Ratgeber

Versicherungen in der Gastronomie: Was Pflicht ist, was sinnvoll ist — und was Sie sich sparen können

Welche Versicherungen braucht ein Gastronomiebetrieb wirklich? Pflichtversicherungen, Kosten pro Monat, typische Schadensfälle und wo Sie übersichert sind.

Versicherungen GastronomieBetriebshaftpflicht RestaurantGastronomie Versicherung KostenInventarversicherung KücheBetriebsunterbrechung GastronomieGewerbeversicherung Restaurant
Auf dieser Seite

Versicherungen in der Gastronomie: Was Pflicht ist, was sinnvoll ist — und was Sie sich sparen können

Ein Dienstagabend um halb elf. Sie wischen die letzte Theke ab, zählen die Kasse, und dann klingelt das Telefon. Ein Gast, der vor drei Stunden gegangen ist, liegt im Krankenhaus. Verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Sein Anwalt meldet sich am nächsten Morgen.

Die Frage ist nicht, ob so etwas passiert. Die Frage ist, ob Sie in dem Moment an Ihren Betrieb denken müssen — oder ob jemand anderes die Rechnung übernimmt.

Versicherungen gehören zu den Posten, die jeder Gastronom bezahlt, aber kaum einer wirklich versteht. Sie wissen, dass Sie eine Haftpflicht haben. Aber reicht die Deckungssumme? Brauchen Sie die Glasversicherung, die Ihnen Ihr Makler ans Herz gelegt hat? Und was passiert eigentlich, wenn Ihre Küche drei Wochen lang wegen eines Wasserschadens ausfällt?

Was Sie wirklich brauchen — und was nicht

Fangen wir mit der unbequemen Wahrheit an: Die meisten Gastronomen sind gleichzeitig unter- und übersichert. Untversichert bei den existenzbedrohenden Risiken. Übersichert bei den Kleinigkeiten, die ein guter Makler gern dazupackt.

Die drei Schichten der Absicherung

SchichtWas sie abdecktBeispielePriorität
ExistenzschutzRisiken, die den Betrieb vernichten könnenBetriebshaftpflicht, Betriebsunterbrechung, BGNSofort abschließen
SubstanzschutzSchäden an Ihrem VermögenInventarversicherung (Feuer, Wasser, Einbruch), MaschinenbruchSehr empfehlenswert
KomfortschutzUnannehmlichkeiten, die wehtun, aber nicht ruinierenGlasversicherung, Elektronik, CyberversicherungNur wenn es sich rechnet

Schicht 1: Existenzschutz — was Sie ab Tag 1 brauchen

Betriebshaftpflichtversicherung

Das ist die Versicherung, ohne die Sie keinen Gastronomiebetrieb führen sollten. Punkt.

Was sie abdeckt:

  • Ein Gast rutscht auf nassem Boden aus und bricht sich den Oberschenkelhals — Behandlung, Schmerzensgeld, Verdienstausfall: schnell 80.000 €+
  • Ein Kind verbrennt sich an einer heißen Tasse, die ein Kellner zu nah an die Tischkante gestellt hat
  • Allergische Reaktion, weil ein Allergen nicht korrekt deklariert war (→ Allergenkennzeichnung)
  • Sachschäden: Ein Mitarbeiter beschädigt beim Einräumen die Wand des Nachbarladens

Was sie typischerweise kostet:

BetriebsartSitzplätzeMitarbeiterMonatsbeitrag (5 Mio. € Deckung)
Imbiss / Food Truck0–101–220–40 €
Café / kleine Bar20–402–330–60 €
Restaurant50–804–850–90 €
Großgastronomie100+10+80–150 €

Worauf Sie achten müssen:

  • Deckungssumme mindestens 5 Mio. € pauschal für Personen- und Sachschäden. Alles darunter ist bei einem Personenschaden zu wenig.
  • Allmählichkeitsschäden einschließen (z. B. Ihr defektes Rohr beschädigt langsam die Wand des Nachbarn)
  • Abhandenkommen von Garderobenstücken — Gäste lassen Jacken an der Garderobe, die verschwinden
  • Schlüsselverlustrisiko — wenn Ihr Mitarbeiter den Generalschlüssel des Gebäudes verliert

Berufsgenossenschaft (BGN)

Die Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe ist gesetzliche Pflicht, sobald Sie den ersten Mitarbeiter beschäftigen. Auch als Einzelunternehmer können Sie sich freiwillig versichern.

