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Saisonplanung in der Gastronomie: Wie Sie Spargel, Oktoberfest und Weihnachten richtig kalkulieren

Saisonale Aktionskalkulation für Gastronomen. Spargelsaison, Sommerloch, Oktoberfest, Weihnachtsgeschäft — mit konkreten Zahlen, Zeitplänen und Kostenrechnung.

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Saisonplanung in der Gastronomie: Wie Sie Spargel, Oktoberfest und Weihnachten richtig kalkulieren

Mitte April. Der erste Spargel kommt rein. Sie schreiben ein Saisonmenü, drucken eine Sonderkarte, und freuen sich auf sechs gute Wochen. Am 24. Juni ziehen Sie Bilanz: Der Umsatz war ordentlich, aber der Einkauf hat mehr gekostet als gedacht. Der Spargel war Anfang April bei 14 €/kg, Ende Mai bei 5 €/kg — und Sie hatten den gleichen Verkaufspreis die ganze Zeit.

Das passiert in den meisten Restaurants jedes Jahr. Nicht weil die Köche schlecht kalkulieren, sondern weil niemand die Saison als Projekt plant. Mit Einkaufsstrategie, Preissteuerung und einem Zeitplan, der von der ersten Woche bis zum letzten Tag steht.

Saisongeschäft ist keine Nebensache. Die Spargelsaison, das Weihnachtsgeschäft und die richtige Strategie für das Sommerloch können über das Jahresergebnis entscheiden. Dieses Guide zeigt, wie Sie jede Saison als eigenständige Aktionskalkulation aufsetzen — mit Zahlen, Zeitplänen und konkreten Beispielen.

Der Saisonkalender: Wann sich was lohnt

Nicht jede Saison ist gleich profitabel. Manche Zutaten tragen eine eigene Karte, andere funktionieren besser als Ergänzung. Hier ist der Jahresüberblick, wie ihn die Kalkulation sieht — nicht die Küche.

SaisonZeitraumEK-Spanne (€/kg)ZahlungsbereitschaftEigene Karte?Priorität
BärlauchMärz–Mai8–18Mittel❌ Beilage/AkzentNiedrig
SpargelMitte Apr–24. Juni4–14Sehr hoch✅ Eigene KarteSehr hoch
ErdbeerenMai–Juli3–8Mittel❌ Dessert-ErgänzungNiedrig
PfifferlingeJuni–September15–35Hoch⚠️ Kommt auf die Lage anMittel
SommerlochJuli–AugustNiedrigDefensiv
WildSeptember–Januar12–28Hoch✅ Eigene KarteHoch
OktoberfestEnde Sept (14 Tage)Sehr hoch✅ Event-AktionHoch (regional)
GansNovember–Dezember10–16Hoch✅ Eigene KarteHoch
WeihnachtenDezemberPremiumSehr hoch✅ Menü-PaketSehr hoch

Spargelsaison: Die Aktionskalkulation im Detail

Die Spargelsaison ist das beste Beispiel für eine Aktionskalkulation, weil sich die Einkaufspreise innerhalb von zehn Wochen um den Faktor drei verändern. Das verlangt eine dynamische Kalkulation.

Phase 1: Saisonstart (Mitte April – Anfang Mai)

  • EK Spargel (weiß, Klasse I): 10–14 €/kg
  • Schwund/Schälverlust: ca. 35 % bei weißem Spargel (Schale, Enden)
  • Effektiver EK nach Schälverlust: 15,40–21,50 €/kg

Kalkulation Beispielgericht: Spargel mit Sauce Hollandaise und neuen Kartoffeln

PositionMengeEK/kgKosten
Weißer Spargel (vor Schälen)500 g12,00 €/kg6,00 €
Sauce Hollandaise (Butter, Eigelb, Zitrone)80 ml1,20 €
Neue Kartoffeln200 g2,50 €/kg0,50 €
Katenschinken60 g14,00 €/kg0,84 €
Kräuter, Butter, Gewürze0,30 €
Wareneinsatz gesamt8,84 €

Bei einem Verkaufspreis von 24,90 € (brutto) → 20,92 € netto (MwSt 7 %):

KennzahlWert
WEQ42,3 %
Deckungsbeitrag12,08 €

42 % WEQ klingt hoch. Aber der Deckungsbeitrag von 12,08 € ist höher als bei den meisten Standardgerichten (7–10 €). Das ist der entscheidende Punkt: Bei Saisongerichten zählt der absolute Deckungsbeitrag, nicht die prozentuale WEQ.

