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Hotel-Restaurant Kalkulation: Halbpension, Frühstücksbuffet und warum F&B anders rechnet

Kalkulation für Hotelgastronomie — Frühstücksbuffet, Halbpension, Bankettgeschäft und die Frage, ob die F&B-Abteilung Geld verdient oder nur Kosten verursacht.

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Hotel-Restaurant Kalkulation: Halbpension, Frühstücksbuffet und warum F&B anders rechnet

Das Restaurant im Hotel hat 40 Plätze, einen Koch, zwei Servicekräfte und einen Wareneinsatz von 34 %. Der Hoteldirektor schüttelt den Kopf: „Zu hoch.” Der Küchenchef verteidigt sich: „Wir machen Halbpension, Frühstücksbuffet und Bankette — das lässt sich nicht mit einem normalen Restaurant vergleichen.”

Beide haben recht. Hotelgastronomie funktioniert nach anderen Regeln als die freie Gastronomie. Der Wareneinsatz ist höher, die Margen sind dünner, und die F&B-Abteilung wird nicht daran gemessen, ob sie Gewinn macht — sondern ob sie die Zimmerauslastung stützt.

Trotzdem muss kalkuliert werden. Denn die Grenze zwischen „unterstützt den Betrieb” und „frisst den Gewinn” ist schmal.

Warum Hotelgastronomie anders kalkuliert

Die drei Grundprobleme

1. Pauschalpreise statt Einzelkalkulation

Im Restaurant bestellt der Gast à la carte — Sie kennen den Wareneinsatz jedes Tellers. In der Hotelgastronomie gibt es:

  • Frühstücksbuffet (inkl. Zimmerpreis oder Pauschale)
  • Halbpension (Fixpreis für 3-Gang-Menü oder Buffet)
  • Bankette (Pauschale pro Person, verhandelt)
  • Roomservice (geringe Stückzahl, hoher Aufwand)

Bei jedem dieser Formate kennen Sie den Verkaufspreis, bevor Sie wissen, was der Gast essen wird. Das macht die Kalkulation schwieriger — und den Schwund teurer.

2. Schwund und Überproduktion

FormatTypischer SchwundWarum
Frühstücksbuffet15–25 %Viele Positionen, unberechenbare Gästezahl, Optik muss stimmen — vergleichbar mit Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung, wo ähnliche Schwund-Quoten gelten
Abendbuffet (HP)10–18 %Weniger Positionen, aber volle Auslage bis Schluss
Bankett (Menü)3–5 %Portioniert, planbar
Bankett (Buffet)12–20 %Wie Frühstück — Optik geht vor Effizienz
Roomservice5–10 %Geringe Stückzahl, aber Vorhalten von Zutaten nötig

3. F&B ist kein Profit Center — es ist ein Enabler

In der Hotellerie gilt eine Faustregel: Ein Zimmer bringt 70–85 % Marge (nach Reinigung und Betriebskosten). Ein Restaurantteller bringt 10–25 % Marge. Warum gibt es dann das Restaurant? Weil es Zimmer verkauft.

  • Hotels mit Restaurant: 5–15 % höhere Auslastung
  • Halbpension: Gäste bleiben länger (2,3 vs. 1,8 Nächte im Schnitt)
  • Businessgäste: Erwarten Frühstück und Abendessen — ohne Restaurant buchen sie woanders

Frühstücksbuffet: Die tägliche Kalkulation

Was ein Frühstück pro Gast kostet

KategorieTypische PositionenWE pro Gast
Budget / 2-SterneBrötchen, Aufschnitt, Käse, Marmelade, Butter, Kaffee, Saft2,50–4,00 €
Mittelklasse / 3-Sterne+ Eierstation, Müsli-Bar, Obst, Joghurt, Lachs4,00–6,00 €
Gehoben / 4-Sterne+ Live-Cooking (Omelette), Prosecco, Smoothies, Bio-Qualität6,00–9,00 €
Luxus / 5-Sterne+ Champagner, Kaviar, Patisserie, à-la-carte-Eier10,00–18,00 €

Rechenbeispiel: 3-Sterne-Hotel, 60 Zimmer

PositionMenge/TagKosten
Brötchen (Bäcker, frisch)120 Stück48,00 €
Brot (3 Sorten)6 kg18,00 €
Butter (Portionen)80 Stück12,00 €
Aufschnitt (Wurst, 4 Sorten)3 kg36,00 €
Käse (3 Sorten)2,5 kg30,00 €
Marmelade, Honig (Portionen)80 Stück8,00 €
Eier (gekocht + Rührei)60 Stück18,00 €
Müsli, Cornflakes2 kg6,00 €
Joghurt (Portionen)40 Stück12,00 €
Obst (frisch, geschnitten)5 kg15,00 €
Orangensaft (frisch gepresst)10 l20,00 €
Milch8 l8,00 €
Kaffee (Bohnen)2 kg30,00 €
Tee (Beutel)30 Stück3,00 €
Summe Wareneinsatz264,00 €
Schwund (18 %)47,52 €
Gesamt311,52 €

