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Gastronomie-Controlling: 8 Kennzahlen, die Sie jeden Monat prüfen sollten

Die wichtigsten Kennzahlen für Gastronomen im Monatsvergleich. Mit Richtwerten, Ampelsystem und konkreten Handlungsempfehlungen bei Abweichungen.

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Gastronomie-Controlling: 8 Kennzahlen, die Sie jeden Monat prüfen sollten

Es ist der dritte Dienstag im Monat. Ihr Steuerberater hat die BWA geschickt. Sie öffnen die PDF, überfliegen die Zahlen — Umsatz sieht okay aus, Gewinn ist da — und legen sie weg. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Das Problem: Wenn die BWA auf Ihrem Schreibtisch liegt, ist der Monat vorbei. Was schiefgelaufen ist, können Sie nicht mehr ändern. Und ob sich gerade etwas anbahnt, das in zwei Monaten richtig wehtut, sehen Sie erst, wenn es so weit ist.

Controlling bedeutet nicht, ein BWA-Studium zu absolvieren. Es bedeutet: acht Zahlen jeden Monat anschauen, mit dem Vormonat vergleichen, und bei Abweichungen sofort reagieren. Das dauert 30 Minuten. Und es ist der Unterschied zwischen Gastronomen, die ihr Geschäft steuern, und solchen, die vom Geschäft gesteuert werden.

Der Unterschied zwischen BWA und Controlling

Die BWA lesen und verstehen — das ist der erste Schritt. Aber die BWA ist ein Rückspiegel. Sie zeigt, was war. Controlling schaut durch die Windschutzscheibe.

BWA lesenControlling
ZeitpunktRückblickend (letzter Monat)Vergleichend (Trend erkennen)
Frage„Was ist passiert?”„Was verändert sich — und warum?”
AktionZur Kenntnis nehmenMaßnahme einleiten
Aufwand10 Minuten30 Minuten/Monat
WirkungInformationSteuerung

Die 8 Kennzahlen — Ihr monatlicher Gesundheitscheck

1. Wareneinsatzquote (WEQ)

Formel: Wareneinsatz ÷ Nettoumsatz × 100

Die Kernkennzahl für jeden Gastronomen. Sie zeigt, wie viel von jedem eingenommenen Euro direkt für Lebensmittel und Getränke ausgegeben wird.

Richtwerte nach Betriebsart:

BetriebsartWEQ ZielwertAlarm ab
Restaurant (à la carte)25–32 %>34 %
Imbiss / Schnellgastronomie30–38 %>40 %
Café / Bäckerei20–28 %>30 %
Catering35–42 %>44 %
Bar / Cocktailbar18–24 %>26 %

Häufigste Ursachen bei steigender WEQ:

  • Einkaufspreise gestiegen (Lieferantenrechnungen prüfen → Lieferantenbewertung)
  • Portionsgrößen schleichen nach oben (Waage statt Augenmaß)
  • Schwund hat zugenommen (Verderb, Überproduktion, Diebstahl)
  • Verkaufspreise zu lange nicht angepasst (→ Preise erhöhen)

2. Personalkostenquote

Formel: Personalkosten (brutto + AG-Anteile + BGN) ÷ Nettoumsatz × 100

BetriebsartZielwertAlarm ab
Restaurant (Service + Küche)30–38 %>40 %
Imbiss / Selbstbedienung20–28 %>30 %
Café28–35 %>37 %
Hotel-Restaurant35–42 %>44 %

Wichtig: Vergessen Sie nicht die Mindestlohn-Erhöhungen. Der Mindestlohn steigt regelmäßig — wenn Sie Ihre Preise nicht parallel anpassen, steigt die Personalkostenquote automatisch.

Mehr dazu: Personalkosten in der Gastronomie

3. Prime Cost — die Kennzahl, die alles zusammenfasst

Formel: (Wareneinsatz + Personalkosten) ÷ Nettoumsatz × 100

Das ist die Kennzahl, auf die es letztlich ankommt. Alles, was nach Prime Cost übrig bleibt, muss für Miete, Energie, Versicherungen, Abschreibungen, Steuern und Ihren Gewinn reichen. Eine ausführliche Anleitung mit Berechnungsbeispielen, häufigen Fehlern und Optimierungsstrategien finden Sie im Prime-Cost-Leitfaden.

