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Meal Prep und Abo-Modelle in der Gastronomie: Wie Sie mit Wochenplänen planbare Umsätze schaffen

Meal Prep als Geschäftsmodell für Gastronomen — Kalkulation, Preisfindung, Verpackung und Logistik für Wochenboxen und Abo-Gerichte. Mit Rechenbeispielen für verschiedene Konzepte.

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Meal Prep und Abo-Modelle in der Gastronomie: Wie Sie mit Wochenplänen planbare Umsätze schaffen

Ihr Restaurant macht guten Umsatz am Freitag- und Samstagabend. Mittagstisch läuft ordentlich, wenn Büros in der Nähe sind. Aber Montagnachmittag, Dienstagvormittag, Mittwoch zwischen 14 und 17 Uhr — da steht die Küche still. Die Miete läuft weiter, die Geräte kühlen vor sich hin, und die Energiekosten laufen trotzdem.

Genau in diese Lücke passt Meal Prep.

Nicht als Ablösung Ihres Restaurants, sondern als zweites Standbein, das genau dann produziert, wenn die Küche sonst leer steht. Keine neuen Geräte, keine neue Miete, keine zusätzliche Gewerbeanmeldung — nur ein zweiter Produktionszyklus in der vorhandenen Infrastruktur.

Und das Beste: Ein Abo-Modell liefert planbare Einnahmen. Kein Wetter-Risiko, kein „Heute kommen nur 20 Gäste”. Dienstagvormittag kochen Sie 50 Portionen für 20 Kunden, die alle schon bezahlt haben.

Warum Meal Prep gerade jetzt funktioniert

Der Markt für vorgekochte Gerichte wächst in Deutschland seit Jahren — und 2026 trifft er auf drei Entwicklungen:

  1. Homeoffice-Lunch: Wer zuhause arbeitet, will mittags gut essen, aber nicht jeden Tag selbst kochen. Die Kantine fehlt.
  2. Gesundheitsbewusstsein: Meal Prep wird von der Fitness-Community getrieben, aber inzwischen von allen übernommen, die ihre Ernährung kontrollieren wollen.
  3. Zeitdruck: Doppelverdiener, Alleinerziehende, Berufstätige — die Nachfrage nach „gesund, lecker, fertig” wächst.

Und: Professionell zubereitetes Meal Prep aus einem echten Restaurant ist etwas anderes als industrielle Fertiggerichte. Das ist Ihr Verkaufsargument.

Drei Konzepte — drei Kalkulationen

Konzept 1: Die Wochenbox (5 Gerichte, Mo–Fr)

Das einfachste Modell: Sie kochen 5 verschiedene Gerichte pro Woche, portioniert, gekühlt, zum Abholen oder mit Lieferung.

PositionBetrag pro GerichtBetrag pro Box (5 Gerichte)
Wareneinsatz3,20 €16,00 €
Verpackung (mikrowellengeeignet, Deckel)0,80 €4,00 €
Personal (anteilig, Massenproduktion)1,50 €7,50 €
Etiketten, Allergen-Info0,10 €0,50 €
Gesamtkosten5,60 €28,00 €
Verkaufspreis11,80 €59,00 €
Marge6,20 € (53 %)31,00 € (53 %)

Aber: Von der Marge gehen noch anteilige Fixkosten ab (Miete, Energie, Versicherung). Realistisch bleiben 20–30 % Nettogewinn — bei effizienter Produktion.

Anzahl Abo-KundenWochenumsatzWochengewinn (netto ~22 %)MonatsumsatzMonatsgewinn
10590 €130 €2.360 €520 €
201.180 €260 €4.720 €1.040 €
301.770 €389 €7.080 €1.557 €
502.950 €649 €11.800 €2.596 €

Konzept 2: Das Mittagstisch-Abo

Für Restaurants mit Mittagstisch — statt Laufkundschaft auf Abo umstellen:

ModellPreis/MonatEnthaltene EssenRabatt ggü. Einzelkauf
10er-Karte99 €10 Mittagessen~10 %
20er-Karte (Monat)179 €20 Mittagessen~18 %
Flatrate (Mo–Fr)199 €Alle Mittagessen (ca. 22/Monat)~17 %

Vorteil für Sie: Geld im Voraus, planbare Gästezahl, weniger Überproduktion. Wer 15 Abo-Kunden hat, weiß Montag um 9 Uhr, dass mindestens 15 Portionen bestellt werden.

Vorteil für den Kunden: Günstiger pro Essen, keine tägliche Entscheidung, gesicherte Qualität.

Konzept 3: Das Spezial-Abo (Nische)

Höhere Marge, kleinere Zielgruppe:

NischeZielgruppeBoxinhalt (Woche)Preis/WocheWareneinsatz
Fitness-BoxSportler, Gym-Besucher5 Gerichte, high protein69–89 €35–40 %
Büro-Lunch-BoxUnternehmen (B2B)10–20 Portionen8–11 €/Portion28–33 %
Senioren-MenüÄltere Alleinstehende5–7 Gerichte, leicht49–69 €30–35 %
Kinder-WocheFamilien5 kindgerechte Gerichte39–49 €32–38 %

Die Büro-Box (B2B) ist besonders interessant: Unternehmen bestellen größere Mengen, zahlen pünktlich, und der Aufwand pro Portion sinkt mit der Menge.