Bei 55 Frühstücksgästen: 5,66 € Wareneinsatz pro Gast (inkl. Schwund)

Wenn das Frühstück im Zimmerpreis inklusive ist, sieht der Gast keinen separaten Preis. Aber die Kalkulation muss es trotzdem erfassen — denn 5,66 € × 55 Gäste × 365 Tage = 113.567 € Wareneinsatz pro Jahr allein fürs Frühstück.

Schwund reduzieren — ohne Qualitätseinbuße

  • Nachfüllen statt Vollladen: Buffet zu 60 % füllen, alle 15 Minuten nachfüllen
  • Tracking nach Wochentag: Montags kommen 30 Gäste, Samstags 65 — Menge anpassen
  • Saisonale Anpassung: Im August voller als im November — Einkauf anpassen
  • Kleine Gebinde: 250g-Käse statt 1-kg-Block — weniger Austrocknung, weniger Abfall
  • Resteplanung: Übrig gebliebenes Obst → Smoothie, altes Brot → Croutons für die Suppe

Realistische Einsparung: 3–5 Prozentpunkte weniger Schwund, das sind bei unserem Beispiel 8.000–13.000 € im Jahr.

Halbpension: Der schmale Grat

Was der Gast zahlt vs. was es kostet

HotelkategorieHP-Zuschlag (pro Person/Tag)Wareneinsatz (3-Gang-Menü)WE-Quote
3-Sterne, ländlich25–35 €6,00–9,00 €24–26 %
3-Sterne Superior30–42 €8,00–12,00 €27–29 %
4-Sterne40–55 €10,00–16,00 €25–29 %
4-Sterne Superior50–70 €14,00–22,00 €28–31 %

Die WE-Quoten sehen akzeptabel aus — 25–31 %. Aber das ist nur der Wareneinsatz. Dazu kommen:

Vollkostenrechnung HP-Abendessen (Beispiel: 4-Sterne, 50 HP-Gäste)

PositionPro GastGesamt (50 Gäste)
Wareneinsatz (3-Gang-Menü)13,00 €650,00 €
Personal (Koch, Service, Spüle, anteilig)8,50 €425,00 €
Energie (Küche, Service, Beleuchtung)1,20 €60,00 €
Tischwäsche, Blumen, Dekoration0,80 €40,00 €
Geschirr/Besteck (Abschreibung, Bruch)0,40 €20,00 €
Reinigung (anteilig)0,60 €30,00 €
Vollkosten24,50 €1.225,00 €

HP-Zuschlag: 45,00 € pro Person → Deckungsbeitrag: 20,50 € pro Gast

Das klingt gut — aber rechnen Sie gegenüber: 50 Gäste × 20,50 € = 1.025 € pro Abend. Davon gehen noch Verwaltung, Marketing und anteilige Miete ab. Der F&B-Gewinn schrumpft auf 500–700 € pro Abend. Das ist nicht viel für den Aufwand.

Warum es sich trotzdem lohnt: Der HP-Zuschlag von 45 € wird auf den Zimmerpreis aufgeschlagen. Ein Zimmer für 120 € wird mit HP zu 210 € (Doppelzimmer, 2 Personen × 45 €). Die Zimmermarge bleibt gleich — plus der dünne F&B-Gewinn. Und: HP-Gäste buchen im Schnitt 0,5 Nächte mehr.

Bankettgeschäft: Planbar, aber verhandelt

Kalkulation pro Kopf

BankettformatWE pro PersonTypischer PauschalpreisWE-Quote
Kaffeepause (Kaffee + Gebäck)1,80–3,00 €8–12 €22–25 %
Stehempfang (Fingerfood, 2h)5,00–8,00 €25–40 €20–28 %
3-Gang-Menü (Business)8,00–14,00 €35–55 €23–25 %
4-Gang-Menü (Feier)12,00–20,00 €50–85 €24–28 %
Buffet (Business, warm)10,00–16,00 €40–60 €25–30 %
Buffet (Hochzeit, gehoben)18,00–30,00 €65–120 €25–28 %

Die Getränkepauschale: Wo das Geld liegt

PauschaleWEPauschalpreisWE-Quote
Softdrinks (3h, flat)1,50 €12,00 €12,5 %
Wein + Softdrinks (3h)4,00 €22,00 €18,2 %
All inclusive (4h, inkl. Bier, Wein, Softdrinks)7,00 €35,00 €20,0 %

Die Getränkepauschale ist der Margenbringer im Bankettgeschäft. Kalkulieren Sie großzügig — die meisten Gäste trinken weniger, als die Pauschale abdeckt. Erfahrungswert: Bei einer 4-Stunden-Pauschale trinken Gäste im Schnitt Getränke im Wert von 60–70 % der Pauschale.