KennzahlWert
Beitragssatzca. 1,5–3 % der Bruttolohnsumme
Bei 5 Mitarbeitern, Ø 2.200 € bruttoca. 200–330 €/Monat
Was sie abdecktArbeitsunfälle, Wegeunfälle, Berufskrankheiten
BesonderheitAuch unbezahlte Praktikanten und Familienmitglieder, die mithelfen

Betriebsunterbrechungsversicherung

Die Versicherung, an die niemand denkt — bis es zu spät ist.

Das Szenario: In der Nacht von Samstag auf Sonntag bricht ein Rohr in der Decke. Die Küche steht unter Wasser. Der Vermieter braucht drei Wochen für die Trocknung, zwei Wochen für die Sanierung. Fünf Wochen kein Betrieb.

Was in diesen fünf Wochen weiterläuft:

PostenMonatlichIn 5 Wochen
Pacht/Miete3.500 €4.375 €
Personalkosten (Lohnfortzahlung)12.000 €15.000 €
Leasing (Spülmaschine, Kaffeemaschine)800 €1.000 €
Versicherungen, Strom-Grundgebühr600 €750 €
Fixkosten gesamt16.900 €21.125 €

Und dazu der entgangene Deckungsbeitrag: Bei 40.000 € Monatsumsatz und 30 % Deckungsbeitrag verlieren Sie weitere 15.000 € an Gewinn. Gesamtschaden: über 36.000 € — ohne dass irgendetwas in Ihrer Küche kaputt ist.

Die Betriebsunterbrechungsversicherung kostet 30–80 € pro Monat und ersetzt genau diese Summe.

Schicht 2: Substanzschutz — Ihr Inventar absichern

Inventar- / Inhaltsversicherung

Was sie abdeckt:

  • Feuer, Leitungswasser, Sturm, Einbruchdiebstahl, Vandalismus
  • Ihre gesamte Küchenausstattung, Möbel, Vorräte, Kasse

Was sie typischerweise kostet:

InventarwertMonatsbeitrag
bis 50.000 €25–50 €
50.000–150.000 €40–80 €
150.000–300.000 €70–130 €

Häufiger Fehler: Unterversicherung. Wenn Ihr tatsächlicher Inventarwert 120.000 € beträgt, Sie aber nur 60.000 € versichert haben, zahlt die Versicherung im Schadensfall nur 50 % — auch bei einem kleinen Schaden. Das nennt sich Unterversicherungsverzicht, und den sollten Sie unbedingt in den Vertrag aufnehmen lassen.

Maschinenbruchversicherung

Lohnt sich, wenn Sie teure Geräte haben, die nicht leicht zu ersetzen sind.

GerätNeupreisReparatur bei DefektVersicherung sinnvoll?
Kombidämpfer8.000–25.000 €2.000–6.000 €✅ Ja
Kaffeemaschine (Siebträger)5.000–15.000 €1.000–3.000 €✅ Ja
Gewerbespülmaschine3.000–8.000 €500–2.000 €⚠️ Kommt auf die Größe an
Kühlschrank1.000–3.000 €300–800 €❌ Eher nicht — Rücklage bilden

Monatsbeitrag für eine Maschinenbruchversicherung: ca. 1–2 % des Gerätewerts pro Jahr, also bei 40.000 € Gerätepark rund 30–60 € monatlich.

Schicht 3: Komfortschutz — rechnet sich das?

