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Imbiss Kalkulation: Preise richtig rechnen bei kleiner Marge

Kalkulation für Imbiss, Döner, Currywurst und Pommesbude — Wareneinsatz, Aufschläge und typische Fehler, die den Gewinn fressen.

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Imbiss Kalkulation: Preise richtig rechnen bei kleiner Marge

Ein Döner für 7 Euro, eine Currywurst für 4,50, Pommes für 3,50. Das klingt nach kleinen Beträgen — und genau das ist das Problem. Im Imbiss entscheiden Centbeträge über Gewinn oder Verlust. 20 Gramm mehr Fleisch pro Portion, ein zu großzügiger Soßenspender, ein nicht kalkulierter Verpackungspreis — und am Monatsende fehlen 800 Euro.

Die gute Nachricht: Wer einmal sauber kalkuliert, hat einen Vorsprung vor 80 % der Konkurrenz. Denn die meisten Imbissbetreiber kalkulieren nach Gefühl.

Was in der Imbiss-Kalkulation anders ist

Hoher Durchlauf, kleine Margen

Ein Restaurant verkauft 80 Essen am Tag und lebt von der Marge pro Teller. Ein Imbiss verkauft 150–400 Portionen und lebt vom Volumen — ähnlich wie beim Food Truck, wo das Prinzip „hoher Durchlauf, kleine Marge” noch stärker greift. Das ändert die Kalkulation grundlegend:

  • Jeder Cent zählt: 10 Cent mehr Wareneinsatz × 300 Portionen × 26 Tage = 780 € weniger Gewinn pro Monat
  • Standardisierung ist Pflicht: Jede Portion muss identisch sein — in Gewicht, Menge und Zusammensetzung
  • Nebenkosten wiegen schwerer: Verpackungen (0,15–0,50 €), Servietten (0,02–0,05 €), Besteck (0,08–0,15 €) summieren sich bei 300 Portionen auf 75–210 € pro Tag

Die Verpackungsfalle

Was viele vergessen: In der Schnellgastronomie geht fast alles „to go”. Das bedeutet:

VerpackungStückpreisBei 200/TagMonat (26 Tage)
Döner-Alufolie0,04 €8 €208 €
Pommes-Schale (Pappe)0,08 €16 €416 €
Getränkebecher 0,4 l0,07 €14 €364 €
Servietten (3 Stück)0,03 €6 €156 €
Gesamt1.144 €

Über 1.000 € im Monat — nur für Verpackung. Wenn Sie das nicht in die Kalkulation einrechnen, fehlt es am Ende im Gewinn.

Kalkulation nach Produktgruppen

Pommes frites

PositionMengePreis
Pommes TK (Gastro-Gebinde)200 g0,30 €
Frittierfett (anteilig)40 ml0,08 €
Salz, Gewürze1 Portion0,03 €
Verpackung1 Schale0,08 €
Wareneinsatz0,49 €

Verkaufspreis: 3,50 € brutto (2,94 € netto bei 19 % MwSt.)

Wareneinsatzquote: 16,7 % — Pommes sind ein Margenprodukt. Deshalb gehören sie auf jede Imbiss-Karte.

Döner Kebab

PositionMengePreis
Dönerfleisch (Rind/Kalb)150 g (nach Garverlust 200 g roh)1,40 €
Fladenbrot1 Stück0,25 €
Salat, Tomaten, Zwiebeln80 g0,20 €
Soße (Kräuter/Knoblauch)30 ml0,10 €
Verpackung (Alufolie + Papier)1 Stück0,06 €
Wareneinsatz2,01 €

Verkaufspreis: 7,50 € brutto (6,30 € netto)

Wareneinsatzquote: 31,9 % — Das ist am oberen Rand. Welche Quoten für welche Betriebsart normal sind, zeigt unser Überblick der Wareneinsatz-Richtwerte nach Betriebsart. Viele Betreiber senken die Fleischmenge auf 120–130 g oder nutzen günstigere Fleischmischungen (Hähnchen: ca. 0,80 €/150 g).

Currywurst

PositionMengePreis
Bratwurst (Schwein, Gastro)1 Stück (ca. 120 g)0,55 €
Currysoße (Eigenherstellung)60 ml0,15 €
Currypulver3 g0,04 €
Brötchen oder Beilage Pommes1 Portion0,20 €
Verpackung1 Schale0,08 €
Wareneinsatz1,02 €

Verkaufspreis: 4,50 € brutto (3,78 € netto)

Wareneinsatzquote: 27,0 % — Im gesunden Bereich. Die Currysoße aus Eigenproduktion spart gegenüber Fertigsoße ca. 0,10 € pro Portion.

Burger (Beispiel: Cheeseburger)

PositionMengePreis
Rindfleisch-Patty (150 g, tiefgekühlt)1 Stück0,90 €
Burger Bun1 Stück0,20 €
Scheiblettenkäse2 Scheiben0,12 €
Salat, Tomate, Zwiebel, Gurke1 Portion0,18 €
Soße (Ketchup/Senf/Mayo)1 Portion0,08 €
Verpackung (Burgerbox)1 Stück0,12 €
Wareneinsatz1,60 €

Verkaufspreis: 6,90 € brutto (5,80 € netto)

Wareneinsatzquote: 27,6 % — Akzeptabel. Aber: Wer frische Patties (180 g, selbst geformt) nimmt, liegt schnell bei 1,40–1,80 € nur fürs Fleisch. Premium-Burger mit Brioche-Bun und Cheddar kommen auf 2,80–3,50 € Wareneinsatz und brauchen mindestens 9,90 € Verkaufspreis.

