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Allergenkennzeichnung Gastronomie: Was die LMIV kostet — und wie Sie es richtig machen

Allergenkennzeichnung in der Gastronomie nach LMIV — die 14 Allergene, Pflichten auf der Speisekarte, Bußgelder und wie die Kennzeichnung in die Kalkulation passt.

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Allergenkennzeichnung Gastronomie: Was die LMIV kostet — und wie Sie es richtig machen

Im April 2025 hat sich die LMIV wieder geändert. Senf und Senferzeugnisse müssen jetzt extra hervorgehoben werden — nicht nur erwähnt, sondern visuell betont. Fett, andere Schriftart oder farblicher Hintergrund. Klingt nach Kleinigkeit? Für Ihre Speisekarte bedeutet es: nochmal überarbeiten.

Und das ist symptomatisch. Die Allergenkennzeichnung ist kein einmaliges Projekt, das man abhakt. Sie ist ein laufender Prozess, der mit jeder Rezeptänderung, jedem neuen Gericht, jedem Lieferantenwechsel wieder relevant wird. Wer das ignoriert, riskiert nicht nur Bußgelder — sondern die Gesundheit seiner Gäste.

Die 14 Allergene — die vollständige Liste

Nr.AllergenHäufige Quellen in der Gastro-KücheFußnoten-Code
1Glutenhaltiges GetreideMehl, Paniermehl, Soßenbinder, Brot, Nudeln, BierA
2KrebstiereGarnelen, Krabben, Hummer, LangustenB
3EierMayonnaise, Nudeln, Panierungen, Desserts, DressingsC
4FischFischsauce, Worcestershire-Sauce, Caesar-DressingD
5ErdnüsseSatay-Saucen, asiatische Gerichte, DessertsE
6SojaSojaöl, Sojasoße, Tofu, viele FertigprodukteF
7Milch/LaktoseButter, Sahne, Käse, Schokolade, BackwarenG
8SchalenfrüchtePesto (Pinienkerne), Marzipan, Nussöle, MüsliH
9SellerieSuppengrün, Brühpulver, Gewürzmischungen, WaldorfsalatI
10SenfDressings, Marinaden, Senfsauce, GewürzmischungenJ
11SesamSesamöl, Burgerbrötchen, Hummus, asiatische GerichteK
12Schwefeldioxid/SulfiteWein, Trockenfrüchte, Essig, KartoffelprodukteL
13LupinenLupinen-Mehl (in glutenfreien Backwaren), EiweißprodukteM
14WeichtiereMuscheln, Tintenfisch, Austern, SchneckenN

Die Tücke liegt im Detail: Sellerie steckt in fast jedem Brühpulver. Soja findet sich in vielen Fertigprodukten. Sulfite sind in Wein und Essig. Wer nur die offensichtlichen Allergene kennzeichnet, übersieht die versteckten — und genau dort passieren die gefährlichen Fehler.

Was die LMIV verlangt — und was nicht

Pflicht

AnforderungDetails
Alle 14 Allergene kennzeichnenFür jedes unverpackte Lebensmittel (= alles aus Ihrer Küche)
Visuelle HervorhebungAllergene müssen sich vom übrigen Text abheben (fett, Farbe, andere Schrift)
Information vor dem KaufGast muss sich vor der Bestellung informieren können
DokumentationRezepturen mit Allergenen müssen dokumentiert sein
SchulungMindestens eine geschulte Person pro Schicht

Kein Pflicht

Nicht erforderlichErklärung
Alle Zutaten auflistenNur die 14 Allergene — keine vollständige Zutatenliste
Druckkosten für neue KartenMündliche Auskunft + Aushang ist zulässig (wenn auch nicht empfohlen)
Zertifizierung oder AuditEs gibt keine Pflicht-Zertifizierung — die Lebensmittelüberwachung kontrolliert
Spuren-Kennzeichnung”Kann Spuren enthalten von…” ist freiwillig, aber empfehlenswert

Vier Wege der Kennzeichnung — Vor- und Nachteile

Weg 1: Fußnoten auf der Speisekarte

Die verbreitetste Methode. Hinter jedem Gericht stehen die Buchstaben (A–N) oder Ziffern (1–14) der enthaltenen Allergene.

Beispiel: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat ^(A, C, G, I, J)

  • ✅ Günstig, funktioniert mit jeder Speisekarte
  • ✅ Gast sieht sofort, was im Gericht steckt
  • ❌ Karte wird unübersichtlich bei vielen Allergenen
  • ❌ Bei Kartenänderungen muss die Zuordnung aktualisiert werden

Weg 2: Separater Allergen-Aushang

Eine Tabelle im Gastraum, die alle Gerichte und ihre Allergene auflistet.