Phase 2: Hauptsaison (Mai – Mitte Juni)

  • EK Spargel: 4–7 €/kg
  • Effektiver EK nach Schälverlust: 6,15–10,75 €/kg
  • Gleicher Verkaufspreis: 24,90 € brutto
PositionKosten (Phase 1)Kosten (Phase 2)Differenz
Wareneinsatz8,84 €5,34 €−3,50 €
WEQ42,3 %25,5 %−16,8 pp
Deckungsbeitrag12,08 €15,58 €+3,50 €

In der Hauptsaison verdienen Sie pro Portion 3,50 € mehr — bei gleichem Preis. Das ist der Hebel der Saisonplanung: nicht den Preis senken, wenn der Einkauf billiger wird. Stattdessen die Marge mitnehmen.

Preisstrategien für die Spargelsaison

StrategieVorteilNachteilEmpfehlung
Fester Preis (ganze Saison)Einfach, keine PreisdiskussionHohe WEQ zu Saisonbeginn✅ Für die meisten Betriebe
Zwei Preisstufen (Start vs. Hauptsaison)Ehrlich, Gäste verstehen esPreiswechsel muss kommuniziert werden⚠️ Für Betriebe mit stammgast-lastigem Publikum
Marktpreis (tagesaktuell)Maximale FlexibilitätAufwand, Unsicherheit beim Gast❌ Nur für gehobene Gastronomie

Faustregel: Kalkulieren Sie den Festpreis auf Basis des Durchschnitts-EK der gesamten Saison, nicht auf Basis des teuersten Einkaufs.

Mengenkalkulation: So bestellen Sie richtig

WocheErwartete Portionen/TagRohware/Tag (à 500 g)Wochenbedarf (5 Tage)
1–2 (Saisonstart)157,5 kg37,5 kg
3–6 (Aufbau)2512,5 kg62,5 kg
7–8 (Hauptsaison)3517,5 kg87,5 kg
9–10 (Saisonende)2010 kg50 kg

Tipp: Bestellen Sie Spargel maximal 2 Tage im Voraus. Frischer Spargel hält im feuchten Tuch im Kühlschrank 3 Tage — aber die Qualität fällt ab Tag 2 merklich.

Oktoberfest und regionale Feste: Event-Kalkulation

Auch wenn Sie nicht auf dem Münchner Oktoberfest stehen — bayerische Wochen, Bierfeste oder Erntedankfeiern funktionieren in der ganzen DACH-Region. Die Kalkulation folgt einer eigenen Logik.

Kalkulation: Bayerische Aktionswoche (7–14 Tage)

Beispielkarte mit Kalkulation:

GerichtWareneinsatzVK bruttoVK nettoWEQDB
Schweinshaxe mit Knödel & Kraut5,80 €18,90 €15,88 €36,5 %10,08 €
Obazda mit Brezel1,90 €8,90 €7,48 €25,4 %5,58 €
Kaiserschmarrn1,60 €9,90 €8,32 €19,2 %6,72 €
Maß Festbier (1 l)2,20 €8,90 €7,48 €29,4 %5,28 €

Getränke sind der Margen-Turbo: Das Festbier hat eine WEQ von 29 % — bei einem Liter-Preis, den Gäste in der Fest-Stimmung bereitwillig zahlen. Ein normales 0,5l-Bier bringt vielleicht 3 € DB, die Maß bringt 5,28 €.

Checkliste Event-Aktion

AufgabeWannErledigt?
Lieferanten für Aktions-Zutaten anfragen6 Wochen vorher
Aktionskarte kalkulieren und gestalten4 Wochen vorher
Deko und Ausstattung planen/bestellen4 Wochen vorher
Personalplan für Aktionszeitraum3 Wochen vorher
Social Media / Werbung starten2 Wochen vorher
Probekochen der Aktionsgerichte1 Woche vorher
Inventur vorher und nachherTag 0 / letzter Tag
Nachkalkulation1 Woche danach

Weihnachtsgeschäft: Der wichtigste Monat im Jahr

Dezember generiert typischerweise ein Drittel mehr Umsatz als ein Durchschnittsmonat. Das klingt nach einer guten Nachricht — ist es aber nur, wenn die Kalkulation stimmt.