Die fünf größten Kalkulationsfehler im Imbiss

1. Portionen nach Augenmaß

„Ungefähr 150 Gramm” bedeutet in der Praxis 130 bis 200 Gramm — je nach Mitarbeiter, Tageszeit und Laune. Bei 300 Portionen am Tag ergibt das einen Wareneinsatz-Unterschied von 15–25 % gegenüber der Kalkulation.

Lösung: Portionierwaage (ab 25 €), standardisierte Schöpfkellen, klare Fotos der Soll-Portion für jeden Mitarbeiter.

2. Frittierfett ignorieren

Ein Imbiss verbraucht 15–30 Liter Frittieröl pro Woche (bei 200–300 Portionen/Tag). Bei 2,50 €/Liter sind das 150–300 € im Monat. Viele kalkulieren das nicht ein — oder wechseln das Fett zu selten (Qualitätsverlust, Geschmacksprobleme, Gesundheitsrisiko).

3. Personalessen nicht erfassen

Drei Mitarbeiter essen täglich je einen Döner und eine Portion Pommes. Wareneinsatz pro Tag: ca. 7,50 €. Im Monat: 195 €. Im Jahr: 2.340 €. Das ist kein Diebstahl — es ist eine Betriebsausgabe. Aber eine, die kalkuliert werden muss.

4. Preise seit der Eröffnung nicht angepasst

Die Einkaufspreise für Fleisch sind seit 2022 um 15–25 % gestiegen. Fladenbrot um 20–30 %. Energie um 30–50 %. Wenn Ihre Verkaufspreise von 2022 sind, kalkulieren Sie mit den Margen von 2022 — die es nicht mehr gibt. Welche Kalkulationsmethoden in der Gastronomie bei der Preisanpassung helfen, lohnt sich zu prüfen.

5. Getränke nicht als Margenprodukt nutzen

Cola, Fanta, Wasser aus dem Postmix-System kosten 0,08–0,15 € pro Becher. Verkaufspreis: 2,00–3,00 €. Das ist Faktor 15–25. Kein anderes Produkt im Imbiss hat diese Marge. Wer Getränke vernachlässigt, verschenkt den profitabelsten Teil seines Geschäfts.

Fixkosten: Was der Imbiss wirklich kostet

Ein Fehler, den viele Gründer machen: nur den Wareneinsatz kalkulieren und die Fixkosten unterschätzen.

KostenartTypischer Bereich (Imbiss)
Miete / Pacht / Standgebühr800–2.500 €
Strom + Gas (Friteuse, Grill, Kühlungen)400–900 €
Personal (inkl. Lohnnebenkosten)2.500–6.000 €
Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Inventar)100–250 €
Steuerberater150–400 €
Verbrauchsmaterial (Reinigung, Hygiene)100–300 €
Kassensystem / TSE-Lizenz30–80 €
GEMA (bei Musik)20–50 €
Summe Fixkosten4.100–10.480 €

Bei 15.000 € Nettoumsatz und 25 % Wareneinsatz (3.750 €) bleiben 11.250 € für Fixkosten und Gewinn. Mit 7.000 € Fixkosten ergibt das 4.250 € vor Steuern. Das ist machbar — wenn die Stückzahl stimmt.

Diese Woche noch umsetzen

  • Wiegen Sie morgen 20 Portionen Ihres meistverkauften Produkts — wie groß ist die Abweichung?
  • Rechnen Sie die Verpackungskosten für einen Tag zusammen — der Betrag wird Sie überraschen
  • Kalkulieren Sie Ihren tatsächlichen Wareneinsatz für Döner/Burger/Wurst mit aktuellen Einkaufspreisen
  • Prüfen Sie: Wann haben Sie zuletzt die Verkaufspreise angepasst? Was hat sich seitdem geändert?
  • Rechnen Sie den Getränke-Deckungsbeitrag — und überlegen Sie, ob ein Kombi-Angebot mit Getränk sinnvoll ist

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Häufig gestellte Fragen

Welche Wareneinsatzquote ist für einen Imbiss normal?

20–28 % sind der Richtwert. Reine Pommesbuden liegen oft bei 18–22 %, Döner-Imbisse bei 24–28 %, Burger-Läden bei 26–32 %. Alles über 30 % ist ein Warnsignal — es sei denn, Sie arbeiten bewusst mit Premium-Zutaten und höheren Preisen.

Wie kalkuliere ich den Preis für einen Döner?

Addieren Sie alle Zutaten inklusive Fladenbrot, Fleisch (gewichtsverlust-bereinigt), Salat, Soße und Verpackung. Ein typischer Döner hat 1,80–2,50 € Wareneinsatz. Bei Faktor 3 ergibt das 5,40–7,50 € netto. Der Marktpreis liegt aktuell bei 6,50–8,50 € brutto — prüfen Sie, ob das bei Ihren Einkaufspreisen aufgeht.

Warum verdiene ich trotz voller Theke wenig Geld?

Die drei häufigsten Ursachen: 1) Portionen sind größer als kalkuliert (50 g mehr Fleisch kosten bei 300 Portionen/Tag 450 € im Monat). 2) Beilagen werden nicht mitkalkuliert (Soßen, Servietten, Verpackung). 3) Schwund wird ignoriert (Salatschnitt, Frittierfett-Wechsel, Ware die nicht verkauft wird).

Lohnt sich ein Imbiss finanziell?

Bei guter Lage und Frequenz ja. Ein Imbiss mit 15.000 € Nettoumsatz, 25 % Wareneinsatz und 20 % Personalkosten hat rund 3.000–4.500 € vor Steuern — wenn die Fixkosten (Miete, Energie, Versicherung) unter 4.000 € bleiben. Entscheidend ist die Stückzahl: Sie brauchen Volumen.

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