattformabrechnungen der letzten 30 Tage exportieren.
- Effektive Plattformquote je Kanal und je Zeitfenster berechnen.
- Top-10 Delivery-Artikel auf Deckungsbeitrag je Bestellung nachrechnen.
- Verpackung und Mehrweghandling einmal in Echtzeit stoppen und Minutenkosten zuordnen.
- Delivery-Preis, Bundle oder Listung bei negativen DB-Artikeln sofort anpassen.
Diese Woche umsetzen
- Für jede Plattform die effektive Plattformquote der letzten 30 Tage rechnen.
- Lunch und Abend separat auswerten statt als einen Block.
- Die drei umsatzstärksten Gerichte je Plattform auf DB stabilisieren.
- Mehrweg- und Verpackungsprozess inklusive Zeitaufwand im Team dokumentieren.
- Kanalentscheidungen nach Deckungsbeitrag statt nur nach Bestellanzahl treffen.
Quellen (Stand: 13.02.2026)
- Uber Eats for Merchants: Pricing (Deutschland)
- Wolt Germany: Understanding Wolt merchant commissions and fees
- Destatis: Pressemitteilung Nr. 019 vom 16.01.2026 (Inflationsrate 2025)
- Umweltbundesamt: Neue Mehrwegangebotspflicht für Speisen und Getränke
- Verpackungsgesetz § 33 Mehrwegangebotspflicht
Wenn Sie Delivery-Preise, Wareneinsatz und Plattformkosten je Kanal zusammen steuern wollen, hilft KitchenCost bei der monatlichen Nachkalkulation von Deckungsbeitrag und Preisvarianten.