Warum der Dezember trügerisch ist

FaktorWas passiertAuswirkung
Premium-ZutatenEnte, Wild, Trüffel, EdelfischWEQ steigt um 5–10 Punkte
Mehr PersonalAushilfen für Weihnachtsfeiern, ÜberstundenPersonalkosten +20–30 %
Höhere EnergiekostenHeizung, Beleuchtung, DekoGemeinkosten +10–15 %
Mehr UmsatzFeiern, höhere Preise, volle Häuser+30–40 %

Das Problem: Wenn die Kosten um 25 % steigen und der Umsatz um 35 %, wächst der Gewinn — aber weniger als erwartet. Viele Gastronomen rechnen mit mehr Dezember-Gewinn als sie tatsächlich erzielen.

Kalkulation: Weihnachtsmenü (4 Gänge)

GangBeschreibungWareneinsatz
Amuse-BoucheFeldsalat, Walnuss, Ziegenkäse-Praline1,40 €
VorspeiseKürbissuppe mit Trüffelschaum2,80 €
HauptgangEntenkeule geschmort, Rotkohl, Klöße8,50 €
DessertBratapfel mit Vanilleeis und Zimtsauce1,80 €
Wareneinsatz gesamt14,50 €
KennzahlWert
Verkaufspreis (brutto)59,00 €
VK netto (7 % MwSt)55,14 €
Wareneinsatz14,50 €
WEQ26,3 %
Deckungsbeitrag40,64 €

40,64 € Deckungsbeitrag pro Gast — das ist der Grund, warum Weihnachtsmenüs sich lohnen. Zum Vergleich: ein normales Hauptgericht bringt 7–10 € DB.

Getränkebegleitung zum Menü

GetränkEKVK bruttoVK nettoDB
Aperitif (Winzersekt 0,1 l)0,80 €5,50 €4,62 €3,82 €
Weißwein zum Süppchen (0,15 l)1,20 €6,90 €5,80 €4,60 €
Rotwein zum Hauptgang (0,2 l)1,80 €8,90 €7,48 €5,68 €
Dessert-Wein (0,05 l)0,90 €4,90 €4,12 €3,22 €
Getränke gesamt4,70 €26,20 €22,02 €17,32 €

Menü plus Getränkebegleitung: 57,96 € Deckungsbeitrag pro Gast.

Bei einem Weihnachtsessen mit 40 Gästen ist das 2.318 € Deckungsbeitrag an einem Abend — nur durch eine richtig kalkulierte Veranstaltung.

→ Mehr zur Weinkalkulation

Reservierungs- und Kapazitätsplanung

WocheErwartete AuslastungEmpfehlung
1. Dezemberwoche60–70 %Normale Karte + Menü-Option
2. Dezemberwoche80–90 %Firmenfeiern beginnen — Menü-only für Gruppen ab 8
3. Dezemberwoche90–100 %Volle Auslastung, nur mit Reservierung
24.–26. Dezember80–95 %Feiertags-Menü (Fix-Preis), keine Einzelbestellungen
Silvester95–100 %Premium-Menü, Vorauskasse

Tipp: Nehmen Sie im Dezember keine Rabatte und keine Gutschein-Aktionen. Die Nachfrage ist da — jeder Nachlass kostet Sie Marge in der umsatzstärksten Zeit.

Das Sommerloch: Defensiv kalkulieren

Juli und August sind für viele Innenstadtlagen die schwächsten Monate. Stammgäste sind im Urlaub, Laufkundschaft verteilt sich auf Biergärten und Open-Air-Events.

Drei Strategien für den Sommer

StrategieFür wenMaßnahmeFinanzieller Effekt
Kosten senkenAlle BetriebeÖffnungszeiten kürzen (z. B. Montag/Dienstag schließen), Karte straffenFixkosten −10–20 %
Lücke füllenTouristenlagen, WohngebieteSommerangebote (Salate, Eis, leichte Küche), Mittagstisch für SommerurlauberUmsatz +5–10 %
InvestierenStabile BetriebeRenovierung, Küchenumbau, Weiterbildung im AugustKein Umsatz, aber Zukunftsinvestition

Liquiditätsplanung für das Sommerloch

Faustregel: Legen Sie im März–Mai 15–20 % des monatlichen Gewinns als Puffer für Juli/August zurück.