  • ✅ Speisekarte bleibt sauber
  • ✅ Einfach zu aktualisieren
  • ❌ Gast muss aufstehen und nachschauen
  • ❌ Wird von vielen Gästen übersehen

Weg 3: Digitale Lösung (QR-Code)

QR-Code auf der Karte oder am Tisch. Gast scannt und sieht die Allergene digital.

  • ✅ Immer aktuell, wenn mit Rezeptdatenbank verknüpft
  • ✅ Modern, mehrsprachig möglich
  • ❌ Nicht alle Gäste möchten ihr Handy nutzen
  • ❌ Braucht WLAN oder mobiles Netz im Gastraum

Weg 4: Mündliche Auskunft

Rechtlich zulässig — aber an Bedingungen geknüpft (siehe FAQ oben).

  • ✅ Kein Druckaufwand
  • ❌ Fehleranfällig (Personal muss alle Rezepturen kennen)
  • ❌ Zeitintensiv im Service
  • ❌ Bei Schichtwechsel oder Aushilfen problematisch

Empfehlung: Kombination aus Weg 1 und Weg 3. Fußnoten auf der Karte für die wichtigsten Allergene, QR-Code für die vollständige Übersicht. Und in jedem Fall: eine saubere Rezeptdokumentation im Hintergrund. Ob Sie dafür Excel oder eine App zur Rezeptkalkulation nutzen, hängt von der Betriebsgröße ab — aber digital ist die Allergenverwaltung deutlich einfacher.

Allergenkennzeichnung und Kalkulation — der Zusammenhang

Was hat das mit Kalkulation zu tun? Mehr als man denkt.

Wenn Allergene die Rezeptur verändern

Ein Stammgast bestellt das Schnitzel — aber glutenfrei. Sie verwenden Reismehl statt Weizenmehl, dazu Reispanko statt normalem Paniermehl. Plötzlich ändert sich der Wareneinsatz:

ZutatStandard-RezeptGlutenfrei-VariantePreisunterschied
Mehl (500 g)0,45 € (Weizenmehl)1,85 € (Reismehl)+1,40 €
Paniermehl (300 g)0,60 €2,10 € (Reispanko)+1,50 €
Sonstiges4,20 €4,20 €± 0
Gesamt5,25 €8,15 €+2,90 €

Bei einem Verkaufspreis von 18,90 € (netto bei 7 % MwSt. = 17,66 €) steigt der Wareneinsatz von 29,7 % auf 46,1 %. Die Marge schmilzt.

Die Lösung: Allergenfreie Varianten bewusst kalkulieren

EntscheidungUmsetzung
Aufpreis verlangen”Glutenfreie Variante: +3,00 €” — transparent und fair
In den Grundpreis einrechnenFunktioniert nur, wenn Allergie-Varianten selten bestellt werden (<10 %)
Eigene Gerichte für AllergikerSeparater Bereich auf der Karte, eigene Kalkulation
Standard-Rezeptur anpassenWenn möglich: Grundrezept allergikerfreundlich gestalten

Der Dokumentationsaufwand — realistisch eingeschätzt

Erstaufwand

AufgabeZeitaufwandHäufigkeit
Alle Rezepturen auflisten4–8 Stunden (bei 30–60 Gerichten)Einmalig
Allergene pro Rezeptur zuordnen3–6 StundenEinmalig
Zutatenlisten der Lieferanten prüfen2–4 StundenEinmalig
Speisekarte aktualisieren2–4 StundenEinmalig
Mitarbeiterschulung1–2 StundenEinmalig
Gesamt Erstaufwand12–24 Stunden

Laufender Aufwand

AufgabeZeitaufwandHäufigkeit
Neue Gerichte: Allergene zuordnen15–30 Min. pro GerichtBei jeder Kartenänderung
Lieferanten-Zutatenlisten prüfen30 Min.Bei Lieferantenwechsel
Speisekarte/Aushang aktualisieren30–60 Min.Bei Kartenänderung
Nachschulung Personal30 Min.Halbjährlich + bei Neueinstellung

Die fünf häufigsten Fehler bei der Allergenkennzeichnung

1. Versteckte Allergene übersehen

Worcestershire-Sauce enthält Fisch. Brühpulver enthält Sellerie und oft Soja. Fertige Gewürzmischungen können Senf, Sellerie und Glutenenthalten. Prüfen Sie die Zutatenlisten Ihrer Fertigprodukte — nicht nur die offensichtlichen Zutaten. Allergenkennzeichnung gehört — genau wie das HACCP-Konzept — zu den Pflichten, die bei jeder Lebensmittelkontrolle geprüft werden.

2. Bei Rezeptänderungen nicht aktualisieren

Neue Zutat im Dressing? Anderer Lieferant für die Brühe? Jede Änderung kann neue Allergene einführen. Machen Sie die Allergenprüfung zum festen Bestandteil jeder Rezeptänderung.