Verhandlungsspielraum

Firmenkunden verhandeln. Immer. Und sie vergleichen Angebote — auch mit externen Caterern. Wie die Kalkulation im Catering funktioniert, hilft Ihnen, wettbewerbsfähige Bankettpreise zu gestalten. Ihr Spielraum:

  • Menü-Zusammenstellung: Günstigere Komponenten statt Preissenkung (Hähnchenbrust statt Rinderfilet, saisonales Gemüse statt Spargel)
  • Technik-Pauschale separat ausweisen (Beamer, Mikro, Flipchart: 150–400 €)
  • Raummiete flexibel gestalten (ab Mindestumsatz kostenlos, sonst 200–600 €)
  • Getränkepauschale statt Einzelabrechnung (Planungssicherheit für den Kunden, Marge für Sie)

Roomservice: Aufwändig, aber erwartet

Die ehrliche Kalkulation

Roomservice hat die schlechteste Marge aller F&B-Formate im Hotel:

PositionRestaurantRoomservice
Club Sandwich10,90 €14,90 €
Wareneinsatz2,80 €2,80 €
Personal (anteilig)1,50 €4,00 € (Lieferung + Tablett, Abräumen)
Verbrauchsmaterial0,10 €0,80 € (Cloche, Tablett-Einleger, Serviette)
Rohertrag6,50 €7,30 €

Der Rohertrag ist nominell höher — aber nur, weil der Preis 37 % über dem Restaurantpreis liegt. Und ein Kellner, der ein Tablett ins 4. OG bringt, kann in der Zeit drei Tische im Restaurant bedienen.

Empfehlung: Roomservice-Karte auf 8–10 Positionen beschränken. Nur Gerichte, die auf dem Tablett gut aussehen und bei Zimmertemperatur nicht leiden. Aufschlag von 20–30 % zum Restaurantpreis — die Branche tut es, die Gäste erwarten es.

F&B-Kennzahlen: Was Sie messen sollten

KennzahlZielwertWas es bedeutet
F&B-Wareneinsatz (gesamt)28–35 %Gesamter Wareneinsatz aller F&B-Outlets — wie sich das im Vergleich zu anderen Betriebsarten einordnet, zeigen die Wareneinsatz-Richtwerte nach Betriebsart
F&B-Anteil am Gesamtumsatz25–40 %Wie wichtig F&B für das Hotel ist
Revenue per Available Seat Hour (RevPASH)8–15 €Umsatz pro verfügbarem Sitzplatz pro Stunde
Frühstücks-WE pro Gast3,50–6,50 €Abhängig von Kategorie und Buffet-Umfang
HP-Deckungsbeitrag pro Gast15–25 €Nach Wareneinsatz und anteiligen Personalkosten
Bankettmarge pro Kopf18–35 €Abhängig von Format und Getränkepauschale
F&B-Personalkosten35–45 % des F&B-UmsatzesHöher als in der freien Gastronomie

Die steuerliche Besonderheit: Aufteilung bei Kombiangeboten

Seit 2026 gilt dauerhaft 7 % MwSt. auf Speisen. Bei Kombiangeboten (HP, Übernachtung inkl. Frühstück) muss aufgeteilt werden:

  • Übernachtung: 7 % MwSt. (wie bisher)
  • Frühstück: 7 % MwSt. (Speisen), 19 % MwSt. (Getränke wie Kaffee, Saft)
  • Halbpension: 7 % MwSt. (Speiseanteil), 19 % MwSt. (Getränkeanteil)

Die DEHOGA empfiehlt für die Aufteilung bei Kombiangeboten die Methode nach Einzelverkaufspreisen. Besprechen Sie die Details mit Ihrem Steuerberater — die Aufteilung beeinflusst die MwSt.-Last erheblich.

Die vier häufigsten F&B-Fehler in Hotels

1. Frühstücksbuffet nach Optik statt nach Kalkulation

12 Marmeladensorten, 6 Müsli-Varianten, 4 Brotsorten — alles wunderschön aufgebaut, aber 25 % Schwund. Reduzieren Sie auf das, was die Gäste tatsächlich essen. Tracking über eine Woche zeigt: 80 % der Gäste nehmen 3–4 der gleichen Positionen.

