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Personalkosten Gastronomie: Warum 30 % vom Umsatz nicht reichen und was wirklich hilft

Personalkosten in der Gastronomie richtig kalkulieren — Lohnnebenkosten, Mindestlohn 2026, Personalquote nach Betriebsart und wo die versteckten Kostenfresser sitzen.

Aktualisiert 11. Feb. 2026
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Personalkosten Gastronomie: Warum 30 % vom Umsatz nicht reichen und was wirklich hilft

Viele Betriebe sehen in der BWA zuerst auf den Wareneinsatz. In der Praxis kippt das Ergebnis aber oft beim Personal, weil nur der Bruttolohn gerechnet wurde. Genau dort entstehen die typischen Fehlentscheidungen: zu niedrige Menüpreise, zu große Teams in schwachen Slots und zu knappe Reserven bei Ausfalltagen.

Kurzfassung für den Alltag

  • Rechnen Sie Personalkosten immer als Vollkosten: Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile/Umlagen plus Ausfallreserve.
  • Bewerten Sie nicht nur die Personalkostenquote, sondern immer den Prime Cost mit (Wareneinsatz + Personal).
  • Planen Sie Schichten nach Umsatzfenstern statt nach Gewohnheit.

1) Was in die Personalkostenquote gehört

Die saubere Formel lautet:

Personalkostenquote (%) =
(Bruttolöhne + Arbeitgeberanteile SV + Umlagen + bezahlte Ausfallzeiten + Aushilfs-/Ersatzkosten)
÷ Nettoumsatz × 100

Wenn Sie nur den Bruttolohn rechnen, unterschätzen Sie die Quote systematisch.

KostenblockTypischer Inhalt
BruttolöhneVollzeit, Teilzeit, Minijob, Zuschläge
Arbeitgeberanteile/UmlagenRenten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung, U1/U2/U3, BG
AusfallzeitenUrlaub, Feiertage, Krankheit, Fortbildung
ErsatzkostenSpringer, Aushilfe, Zeitarbeit in Peaks

Rechenbeispiel (Restaurant in Köln, Monatswert)

PositionBetrag
Nettoumsatz98.000 €
Bruttolöhne22.400 €
Arbeitgeberanteile/Umlagen4.900 €
Reserve für bezahlte Ausfallzeiten2.300 €
Aushilfe bei Peaks/Krankheit1.270 €
Gesamte Personalkosten30.870 €
Personalkostenquote31,5 %

Wenn derselbe Betrieb nur die Bruttolöhne betrachtet, läge die Quote scheinbar bei 22,9 %. Genau diese Lücke führt später zu falschen Preisentscheidungen.

2) Was 2026 in Deutschland konkret gilt

Die wichtigsten Rahmendaten für Planung und Kommunikation:

ThemaStand
Gesetzlicher Mindestlohn13,90 € ab 01.01.2026, 14,60 € ab 01.01.2027
Minijob-Verdienstgrenze603 € pro Monat (7.236 € pro Jahr)
Beitragssatz Arbeitslosenversicherung2,6 % gesamt (1,3 % AG / 1,3 % AN)
Beitragssatz gesetzliche Rentenversicherung18,6 % gesamt (9,3 % AG / 9,3 % AN)

Für die Mindestlohn-Kalkulation 2026 heißt das praktisch: Jede Stunde, die im Leerlauf verplant wird, ist teurer als noch im Vorjahr.

3) Richtwerte nach Betriebsart

Es gibt keinen Einheitswert für alle Konzepte. Diese Korridore sind als Controlling-Anker nutzbar:

BetriebsartPersonalkostenquote (Richtwert)
Imbiss / Quick Service20–28 %
Café / Bäckerei mit Sitzplätzen26–34 %
Klassisches Full-Service-Restaurant28–35 %
Fine Dining32–40 %
Catering / Eventgeschäft30–38 %

Parallel prüfen: Prime Cost. Liegen Wareneinsatz plus Personal dauerhaft deutlich über 65 %, braucht der Betrieb meist eine Kombination aus Preis-, Prozess- und Schichtanpassung.

4) Drei Hebel, die im Betrieb sofort wirken

Hebel A: Schichten auf Umsatzfenster legen

Werten Sie 4 Wochen nach Wochentag und Uhrzeit aus. Viele Betriebe entdecken dabei dieselbe Schieflage: montags und dienstags zu hoch besetzt, freitags zu viel Überstunde in der Schlussphase.

Hebel B: Prep-Prozesse standardisieren

Wenn Mise en Place nicht klar ist, zahlen Sie Personal für Suchzeiten, Nachproduktion und Hektik im Peak. Standardlisten und feste Prep-Slots senken diese Leerlaufminuten oft schneller als jede Preisrunde.

Hebel C: Minijob-Stunden aktiv steuern

Mit 603 € Grenze müssen Stunden sauber geführt werden. Nicht erst am Monatsende reagieren, sondern wöchentlich gegenprüfen. Sonst kippt ein vermeintlich günstiger Peak-Einsatz schnell in ein ungeplantes Kostenproblem.

5) Jetzt umsetzen (7-Tage-Plan)

  • Personalkostenquote für den letzten Monat als Vollkostenquote neu rechnen
  • Top-3 Schichten mit höchstem Leerlauf identifizieren
  • Für jede Peak-Schicht Zielbesetzung (Minimum/Soll) definieren
  • Minijob-Stunden je Person für den laufenden Monat hochrechnen
  • Prime Cost je Woche im Team-Review fest verankern

Quellen (Stand: 11.02.2026)

Wenn Sie Preise und Personalkosten gemeinsam steuern wollen, hilft KitchenCost beim monatlichen Nachkalkulieren von Rezepten, Deckungsbeiträgen und Preisvarianten.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch darf die Personalkostenquote in der Gastronomie sein?

Als praxistauglicher Richtwert gelten 25–35 % vom Nettoumsatz, je nach Betriebsart. Schnellgastronomie liegt oft darunter, Full-Service-Restaurants eher darüber. Wichtig ist der Blick auf den Prime Cost: Wareneinsatz plus Personalkosten sollten in vielen Konzepten unter etwa 65 % bleiben.

Wie viel kosten Lohnnebenkosten in der Gastronomie?

Für eine belastbare Schnellkalkulation planen viele Betriebe mit Bruttolohn plus rund 20–25 % Arbeitgeberanteile/Umlagen. Dazu kommt eine Reserve für bezahlte Ausfallzeiten (Urlaub, Feiertage, Krankheit), oft noch einmal 8–12 % auf die produktiv verfügbaren Stunden.

Wie hoch ist der Mindestlohn in der Gastronomie 2026?

Seit dem 1. Januar 2026 gilt der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 € pro Stunde. Zum 1. Januar 2027 steigt er auf 14,60 €. Die Minijob-Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 € pro Monat.

Wie kann ich Personalkosten in der Gastronomie senken?

Die wirksamsten Hebel sind operative Disziplin: Schichtplanung nach Umsatzfenstern statt nach Gewohnheit, klare Prep-Standards in Küche/Bar und saubere Trennung von Peak-Schichten (Teilzeit/Minijob) und Basisbesetzung. Das senkt Leerlaufstunden, ohne die Servicequalität zu drücken.

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