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TSE-Kassenpflicht in der Gastronomie: Was Sie wissen müssen — Kosten, Fristen und Förderung

TSE-Kasse Pflicht seit 2023: Was die technische Sicherheitseinrichtung kostet, welche Förderung es gibt und was bei der Betriebsprüfung passiert, wenn Sie keine haben.

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TSE-Kassenpflicht in der Gastronomie: Was Sie wissen müssen — Kosten, Fristen und Förderung

Sie kennen das Gefühl: Es klingelt an der Tür, zwei Personen stehen da, zeigen einen Ausweis, und sagen „Kassenachschau”. Keine Vorwarnung, keine Terminabsprache. Sie dürfen das seit 2018 — und sie nutzen es.

Was die Prüfer sehen wollen, ist seit dem 1. Januar 2023 eindeutig geregelt: Ihre elektronische Kasse muss eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) haben. Jede Buchung muss manipulationssicher gespeichert werden. Und Sie müssen das nachweisen können — sofort, nicht „nächste Woche”.

Die Kassensicherungsverordnung (KassSichV) ist kein Zukunftsthema mehr. Sie ist Gegenwart. Und wer sie ignoriert, zahlt — garantiert.

Was die TSE eigentlich macht

Die TSE ist keine neue Kasse. Sie ist ein Zusatzmodul, das jede Ihrer Kassenbuchungen fälschungssicher macht. Stellen Sie sich einen Notar vor, der bei jeder einzelnen Transaktion zuschaut und unterschreibt.

So funktioniert es technisch:

SchrittWas passiertWarum
1. Buchung startenKasse meldet die Transaktion an die TSEJede Buchung wird registriert
2. Signatur erstellenTSE erzeugt eine kryptographische SignaturNachträgliche Änderung unmöglich
3. SpeichernSignatur wird mit der Buchung gespeichertLückenlose Kette aller Transaktionen
4. ProtokollierenTSE schreibt in ein manipulationssicheres ProtokollBetriebsprüfer können die Kette prüfen

Das Ergebnis: Wenn jemand nachträglich eine Buchung löscht oder ändert, bricht die Signaturkette — und das Finanzamt sieht es sofort.

Hardware-TSE vs. Cloud-TSE: Was passt zu Ihrem Betrieb?

KriteriumHardware-TSECloud-TSE
Anschaffung100–300 € einmalig0 €
Laufende Kosten0 €10–25 €/Monat
Kosten über 5 Jahre100–300 €600–1.500 €
Internet nötig?Nein — funktioniert komplett offlineJa — ohne Internet keine Signatur
AusfallrisikoUSB-Stick kann kaputtgehen, SD-Karte kann verloren gehenServer-Ausfall des Anbieters (selten, aber möglich)
Zertifikat-Laufzeit3–5 Jahre, dann neues Gerät nötigAnbieter kümmert sich
UpdatesManuell (Firmware)Automatisch
Ideal fürFood Truck, Imbiss, Betrieb ohne stabiles WLANRestaurant mit stabilem Internet

Praxisempfehlung: Wenn Ihr Kassensystem einen Cloud-TSE-Anbieter unterstützt und Sie stabiles Internet haben, nehmen Sie die Cloud-Lösung. Die Bequemlichkeit ist die 10–20 € im Monat wert. Wenn Sie einen Food Truck betreiben oder auf Märkten stehen: Hardware-TSE, eindeutig.

Was ein komplettes Kassensystem kostet

Wenn Sie noch gar kein elektronisches Kassensystem haben oder Ihres veraltet ist, brauchen Sie ein neues. Hier eine realistische Kalkulation:

Einmalkosten

PostenGünstigMittelPremium
Kassensoftware (Lizenz oder erste Gebühr)0 € (Cloud-Abo)200–500 €1.000–2.000 €
Tablet oder Terminal300–500 € (iPad)500–1.000 € (Android-Terminal)1.500–3.000 € (stationäres Terminal)
Bondrucker150–250 €200–350 €300–500 €
Kartenlesegerät (EC/Kreditkarte)30–80 €100–250 €200–400 €
Hardware-TSE100–200 €150–300 €In Terminal integriert
Summe Einmalig580–1.030 €1.150–2.400 €3.000–5.900 €

Laufende Kosten pro Monat

PostenGünstigMittelPremium
Software-Abo20–40 €40–70 €70–120 €
Cloud-TSE10–15 €15–25 €Inklusive
Kartenzahlung (Transaktionsgebühren)0,9–1,5 % vom Kartenumsatz0,7–1,2 %0,5–0,9 %
Support / UpdatesInklusiveInklusiveInklusive
Summe Monatlich (ohne Transaktionsgebühren)30–55 €55–95 €70–120 €