Produktion organisieren

Der Meal-Prep-Produktionsplan

Am effizientesten produzieren Sie in Chargen — nicht Gericht für Gericht, sondern alle Portionen eines Gerichts auf einmal:

Dienstag, 08:00–13:00: Produktion für die Woche

08:00  Mise en Place: Gemüse waschen, schneiden, portionieren
09:00  Gericht 1: 50× Hähnchen-Reis-Bowl (Kombidämpfer + Herd)
09:45  Gericht 2: 50× Pasta Bolognese (Herd, parallel zum Kombidämpfer)
10:30  Gericht 3: 50× Ofengemüse mit Feta (Kombidämpfer)
11:15  Gericht 4: 50× Linseneintopf (Herd)
12:00  Gericht 5: 50× Lachs-Kartoffel-Gratin (Kombidämpfer)
12:30  Abkühlen, Portionieren, Verpacken, Etikettieren
13:00  In die Kühlung → fertig für Mittwoch-Abholung

5 Gerichte × 50 Portionen = 250 Portionen in 5 Stunden. Das sind 50 Sekunden pro Portion — nur möglich, weil Sie in großen Chargen arbeiten.

Verpackung: Was Sie wirklich brauchen

VerpackungstypKosten/StückVorteileNachteile
PP-Schale mit Deckel (Einweg)0,30–0,50 €Günstig, mikrowellengeeignetNicht nachhaltig, Mehrwegpflicht beachten
Zuckerrohr/Bagasse (Einweg, kompostierbar)0,50–0,90 €Nachhaltig-ImageNicht immer mikrowellengeeignet
Glas (Mehrweg, Pfand)1,50–3,00 € (einmalig)Nachhaltig, edel, PfandsystemSchwer, Bruchrisiko, Reinigung
PP-Mehrwegbox (Pfandsystem)2,00–4,00 € (einmalig)Nachhaltig, praktisch, leichtPfandverwaltung, Rücklaufquote

Empfehlung für den Start: PP-Einweg-Schalen (0,40 €/Stück) — günstig, funktional, mikrowellengeeignet. Sobald Sie 20+ Abo-Kunden haben, auf ein Pfandsystem mit PP-Mehrwegboxen umstellen. Die Mehrwegangebotspflicht verlangt mindestens eine Mehrweg-Alternative.

Preisfindung: Nicht zu günstig

Der häufigste Fehler bei Meal Prep: zu niedrige Preise. Gastronomen denken „Das sind ja nur einfache Gerichte” und setzen 7–8 € pro Portion an. Dann rechnen sie Verpackung, Personal und Fixkosten dazu — und bleiben bei 0–2 € Gewinn.

Der Preisanker

Vergleichen Sie nicht mit dem Supermarkt-Fertiggericht (3,99 €), sondern mit der Alternative des Kunden:

Alternative des KundenKosten
Selbst kochen (inkl. Einkauf, Zeit)5–8 € + 45 Min.
Kantine6–10 €
Lieferdienst (mit Plattformgebühren)12–18 €
Restaurant Mittagstisch10–14 €
Meal Prep (Ihr Angebot)10–14 €

Ihr Preis sollte unter dem Lieferdienst und auf Kantinenpreis-Niveau liegen — aber über dem Supermarkt. Der Kunde zahlt für Qualität, Frische und Zeitersparnis.

Vertrieb: Wie Kunden Sie finden

Phase 1: Starten (0–20 Kunden)

  • Bestehende Gäste ansprechen: Flyer auf dem Tisch, QR-Code auf der Rechnung
  • WhatsApp-Gruppe: „Meal Prep Wochenbox — jeden Mittwoch abholen.” Kunden bestellen bis Montag 18 Uhr
  • Instagram: Wöchentliches Foto der Box mit Inhalt → organische Reichweite

Phase 2: Wachsen (20–50 Kunden)

  • Website mit Bestellformular: WordPress + WooCommerce oder Shopify (30–50 €/Monat)
  • Google My Business: „Meal Prep” als Keyword in der Beschreibung
  • Kooperation mit lokalen Fitnessstudios: Flyer gegen Provision oder Tauschgeschäft
  • Büros in der Umgebung anschreiben: B2B-Angebot für Firmen-Lunch

Phase 3: Professionalisieren (50+ Kunden)

  • Eigene Bestell-App oder Plattform (z. B. angeschlossen an Ihr Kassensystem)
  • Lieferung: Eigener Fahrer oder Kooperation mit lokaler Lieferlogistik
  • Spezialisierung: Vegane Box, Protein-Box, Familien-Box als Add-ons

