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Lieferando, Wolt, Uber Eats: Was die Plattformen wirklich kosten — und wie Sie trotzdem Marge behalten

Plattformgebühren in Deutschland sauber kalkulieren: Wie Sie Lieferando, Wolt und Uber Eats über Deckungsbeitrag statt Bauchgefühl vergleichen.

Aktualisiert 13. Feb. 2026
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Lieferando, Wolt, Uber Eats: Was die Plattformen wirklich kosten — und wie Sie trotzdem Marge behalten

Mehr Bestellungen übers App-Tablet bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. In vielen Betrieben liegt der Engpass nicht im Umsatz, sondern in einer zu groben Kalkulation: Die Provision wird gesehen, aber Verpackung, Werbekosten, Rabattbeteiligung und Peak-Zeitkosten bleiben zu lange unsichtbar.

Wenn Sie Lieferservice profitabel steuern wollen, brauchen Sie deshalb zwei Dinge: eine saubere Quote je Plattform und eine DB-Rechnung pro Gericht.

Kurz gesagt

  • Vergleichen Sie Lieferando, Wolt und Uber Eats über den Deckungsbeitrag pro Bestellung, nicht über den ersten Prozentwert im Pitch.
  • Rechnen Sie Delivery-Preise pro Artikel statt mit einem pauschalen Aufschlag auf die ganze Karte.
  • Trennen Sie Innenstadt-Lunch und Wohngebiet-Abend in der Auswertung, weil Bonhöhe und Zeitaufwand unterschiedlich sind.
  • Kalkulieren Sie Mehrwegprozesse mit, nicht nur Verpackungsmaterial.

Warum 2026 ein Monatsreport Pflicht ist

Der Kostendruck kommt 2026 nicht aus einer einzigen Quelle. Destatis meldet in der Pressemitteilung vom 16.01.2026 für den Jahresdurchschnitt 2025:

  • Verbraucherpreise gesamt: +2,2 %
  • Nahrungsmittel: +2,0 %
  • Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen: +3,8 %

Wenn Plattformkosten, Warenkosten und Arbeitskosten in unterschiedlichem Tempo steigen, reicht eine jährliche Preisrunde nicht mehr. Die effektive Plattformquote gehört deshalb in den monatlichen Report, direkt neben Wareneinsatz und Personalkostenquote.

1) Was Plattformen tatsächlich abrechnen

KostenblockWas Sie konkret prüfen sollten
Basisgebühr/ProvisionVertragsmodell (eigene Lieferung vs. Plattformlieferung), Kanal und Region
ZusatzmoduleAds, Sichtbarkeit, Rabattbeteiligung, ggf. Mitgliedschaftsprogramme
AbzügeStorno, Reklamation, Korrekturen in der Auszahlung
Operative NebenkostenVerpackung, Mehrweghandling, Peak-Zeit für Kommissionierung/Abgabe

Die konkrete Höhe ist bei allen großen Plattformen vertraglich und marktabhängig. Darum sollten Sie nicht mit pauschalen Branchenwerten steuern, sondern mit Ihrer eigenen effektiven Monatsquote.

Öffentlich einsehbare Hinweise (Stand: 13.02.2026)

Bei Uber Eats Deutschland nennt die Preisseite für Marketplace aktuell unter anderem:

  • Uber Delivery 30 % (bei Uber One Mitgliedern 33 %),
  • Self-delivery 14 %,
  • Pickup 14 %,
  • Uber Direct ab 7,90 EUR pro Lieferung ohne Provision.

Gleichzeitig verweist Uber in derselben Fußnote darauf, dass die individuelle Rate je nach Auftragsart, Distanz, Marktregion und weiteren Faktoren höher oder niedriger sein kann.

Bei Wolt ist die Logik ähnlich: Die Lernseite erklärt Kommissionstypen (Standard, Wolt+, Takeaway) und Zusatzgebühren, stellt aber klar, dass konkrete Gebühren im jeweiligen Vertrag geregelt sind.

Bei Lieferando gilt in der Praxis ebenfalls: Vertragsdetails und Zusatzleistungen entscheiden über die reale Kostenquote. Deshalb ist Ihre eigene Abrechnung der belastbare Ausgangspunkt.

2) Die Kennzahl, die wirklich zählt: effektive Plattformquote

Effektive Plattformquote (%) =
(Provision + Zahlungsgebühren + Werbekosten + Rabattbeteiligung + Stornoabzüge)
÷ Plattformumsatz × 100

Diese Quote zeigt, was das Portal Sie real kostet. Sie ersetzt nicht den Vertrag, aber sie zeigt, ob Ihr aktuelles Pricing im Alltag funktioniert.