2. Halbpension als Pflicht statt als Produkt

„Wir bieten HP an, weil es alle tun.” Das reicht nicht. Halbpension muss ein Erlebnis sein, das den Aufpreis rechtfertigt — sonst buchen die Gäste nur Übernachtung und essen auswärts. Und Sie haben das Personal trotzdem eingeplant.

3. Bankette ohne Mindestmarge kalkulieren

Ein Firmenkunde will 80 Personen für 42 € pro Kopf? Bevor Sie zusagen: Rechnen Sie die Vollkosten. Wenn der Deckungsbeitrag unter 15 € pro Kopf liegt, verhandeln Sie nach — oder die Veranstaltung kostet mehr, als sie bringt.

4. F&B-Personalkosten nicht nach Format zuordnen

In vielen Hotels gibt es einen F&B-Topf für Personalkosten. Aber Frühstücksbuffet, Restaurant, Bankett und Roomservice haben völlig unterschiedliche Personalbedarfe. Ohne Zuordnung wissen Sie nicht, welches Format profitabel ist und welches subventioniert wird.

Diese Woche noch umsetzen

  • Berechnen Sie den Wareneinsatz pro Frühstücksgast — inklusive Schwund. Liegt er im Rahmen für Ihre Kategorie?
  • Messen Sie den Buffet-Schwund eine Woche lang: Wie viel wird aufgebaut, wie viel bleibt übrig?
  • Rechnen Sie die Vollkosten eines HP-Abendessens durch — nicht nur Wareneinsatz, sondern Personal, Energie und Nebenkosten
  • Prüfen Sie Ihre Bankett-Kalkulation: Ist die Getränkepauschale margenoptimiert?
  • Vergleichen Sie den F&B-Anteil am Gesamtumsatz mit dem Branchenschnitt (25–40 %)

KitchenCost kalkuliert den Wareneinsatz für jedes Hotelrezept — vom Frühstücksbuffet bis zum Bankettmenü, vom Roomservice-Sandwich bis zum HP-Dreigänger. Alle Zutaten erfassen, Portionskosten berechnen, Menülinien vergleichen. So sehen Sie, welche F&B-Formate sich tragen und wo nachkalkuliert werden muss. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Wie kalkuliert man ein Frühstücksbuffet im Hotel?

Nach Wareneinsatz pro Gast, nicht pro Portion. Rechnen Sie den gesamten Wareneinsatz des Buffets (alle Lebensmittel) und teilen Sie durch die Anzahl der Frühstücksgäste. Typischer Wareneinsatz: 3,50–6,50 € pro Gast, je nach Kategorie (Budget-Hotel: 2,50–4,00 €, 4-Sterne: 5,00–8,00 €). Der Schwund liegt bei Buffets bei 12–20 % — er muss einkalkuliert werden.

Welchen Wareneinsatz hat ein Hotel-Restaurant?

F&B-Abteilungen in Hotels liegen typischerweise bei 30–38 % Wareneinsatz — höher als in der freien Gastronomie (25–30 %). Das liegt an: Buffets mit Schwund, Halbpension mit Pauschalpreisen, Roomservice mit aufwendiger Logistik und Bankettgeschäft mit verhandelten Pauschalpreisen. Entscheidend: Die F&B-Abteilung muss nicht allein profitabel sein — sie unterstützt die Zimmerauslastung.

Wie kalkuliert man Halbpension richtig?

Der HP-Zuschlag pro Person liegt typischerweise bei 25–55 € (3-Sterne: 25–35 €, 4-Sterne: 35–55 €). Davon entfallen 8–15 € auf Wareneinsatz (3-Gang-Menü oder Buffet). Die Kalkulation: HP-Zuschlag abzüglich Wareneinsatz, Personal (anteilig), Energie und Service ergibt den Deckungsbeitrag. Dieser ist oft dünn — aber Halbpension erhöht die Zimmerbuchungsrate um 15–25 %.

Lohnt sich ein Hotel-Restaurant überhaupt?

Isoliert betrachtet oft nicht — die F&B-Abteilung macht in vielen Hotels Verlust oder nur minimalen Gewinn. Aber sie ist ein Verkaufsargument: Hotels mit Restaurant haben eine höhere Auslastung (5–15 % mehr), können höhere Zimmerpreise durchsetzen und binden Geschäftskunden. Die richtige Frage ist nicht 'Verdient das Restaurant Geld?', sondern 'Wie viel Zimmerumsatz generiert es?'.

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