Glasversicherung

Klingt vernünftig. Eine große Schaufensterscheibe kostet 800–2.000 €. Aber: Wie oft geht eine Scheibe kaputt? Einmal in zehn Jahren? Dann zahlen Sie in zehn Jahren 1.200–2.400 € Prämie für einen einmaligen Schaden von 1.500 €. Meist lohnt es sich nicht.

Ausnahme: Wenn Ihr Betrieb an einer Hauptstraße mit Vandalismusrisiko liegt oder Sie großflächige Glasfronten haben (Wintergarten, Glasfassade).

Rechtsschutzversicherung

Sinnvoll, wenn Sie Mietstreitigkeiten befürchten oder Probleme mit Lieferanten oder dem Vermieter absehbar sind. Kosten: 25–50 € pro Monat. Achtung: Arbeitsrechtlicher Rechtsschutz (Kündigungsschutzklagen) ist oft nur als Zusatzbaustein enthalten — fragen Sie explizit danach.

Cyberversicherung

Wird relevanter, je digitaler Ihr Betrieb wird. Wenn Sie ein Online-Reservierungssystem, einen Webshop oder digitale Kundendaten verwalten, kann sich eine Cyberversicherung lohnen (30–60 € monatlich). Für den klassischen Betrieb mit TSE-Kasse und wenig digitaler Infrastruktur: eher nicht.

Die häufigsten Fehler bei Gastronomie-Versicherungen

FehlerWarum er teuer wirdLösung
Zu niedrige Deckungssumme bei HaftpflichtEin Personenschaden mit Folgeschäden übersteigt 1 Mio. € schnellMindestens 5 Mio. € pauschal
Inventar unterschätztUnterversicherung → Versicherer kürzt jede Leistung anteiligInventarliste erstellen, jährlich aktualisieren
DoppelversicherungInhaltsversicherung deckt schon ab, was auch die Maschinenbruch abdecktAlle Policen nebeneinander legen, Überschneidungen streichen
Versicherung nie angepasstBetrieb wächst, Versicherungssumme bleibt gleichJährliche Prüfung im Januar
Zu viele EinzelverträgeMakler verkauft 8 Policen, statt ein Bündel zu schnürenGewerbeversicherung als Paket ist günstiger

Was gehört in Ihre Gemeinkosten?

Versicherungskosten sind fixe Gemeinkosten, die Sie bei jeder Preiskalkulation berücksichtigen müssen. Die Frage ist: Wie viel ist es wirklich?

Rechenbeispiel: Restaurant mit 40.000 € Monatsumsatz

VersicherungMonatlichAnteil am Umsatz
Betriebshaftpflicht65 €0,16 %
BGN250 €0,63 %
Inhaltsversicherung50 €0,13 %
Betriebsunterbrechung55 €0,14 %
Rechtsschutz35 €0,09 %
Gesamt455 €1,14 %

1,14 % klingt wenig. Aber über ein Jahr sind das 5.460 €. Und wenn Sie diesen Posten in Ihrer Kalkulation vergessen, fehlt er in jedem einzelnen Verkaufspreis — dauerhaft.

Versicherungen vergleichen: So gehen Sie vor

  1. Bestandsaufnahme: Was haben Sie aktuell? Sammeln Sie alle Policen, notieren Sie Deckungssummen und Jahresbeiträge.
  2. Bedarf klären: Was ist Existenzschutz (muss), was Substanzschutz (sollte), was Komfort (kann)?
  3. Drei Angebote einholen: Einen unabhängigen Makler, einen Online-Vergleich (z. B. FinanzChef24, CosmosDirekt Gewerbe), und das Angebot Ihrer Hausbank oder IHK.
  4. Auf Ausschlüsse achten: Was steht im Kleingedruckten? Sind Allmählichkeitsschäden, Schlüsselverlust, Arbeitsrechtlicher Rechtsschutz eingeschlossen?
  5. Jährlich überprüfen: Mindestens einmal im Jahr, idealerweise im Januar, wenn Sie auch Ihre BWA durchgehen.