Die Gesamtrechnung über 5 Jahre

VarianteEinmalig5 Jahre laufendGesamt
Günstig (iPad + Cloud)580 €1.800–3.300 €2.380–3.880 €
Mittel (Android-Terminal)1.150 €3.300–5.700 €4.450–6.850 €
Premium (stationär)3.000 €4.200–7.200 €7.200–10.200 €

Für die meisten kleinen bis mittleren Gastronomiebetriebe ist die mittlere Variante der beste Kompromiss: ein robustes Android-Terminal mit Cloud-Software, das alles kann, was Sie brauchen, ohne den Preis einer Profi-Lösung.

Was bei der Betriebsprüfung passiert — mit und ohne TSE

Das Finanzamt hat zwei Instrumente: die angekündigte Betriebsprüfung und die unangekündigte Kassenachschau.

Kassenachschau — worauf Prüfer achten

PrüfpunktWas der Prüfer willWas passiert ohne TSE
TSE-ZertifikatNachweis, dass eine zertifizierte TSE aktiv istBußgeld bis 25.000 €
Tagesbericht (Z-Bon)Tagesabschluss mit TSE-SignaturZweifel an der Vollständigkeit der Aufzeichnungen
EinzelaufzeichnungenJede Buchung mit Signatur, fortlaufend nummeriertZuschätzung — Finanzamt schätzt Umsatz nach oben
DSFinV-K ExportStandardisierte Datenexportdatei aus der KasseKasse gilt als nicht ordnungsgemäß
BedienungsanleitungVerfahrensdokumentation der KassePflichtverstoß

Was eine Zuschätzung konkret bedeutet

Das Finanzamt schätzt nicht nach Gefühl. Es verwendet statistische Methoden — und die sind fast immer zu Ihrem Nachteil.

SzenarioIhr tatsächlicher JahresumsatzZuschätzung des FinanzamtsSteuernachzahlung
Leichte Mängel (fehlende Z-Bons)300.000 €+5 %: 315.000 €ca. 3.000–5.000 €
Keine TSE, lückenhafte Aufzeichnungen300.000 €+10–15 %: 330.000–345.000 €ca. 6.000–12.000 €
Keine TSE, keine Verfahrensdokumentation300.000 €+15–25 %: 345.000–375.000 €ca. 9.000–20.000 €

Plus Zinsen (aktuell 0,5 % pro Monat auf Steuernachforderungen) und eventuell ein Verspätungszuschlag.

Die Rechnung ist eindeutig: Ein Kassensystem mit TSE kostet Sie 3.000–7.000 € über fünf Jahre. Eine einzige Zuschätzung kann 10.000 € kosten — und wiederholt sich bei der nächsten Prüfung.

Verfahrensdokumentation: Das vergessene Pflichtdokument

Neben der TSE verlangt das Finanzamt eine Verfahrensdokumentation für Ihre Kasse. Das klingt bürokratischer, als es ist. Im Kern müssen Sie dokumentieren:

Was reingehört:

  • Welches Kassensystem Sie verwenden (Hersteller, Version, Lizenz)
  • Welche TSE eingebaut ist (Typ, Zertifikatsnummer, Ablaufdatum)
  • Wer Zugriff auf die Kasse hat (Benutzer, Berechtigungen)
  • Wie Stornos, Retouren und Rabatte ablaufen
  • Wo die Daten gespeichert werden und wie lange

Die meisten Kassenhersteller bieten eine Vorlage an. Fragen Sie Ihren Anbieter — und legen Sie das Dokument zu Ihren Steuerunterlagen.

TSE steuerlich absetzen

PostenSteuerliche Behandlung
Hardware-TSE bis 952 € nettoSofort als GWG (geringwertiges Wirtschaftsgut) abschreiben
Kassensystem bis 952 € nettoSofort als GWG abschreiben
Kassensystem über 952 € nettoÜber 6 Jahre abschreiben (AfA-Tabelle Gastgewerbe)
Cloud-TSE monatliche GebührLaufende Betriebsausgabe — mindert sofort den Gewinn
Software-AboLaufende Betriebsausgabe
Einrichtung / InstallationTeil der Anschaffungskosten (zusammen mit Hardware abschreiben)

Praxistipp: Wenn Sie ein System für knapp über 952 € netto kaufen, fragen Sie den Anbieter, ob Hard- und Software getrennt auf der Rechnung ausgewiesen werden können. Oft lässt sich die Hardware allein als GWG sofort absetzen.