3) Rechenbeispiel: Wann ein Bestseller kippt

Beispielgericht (realistische Musterwerte):

  • Delivery-Preis: 18,90 EUR
  • Wareneinsatz: 4,80 EUR
  • Verpackung: 1,25 EUR
  • Variable Personalkosten: 2,10 EUR
  • Sonstige variable Kosten: 0,65 EUR
Deckungsbeitrag je Bestellung =
Verkaufspreis
- Plattformkosten
- Wareneinsatz
- Verpackung
- variable Personalkosten
- sonstige variable Kosten
SzenarioPlattformkostenDeckungsbeitrag
Effektive Quote 19 %3,59 EUR6,51 EUR
Effektive Quote 28 %5,29 EUR4,81 EUR

Differenz: 1,70 EUR pro Bestellung. Bei 1.200 Bestellungen pro Monat sind das 2.040 EUR Ergebnisunterschied. Darum steuern profitable Teams nicht nur den Umsatz je Plattform, sondern den DB je Artikel und je Tageszeit.

4) Lokale Umsetzung: Berlin-Mitte vs. Wohngebiet Köln

SzenarioTypischer EffektPraktische Anpassung
Berlin-Mitte, lunch-lastigNiedrigerer Bon, hohes Peak-Fenster, Wartezeiten in kurzen SlotsLunch-spezifische Mindestbestellwerte, Top-Artikel mit stabilem DB priorisieren
Wohngebiet Köln, abendlastigHöherer Bon, längere Routen, mehr FamilienbestellungenZonenpreise sauber staffeln, Bundle nur mit geprüfter DB-Marge anbieten

Die größte Fehlentscheidung ist ein einziges Delivery-Preisschema für beide Situationen. Trennen Sie mindestens nach Zeitfenster und Zone, sonst verlieren Sie Marge in einem Segment oder Conversion im anderen.

5) Deutschland-spezifisch: Mehrwegpflicht als Prozesskosten mitdenken

Nach Umweltbundesamt gilt seit 01.01.2023 die Mehrwegangebotspflicht für bestimmte To-go-Verpackungen. Neben Materialkosten entstehen dabei auch Zeitkosten für Ausgabe, Rücknahme und Teamabstimmung.

Kleinbetriebe mit Ausnahmeregelung können stattdessen kundeneigene Behälter befüllen, haben aber ebenfalls operativen Aufwand. Wenn diese Minuten nicht in der Delivery-Kalkulation auftauchen, wirkt die Marge auf dem Papier besser als in der Kasse.

Mehr dazu im Leitfaden Verpackungskosten im To-go-Geschäft.

30-Minuten-Monatsroutine

  1. Plattformabrechnungen der letzten 30 Tage exportieren.
  2. Effektive Plattformquote je Kanal und je Zeitfenster berechnen.
  3. Top-10 Delivery-Artikel auf Deckungsbeitrag je Bestellung nachrechnen.
  4. Verpackung und Mehrweghandling einmal in Echtzeit stoppen und Minutenkosten zuordnen.
  5. Delivery-Preis, Bundle oder Listung bei negativen DB-Artikeln sofort anpassen.

Diese Woche umsetzen

  • Für jede Plattform die effektive Plattformquote der letzten 30 Tage rechnen.
  • Lunch und Abend separat auswerten statt als einen Block.
  • Die drei umsatzstärksten Gerichte je Plattform auf DB stabilisieren.
  • Mehrweg- und Verpackungsprozess inklusive Zeitaufwand im Team dokumentieren.
  • Kanalentscheidungen nach Deckungsbeitrag statt nur nach Bestellanzahl treffen.

Quellen (Stand: 13.02.2026)

Wenn Sie Delivery-Preise, Wareneinsatz und Plattformkosten je Kanal zusammen steuern wollen, hilft KitchenCost bei der monatlichen Nachkalkulation von Deckungsbeitrag und Preisvarianten.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die Provision bei Lieferando für Restaurants?

Es gibt keine deutschlandweit einheitliche Pauschalprovision, die für alle Betriebe identisch gilt. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelner Prozentwert im Gespräch, sondern die effektive Plattformquote aus Ihrer realen Monatsabrechnung.

Sollte ich meine Preise auf Lieferplattformen erhöhen?

In vielen Betrieben ja, aber nicht pauschal mit einem festen Aufschlag für die ganze Karte. Sinnvoller ist ein eigener Delivery-Preis pro Gericht auf Basis von Wareneinsatz, Verpackung, variablen Personalkosten und effektiver Plattformquote.

Lohnt sich Lieferservice für mein Restaurant überhaupt?

Das entscheidet die Rechnung pro Bestellung. Erst wenn nach Plattformkosten, Wareneinsatz, Verpackung und variablen Personalkosten ein stabiler Deckungsbeitrag übrig bleibt, trägt Delivery zuverlässig zum Ergebnis bei.

Welche Lieferplattform hat die niedrigsten Gebühren in Deutschland?

Die wirtschaftlich beste Plattform ist die mit dem höchsten Deckungsbeitrag nach allen Abzügen, nicht die mit dem kleinsten Werbe-Prozentsatz. Vergleichen Sie je Kanal die effektive Plattformquote, Stornoquote, Durchschnittsbon und den Deckungsbeitrag pro Bestellung.

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