Diese Woche noch umsetzen

  • Alle aktuellen Versicherungspolicen zusammensuchen und Deckungssummen notieren
  • Prüfen, ob Ihre Betriebshaftpflicht mindestens 5 Mio. € Deckungssumme hat
  • Inventarwert Ihrer Küchenausstattung und Einrichtung grob schätzen — stimmt er mit der Versicherungssumme überein?
  • Überflüssige Versicherungen identifizieren (Glasversicherung? Doppelte Abdeckung?)
  • Versicherungskosten als Fixkosten in Ihre monatliche Kalkulation aufnehmen

Versicherungskosten gehören zu den Gemeinkosten, die in jedem Verkaufspreis stecken müssen. Mit KitchenCost kalkulieren Sie Ihre Rezepte inklusive aller Fixkosten — damit Sie wissen, was Ihr Gericht wirklich kostet. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Welche Versicherungen sind in der Gastronomie Pflicht?

Gesetzlich vorgeschrieben sind nur drei: die Berufsgenossenschafts-Mitgliedschaft (BGN, ca. 1,5–3 % der Bruttolohnsumme), die Sozialversicherung für Angestellte und — falls Sie ein Fahrzeug betreiben — die Kfz-Haftpflicht. Die Betriebshaftpflicht ist zwar keine gesetzliche Pflicht, aber de facto unverzichtbar: Ohne sie haften Sie persönlich und unbegrenzt, wenn ein Gast auf nassem Boden ausrutscht oder eine allergische Reaktion erleidet. Vermieter und Franchise-Geber verlangen sie zudem fast immer vertraglich.

Was kostet eine Betriebshaftpflichtversicherung für ein Restaurant?

Für ein Restaurant mit 50–80 Sitzplätzen und 3–5 Mitarbeitern rechnen Sie mit 40–90 € pro Monat bei einer Deckungssumme von 5 Mio. € pauschal. Für einen kleinen Imbiss oder Food Truck liegen die Beiträge bei 20–40 € monatlich. Entscheidend ist die Deckungssumme: Unter 3 Mio. € sollten Sie nicht abschließen — ein einziger Personenschaden kann sechsstellig werden. Vergleichen Sie mindestens drei Angebote, und achten Sie darauf, dass Allmählichkeitsschäden (z. B. Schimmel durch defekte Kühlung beim Nachbarn) eingeschlossen sind.

Brauche ich eine Betriebsunterbrechungsversicherung?

Wenn ein Wasserschaden Ihre Küche zwei Monate lahmlegt, laufen Miete, Personalkosten und Leasingraten weiter — aber der Umsatz ist null. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung ersetzt den entgangenen Deckungsbeitrag (also Umsatz minus variable Kosten). Kosten: 30–80 € pro Monat, je nach Umsatzhöhe und Haftzeit (6 oder 12 Monate). Sinnvoll ist sie für jeden Betrieb, der bei einem einmonatigen Ausfall in existenzielle Schwierigkeiten käme — also für die meisten.

Wie viel sollte ein Gastronomiebetrieb insgesamt für Versicherungen einplanen?

Als Faustregel: 1,5–3 % vom Nettoumsatz. Bei 30.000 € Monatsumsatz sind das 450–900 € pro Monat. Ein typisches Paket für ein Restaurant mit 60 Plätzen: Betriebshaftpflicht (60 €), Inventarversicherung (40 €), Betriebsunterbrechung (50 €), Rechtsschutz (30 €) und BGN-Beitrag (ca. 200 € bei 5 Mitarbeitern) — zusammen rund 380 € monatlich plus BGN. Übersichert sind viele Betriebe bei Glasversicherung und Elektronikversicherung, die sich oft nicht lohnen.

Jetzt kostenlos Rezeptkosten berechnen

Zutatenpreise eingeben und sofort Rezeptkosten, Marge und Verkaufspreis erhalten.