Kurzfazit
- Ein Food Truck braucht eine Portionskalkulation mit Fixkostenanteil, nicht nur “Wareneinsatz mal Faktor”.
- Seit 1. Januar 2026 gilt ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 EUR je Stunde. Das wirkt direkt auf Ihre Preisunterkante.
- Mit einer monatlichen Nachkalkulation vermeiden Sie die typische Falle: gute Auslastung, aber zu wenig Deckungsbeitrag.
Viele Food-Truck-Betreiber kalkulieren sauber beim Einkauf, verlieren aber Marge bei den Betriebskosten. Standplatz, Verpackung, Kartengebuehren und wetterbedingte Ausfalltage werden oft zu spaet eingerechnet.
Dieser Leitfaden zeigt Ihnen eine einfache Struktur, mit der Sie Ihren realen Mindestpreis pro Portion berechnen.
Warum Sie 2026 enger kalkulieren sollten
Das Bundesministerium fuer Arbeit und Soziales nennt fuer 2026 den neuen gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 EUR. Parallel meldete Destatis fuer 2025 eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,2 %.
Fuer Food Trucks bedeutet das: Personal- und Einkaufskosten bleiben in Bewegung. Wenn Preise auf der Karte monatelang unveraendert bleiben, rutscht der Deckungsbeitrag oft unbemerkt nach unten.
1) Fixkosten vollstaendig erfassen
Nehmen Sie nur Kosten auf, die auch dann anfallen, wenn ein Tag schlecht laeuft.
| Kostenart | Monatlich (Beispiel) |
|---|---|
| Standgebuehren | 1.200 EUR |
| Fahrzeugrate / Finanzierung | 950 EUR |
| Versicherung und Kfz-Steuer | 290 EUR |
| Strom, Gas, Generator | 260 EUR |
| Software, Kasse, Marketing | 180 EUR |
| Wartungsruecklage | 320 EUR |
| Unternehmerlohn | 3.200 EUR |
| Fixkosten gesamt | 6.400 EUR |
2) Variable Kosten pro Portion erfassen
Variable Kosten wachsen mit jeder Bestellung. Gerade Verpackung und Plattformgebuehren werden im Tagesgeschaeft oft unterschaetzt.
| Position pro Portion | Betrag |
|---|---|
| Wareneinsatz | 2,95 EUR |
| Verpackung | 0,55 EUR |
| Kartengebuehren | 0,25 EUR |
| App-/Plattformkosten | 0,85 EUR |
| Variable Kosten gesamt | 4,60 EUR |
3) Formeln, die Sie wirklich brauchen
Fixkosten pro Portion = Fixkosten monatlich / verkaufte Portionen pro Monat
Mindestverkaufspreis (netto) = variable Kosten pro Portion + Fixkosten pro Portion
Verkaufspreis mit Gewinnziel (netto) = Mindestverkaufspreis / (1 - Gewinnziel)
Rechenbeispiel: Streetfood-Hauptgericht
Angenommen, Sie verkaufen 1.600 Portionen pro Monat.
Fixkosten pro Portion = 6.400 / 1.600 = 4,00 EUR
Mindestverkaufspreis (netto) = 4,60 + 4,00 = 8,60 EUR
Bei einem Gewinnziel von 12 %:
8,60 / (1 - 0,12) = 9,77 EUR netto
9,77 x 1,19 = 11,63 EUR brutto
Ein Kartenpreis von 11,90 EUR waere in diesem Beispiel die sichere Unterkante. Darunter verkaufen Sie zwar Menge, aber kaum Ergebnis.
Typische Fehler in der Food-Truck-Kalkulation
- Unternehmerlohn nicht als echte Kosten einplanen.
- Schwaecheren Wettermonat mit einem Spitzenmonat verrechnen.
- Verpackung als “Nebenkosten” behandeln statt pro Portion.
- Preise nur bei neuen Menues anpassen, nicht bei laufenden Bestsellern.
15-Minuten-Routine pro Monat
- Top-10-Einkaufsartikel aktualisieren.
- Fixkostenliste mit Kontoauszug gegenpruefen.
- Fixkosten pro Portion neu berechnen.
- Drei Bestseller auf Mindestverkaufspreis und Deckungsbeitrag pruefen.
- Preise oder Portionsgroessen sofort nachziehen.
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Offizielle Quellen
- BMAS - Mindestlohn steigt 2026 auf 13,90 EUR
- Destatis - Inflationsrate 2025 bei +2,2 % (Meldung vom 16.01.2026)
- Statistisches Bundesamt - Verbraucherpreisindex
Diese Woche umsetzen
- Fixkostenliste fuer die letzten 30 Tage finalisieren.
- Verpackung und Zahlungsgebuehren pro Portion sauber mitschreiben.
- Mindestverkaufspreis fuer Ihre drei meistverkauften Gerichte berechnen.
- Zwei Preise anpassen, statt auf die naechste Quartalsrunde zu warten.