MonatErwarteter UmsatzFixkostenLiquiditätsbedarf (bei −20 % Umsatz)
Juli32.000 € (−20 %)17.000 €−2.000 € Deckungslücke
August30.000 € (−25 %)17.000 €−4.000 € Deckungslücke
Puffer benötigt6.000 €

→ Mehr zur Finanzierung und Liquiditätsplanung

Der Jahresplan: Alles auf einen Blick

MonatSaison/EventAktionKalkulations-Aufgabe
JanuarNeujahrsvorsätzeLeichte Küche, Detox-AngeboteJahres-Controlling starten
FebruarKarneval (regional)Event-Karte Rheinland/SüdAktionskalkulation
MärzBärlauch, VorbereitungSpargelsaison planenLieferanten kontaktieren
AprilSpargelsaison StartSonderkarte, Preise festlegenDynamische Kalkulation
MaiSpargel HauptsaisonMarge mitnehmenWöchentliche EK-Kontrolle
JuniSaisonende Spargel, ErdbeerenNachkalkulationInventur, Ergebnis prüfen
JuliSommerlochKosten senken, SommerangeboteLiquiditätspuffer nutzen
AugustSommerlochRenovierung, Planung HerbstSpeisekarten-Relaunch
SeptemberWild beginnt, ErntedankHerbstkarte, PilzeNeue Saisongerichte kalkulieren
OktoberOktoberfest, WildEvent-Aktion, volle KarteNachkalkulation Event
NovemberGans, MartinsgansGänse-Karte, Weihnachtsmenu planenMenü kalkulieren
DezemberWeihnachtsgeschäftMenüs, Feiern, SilvesterKapazität + Preise maximieren

Diese Woche noch umsetzen

  • Ihren Umsatz der letzten 12 Monate Monat für Monat aufschreiben — wo war der stärkste, wo der schwächste Monat?
  • Die nächste saisonale Aktion identifizieren und einen Termin für die Kalkulation setzen
  • Einkaufspreise der letzten Saison (Spargel, Wild, Ente) aus Rechnungen heraussuchen
  • Einen einfachen Jahresplan anlegen: 12 Monate, je eine Zeile mit Saison, Aktion, Kalkulationstermin
  • Liquiditätspuffer für das Sommerloch berechnen: 15–20 % des durchschnittlichen Monatsgewinns × 2 Monate

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Häufig gestellte Fragen

Wann lohnt sich eine saisonale Aktionskarte in der Gastronomie?

Immer dann, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Die Saison-Zutat hat hohe Gästenachfrage (Spargel, Pfifferlinge, Wild), die Zahlungsbereitschaft liegt 15–25 % über dem normalen Preisniveau, und Sie können die Zutat in ausreichender Menge und gleichbleibender Qualität beschaffen. Die Spargelsaison (Mitte April bis 24. Juni) und die Wildzeit (September bis Januar) erfüllen das am besten. Erdbeeren oder Kürbis allein tragen dagegen selten eine eigene Karte — die funktionieren besser als Sondergericht auf der regulären Karte.

Wie kalkuliert man ein Weihnachtsmenü richtig?

Ein Weihnachtsmenü folgt anderen Regeln als die normale Karte: Die Zutatenkosten sind 30–50 % höher (Ente, Wild, Trüffel), dafür ist die Zahlungsbereitschaft deutlich höher. Kalkulieren Sie das komplette Menü als Paket — nicht die einzelnen Gänge. Richtwert: Die Wareneinsatzquote des Weihnachtsmenüs darf bei 35–40 % liegen, wenn der Deckungsbeitrag pro Gast stimmt. Ein 4-Gänge-Menü für 59 € mit 22 € Wareneinsatz bringt 37 € Deckungsbeitrag — deutlich mehr als ein normales Hauptgericht mit 8–10 € Deckungsbeitrag.

Wie gehe ich mit dem Sommerloch in der Gastronomie um?

Juli und August sind für Innenstadtlagen oft die schwächsten Monate — bis zu 20 % weniger Umsatz als im Schnitt. Drei Hebel: Erstens, Fixkosten senken (Öffnungszeiten anpassen, Schichten reduzieren). Zweitens, Angebote für Touristen und Laufkundschaft statt Stammgäste. Drittens, den August für Renovierung, Weiterbildung oder Speisekarten-Relaunch nutzen. Planen Sie das Sommerloch mit einem Puffer von 15–20 % der monatlichen Fixkosten in Ihrer Jahresplanung ein.

Was bringt eine Saisonkarte finanziell?

Im Schnitt steigt der Umsatz pro Gast bei saisonalen Angeboten um 15–25 %, weil Gäste bereit sind, für zeitlich begrenzte Gerichte mehr zu bezahlen. Gleichzeitig erhöht sich die Gästefrequenz — besonders bei Spargel und Wild kommen auch Gäste, die sonst nicht bei Ihnen essen. Ein Restaurant mit 40 Plätzen kann in den 10 Wochen Spargelsaison 8.000–15.000 € zusätzlichen Deckungsbeitrag erzielen, wenn die Kalkulation stimmt.

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