Kassensystem auswählen: Worauf es ankommt

Nicht jedes System passt zu jeder Betriebsart. Hier die wichtigsten Kriterien:

KriteriumImbiss / Food TruckRestaurant 30–80 PlätzeCafé / Bar
BedienungSchnell, wenig KlicksTischverwaltung, GangfolgeSchnelle Bestellung, Tageskarte
HardwareRobust, kompakt, mobilStationär + mobile BestellgeräteKompakt, hinter der Theke
AnbindungenEC-Gerät, BondruckerKüchendrucker, Reservierung, LieferdienstBondrucker, ggf. Schankanlage
StatistikTagesabschluss reichtUmsatz nach Warengruppe, Mitarbeiter, TageszeitGetränke- vs. Speisenumsatz
Budget (monatlich)30–50 €60–100 €40–70 €

Diese Woche noch umsetzen

  • Prüfen: Hat Ihre aktuelle Kasse eine aktive, zertifizierte TSE? (Im Menü unter „TSE-Status” oder beim Anbieter nachfragen)
  • Falls TSE vorhanden: Ablaufdatum des Zertifikats notieren — rechtzeitig erneuern, nicht erst wenn es abgelaufen ist
  • Falls keine TSE: Drei Angebote einholen (Cloud-TSE zum Nachrüsten, neues Komplettsystem, Ihr aktueller Anbieter)
  • Verfahrensdokumentation vorhanden? Falls nicht, Vorlage beim Kassenhersteller anfordern
  • TSE-Kosten als monatliche Gemeinkosten in Ihre Kalkulation aufnehmen

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Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine TSE-Kasse für die Gastronomie?

Ein neues Kassensystem mit integrierter TSE kostet zwischen 500 und 3.000 € einmalig plus 30–80 € monatlich für Software und Cloud-Dienste. Wenn Sie ein bestehendes System nachrüsten, zahlen Sie für eine Hardware-TSE (USB-Stick oder SD-Karte) rund 100–300 € einmalig, gültig für 3–5 Jahre. Cloud-TSE-Lösungen kosten 10–25 € monatlich ohne Hardware-Investition. Dazu kommen laufende Kosten für Updates, Support und eventuell Bondrucker oder Kartenlesegerät. Über 5 Jahre gerechnet liegen die Gesamtkosten für ein kleines Restaurant bei 3.000–6.000 €.

Was passiert, wenn ich keine TSE-Kasse habe?

Seit dem 1. Januar 2023 ist die TSE Pflicht. Bei einer Betriebsprüfung ohne TSE drohen Ihnen drei Konsequenzen: Erstens ein Bußgeld bis zu 25.000 € pro Verstoß. Zweitens eine Zuschätzung — das Finanzamt schätzt Ihren Umsatz nach oben, oft um 10–20 %, und Sie zahlen auf den geschätzten Betrag Steuern. Drittens eine Kassenachschau ohne Vorankündigung, bei der Prüfer unangemeldet Ihre Kasse kontrollieren dürfen. In der Praxis sind die Zuschätzungen meist teurer als die Bußgelder.

Kann ich die TSE-Kasse steuerlich absetzen?

Ja. Hardware bis 952 € netto (1.000 € brutto bei 5 % Vorsteuer oder 800 € netto bei 19 % Vorsteuer) können Sie als geringwertiges Wirtschaftsgut sofort in voller Höhe abschreiben — im Jahr der Anschaffung. Teurere Systeme schreiben Sie über die Nutzungsdauer ab (Kasse: 6 Jahre laut AfA-Tabelle Gastgewerbe). Cloud-TSE-Gebühren und Software-Abos sind laufende Betriebsausgaben und mindern sofort Ihren Gewinn. Außerdem gibt es in einigen Bundesländern Digitalisierungsförderungen — fragen Sie bei Ihrer IHK nach.

Hardware-TSE oder Cloud-TSE — was ist besser für die Gastronomie?

Kommt auf Ihre Situation an. Hardware-TSE (USB-Stick, SD-Karte): einmalig 100–300 €, keine laufenden Kosten, funktioniert offline, aber physisch anfällig und muss nach 3–5 Jahren getauscht werden. Cloud-TSE: 10–25 € monatlich, keine Hardware, automatische Updates, aber benötigt stabile Internetverbindung und kostet über 5 Jahre 600–1.500 €. Für ein Restaurant mit stabilem WLAN ist die Cloud-TSE bequemer. Für einen Food Truck oder Betrieb mit instabilem Internet ist die Hardware-TSE sicherer.

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