Rechtliches: Was Sie beachten müssen

AnforderungWas genauWo geregelt
Allergen-Kennzeichnung14 Hauptallergene auf dem EtikettLMIV
ZutatenlisteVollständig, absteigend nach GewichtsanteilLMIV
NettofüllmengeGewicht oder Volumen auf der VerpackungEichgesetz
MHD / VerbrauchsdatumBei gekühlten Gerichten: VerbrauchsdatumLMIV
NährwertdeklarationPflicht bei vorverpackten Lebensmitteln (Ausnahme: kleine Betriebe <10 MA und Direktverkauf)LMIV
HACCPDokumentierte EigenkontrolleEU VO 852/2004
KühlketteMax. 7 °C bei Lagerung und TransportLMHV
VerpackungsgesetzRegistrierung bei LUCID, SystembeteiligungVerpackG

Praxistipp: Die Nährwertdeklaration ist für kleine Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern und Direktverkauf nicht verpflichtend. Wenn Sie aber über eine Website verkaufen, wird es zur Pflicht. Nutzen Sie eine Kalkulationssoftware oder die Nährwertdatenbank des BLS (Bundeslebensmittelschlüssel), um die Werte zu berechnen.

Diese Woche noch umsetzen

  • Rechnen Sie aus, wie viele Stunden Ihre Küche pro Woche ungenutzt ist — das ist Ihre Meal-Prep-Produktionszeit
  • Wählen Sie 5 Gerichte von Ihrer Karte, die sich gut für Meal Prep eignen (gut aufzuwärmen, transportfähig, sättigend)
  • Kalkulieren Sie den Wareneinsatz pro Portion für diese 5 Gerichte
  • Rechnen Sie Verpackung dazu (0,60–1,50 € pro Portion) und setzen Sie einen Verkaufspreis fest
  • Fragen Sie 10 Stammgäste, ob sie eine Wochenbox für 59 € testen würden — wenn 5 Ja sagen, starten Sie

KitchenCost berechnet den Wareneinsatz pro Rezept — Zutat für Zutat. Wenn Sie wissen, was eine Portion kostet, können Sie Ihren Meal-Prep-Preis mit Gewissheit kalkulieren. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich Meal Prep als Zusatzgeschäft für mein Restaurant?

Das hängt von Ihrer Küchen-Auslastung und Ihrem Standort ab. Meal Prep lohnt sich besonders, wenn Ihre Küche vormittags oder nachmittags Leerlauf hat, weil Sie bestehende Infrastruktur nutzen, ohne zusätzliche Miete oder Geräte zu zahlen. Der Break-Even liegt typischerweise bei 15–25 Abo-Kunden pro Woche. Bei einem 5-Tage-Meal-Prep-Paket à 59 € sind das 885–1.475 € Wochenumsatz. Der Wareneinsatz liegt bei 30–35 %, Verpackung bei 8–12 %, Personalkosten (anteilig) bei 15–20 %. Gewinnmarge: 15–25 % — wenn Sie die Produktion effizient organisieren.

Wie kalkuliere ich den Preis für eine Meal-Prep-Wochenbox?

Rechnen Sie pro Gericht: Wareneinsatz (2,50–4,00 € pro Portion) + Verpackung (0,60–1,50 € pro Portion, je nach Material) + anteiliges Personal (1,00–2,00 € pro Portion bei effizienter Produktion) + Logistik/Abholung (0–1,50 € pro Portion). Gesamtkosten pro Portion: 4,10–9,00 €. Verkaufspreis: 8–14 € pro Einzelgericht oder 49–79 € für eine 5-Tage-Box (5 Gerichte). Die Marge hängt stark von der Portionszahl ab: Ab 30 Portionen pro Gericht sinken die Stückkosten deutlich durch Skaleneffekte bei Einkauf und Produktion.

Was brauche ich, um Meal Prep in meinem Betrieb anzubieten?

Neben Ihrer bestehenden Gewerbeanmeldung und Küche brauchen Sie: 1) Geeignete Verpackungen (mikrowellengeeignet, dicht, idealerweise Mehrweg nach Verpackungsgesetz) — Startkosten: 200–500 € für den ersten Bestand. 2) Ein Kühlsystem für die fertigen Gerichte (ein zusätzlicher Kühlschrank reicht oft: 400–1.000 €). 3) Ein Bestellsystem (WhatsApp-Gruppe für den Start, später eine einfache Website mit Bestellformular: 0–50 €/Monat). 4) Etiketten mit Zutatenlisten und Allergeninformationen — die Lebensmittelinformationsverordnung gilt auch für Meal Prep. Gesamtinvestition für den Start: 600–1.500 €.

Welche rechtlichen Vorschriften gelten für Meal Prep aus der Gastronomie?

Für Meal Prep gelten dieselben Vorschriften wie für andere Gastronomie-Produkte: HACCP-Konzept, Lebensmittelhygieneverordnung und die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Besonders wichtig bei vorverpackten Gerichten: vollständige Zutatenliste, Allergen-Kennzeichnung (die 14 Hauptallergene), Nettofüllmenge, Mindesthaltbarkeitsdatum und Name/Anschrift des Lebensmittelunternehmers. Kühlpflichtige Gerichte müssen bei max. 7 °C gelagert und transportiert werden. Wer liefert, braucht ein Kühlfahrzeug oder isolierte Transportboxen mit Kühlakkus. Die Mehrwegangebotspflicht gilt für Betriebe über 80 m² und 5 Beschäftigte.

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