3. Personal nicht geschult

Die Aushilfe am Wochenende weiß nicht, was in der Suppe ist. Wenn ein Gast nach Allergenen fragt und die Antwort “ich glaube, da ist kein Senf drin” lautet — haben Sie ein Problem.

4. Kreuzkontamination ignorieren

Glutenfreie Speisen in derselben Fritteuse wie panierte Schnitzel? Das ist keine glutenfreie Option. Wenn Sie allergenfreie Varianten anbieten, muss die Zubereitung getrennt erfolgen.

5. Nur die Karte, nicht die Zubereitungspraxis prüfen

Auf der Karte steht: milchfrei. Aber in der Küche wird die Pfanne vorher für ein Gericht mit Butter benutzt, ohne sie dazwischen zu reinigen. Die Dokumentation muss mit der Praxis übereinstimmen.

LMIV-Änderungen 2025/2026 — was neu ist

ÄnderungAb wannWas zu tun ist
Senf visuell hervorheben1. April 2025Speisekarte prüfen: Senf muss fett, farbig oder in anderer Schrift
Neue Verpackungsverordnung12. August 2026Betrifft hauptsächlich To-go-Verpackungen
Elektronische Dokumentation erlaubtBereits gültigApp- oder Software-basierte Rezeptdokumentation ist zulässig
BMEL-Kontrollprogramm 2023–2027LaufendAllergenkennzeichnung ist Kontrollschwerpunkt — auch bei Betriebsprüfungen wird lückenlose Dokumentation erwartet

Diese Woche noch umsetzen

  • Prüfen Sie: Sind Senf und Senfprodukte auf Ihrer Speisekarte visuell hervorgehoben (seit April 2025 Pflicht)?
  • Nehmen Sie Ihre fünf meistverkauften Gerichte und listen Sie alle Allergene auf — nicht nur die offensichtlichen
  • Prüfen Sie die Zutatenlisten von drei Fertigprodukten, die Sie regelmäßig verwenden (Brühpulver, Soßen, Gewürzmischungen)
  • Fragen Sie Ihren Küchenchef: Gibt es ein dokumentiertes Verfahren bei Allergen-Anfragen?
  • Kalkulieren Sie eine allergenfreie Variante Ihres beliebtesten Gerichts — und prüfen Sie, ob der Preis noch stimmt

KitchenCost rechnet den Wareneinsatz pro Rezept — für jede Variante einzeln. Standardrezept und glutenfreie Alternative: zwei Kalkulationen, zwei Margen, eine klare Entscheidung. Zutaten eingeben, Kosten vergleichen, Preise fundiert festlegen. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Welche Allergene müssen in der Gastronomie gekennzeichnet werden?

14 Allergene sind nach EU-Verordnung (LMIV) kennzeichnungspflichtig: Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel), Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch/Laktose, Schalenfrüchte (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashew, Pekan, Paranüsse, Pistazien, Macadamia), Sellerie, Senf, Sesam, Schwefeldioxid/Sulfite (>10 mg/kg), Lupinen und Weichtiere. Die Kennzeichnung gilt für alle unverpackten Speisen — also alles, was Sie in der Küche zubereiten.

Welche Strafen drohen bei fehlender Allergenkennzeichnung?

Bußgelder bis 50.000 € sind möglich. In der Praxis liegen die Strafen bei Erstverstößen meist zwischen 500 und 5.000 €. Aber das größere Risiko ist die Haftung: Wenn ein Gast wegen einer nicht deklarierten Allergie einen allergischen Schock erleidet, haften Sie persönlich — Schmerzensgeld, Behandlungskosten, im schlimmsten Fall Schadensersatz bei bleibenden Schäden. Die Lebensmittelüberwachung kontrolliert unangekündigt.

Reicht mündliche Allergenauskunft in der Gastronomie?

Ja, mündliche Auskunft ist rechtlich zulässig — aber nur unter Bedingungen: Es muss ein geschulter Mitarbeiter verfügbar sein, der verbindlich Auskunft geben kann. Die Information muss dokumentiert vorliegen (z.B. Rezeptordner mit Allergenliste). Und es muss ein gut sichtbarer Hinweis aushängen, dass Allergeninformationen beim Personal erfragt werden können. In der Praxis ist die schriftliche Kennzeichnung (Speisekarte, Aushang oder QR-Code) sicherer und spart dem Service Zeit.

Was kostet die Allergenkennzeichnung einen Gastro-Betrieb?

Der Hauptaufwand ist einmalig: Alle Rezepturen durchgehen und Allergene zuordnen (8–20 Stunden je nach Kartengröße). Danach: bei jeder Kartenänderung prüfen, ob neue Allergene hinzukommen. Software-Lösungen für Allergenmanagement kosten 30–80 € pro Monat. Viele Betriebe lösen es aber kostenlos: Rezeptordner mit Allergentabelle plus Kennzeichnung auf der Speisekarte mit Fußnoten (A–N) oder Symbolen.

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