Prime CostBewertungWas es bedeutet
Unter 55 %🟢 Sehr gutSpielraum für Investitionen, Rücklagen, Wachstum
55–60 %🟡 NormalStandard-Betrieb, funktioniert bei kontrollierten Fixkosten
60–65 %🟠 KritischGewinn ist minimal oder null, sofort analysieren
Über 65 %🔴 AlarmBetrieb arbeitet im Verlust — Sofortmaßnahmen nötig

Beispielrechnung:

KennzahlBetrag% vom Umsatz
Nettoumsatz40.000 €100 %
Wareneinsatz11.200 €28 %
Personalkosten12.400 €31 %
Prime Cost23.600 €59 %
Verbleibt für Miete, Nebenkosten, AfA, Gewinn16.400 €41 %

Bei Pacht/Miete von 3.500 €, Energie 1.800 €, Versicherungen 450 €, AfA 800 €, sonstige Gemeinkosten 2.500 € bleiben in diesem Beispiel rund 7.350 € — das sind 18,4 % Gewinn vor Steuern. Gesund.

Steigt die Prime Cost auf 65 %, bleiben nur noch 14.000 € für alles andere. Der Gewinn schmilzt auf rund 4.950 € — ein Drittel weniger.

4. Umsatz pro Gast (Bon-Durchschnitt)

Formel: Nettoumsatz ÷ Anzahl Gäste (oder Bons)

BetriebsartTypischer Wert
Imbiss8–14 €
Café9–16 €
Restaurant (mittleres Segment)25–45 €
Gehobene Gastronomie55–120 €

Warum diese Zahl so wichtig ist: Wenn der Gesamtumsatz sinkt, kann das zwei Gründe haben — weniger Gäste oder niedrigerer Bon-Durchschnitt. Die Maßnahmen sind völlig unterschiedlich:

  • Weniger Gäste → Marketing, Standort, Angebot prüfen
  • Niedrigerer Bon → Speisekarte optimieren, Upselling schulen

5. Umsatz pro Sitzplatz und Öffnungstag

Formel: Nettoumsatz ÷ (Sitzplätze × Öffnungstage)

Diese Kennzahl zeigt, wie effizient Sie Ihre Fläche nutzen. Besonders relevant, wenn Sie über Vergrößerung oder Verkleinerung nachdenken.

BetriebsartZielwert pro Sitzplatz/Tag
Schnellrestaurant40–70 €
Restaurant (mittleres Segment)30–55 €
Café20–35 €
Biergarten (saisonal)25–50 €

Sinkt der Wert? Mögliche Ursachen: zu viele Sitzplätze für die Nachfrage, falsche Öffnungszeiten, Reservierungslücken.

6. Deckungsbeitrag pro Gericht

Formel: Verkaufspreis netto − Wareneinsatz pro Portion

Das ist die Kennzahl, die Ihnen sagt, welche Gerichte Ihr Geschäft tragen und welche es belasten.

Beispiel aus einem realen Mittagstisch:

GerichtVK nettoWareneinsatzDeckungsbeitragWEQ
Schnitzel mit Pommes10,92 €3,20 €7,72 €29 %
Pasta Carbonara9,24 €1,85 €7,39 €20 %
Lachs mit Gemüse13,45 €5,60 €7,85 €42 %
Caesar Salad10,08 €2,40 €7,68 €24 %

Alle vier Gerichte haben einen ähnlichen Deckungsbeitrag (um 7,50 €). Aber der Lachs hat eine WEQ von 42 % — wenn das Ihr Bestseller ist, zieht er die Gesamt-WEQ nach oben. Lösung: Nicht streichen, aber Preiskalkulation anpassen oder Portion optimieren.

→ Mehr zum Deckungsbeitrag vs. Aufschlagkalkulation

7. Break-even-Punkt

Formel: Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote

Ab welchem Umsatz verdienen Sie Geld? Diese Zahl sollten Sie kennen — und jeden Monat prüfen, ob Sie darüber liegen.

Beispiel:

PostenBetrag/Monat
Miete3.500 €
Personal (fix, Grundgehälter)9.000 €
Energie1.800 €
Versicherungen450 €
AfA800 €
Sonstige Fixkosten1.500 €
Fixkosten gesamt17.050 €

Bei einem durchschnittlichen Deckungsbeitrag von 70 % (WEQ 30 %):

Break-even = 17.050 € ÷ 0,70 = 24.357 € Nettoumsatz/Monat

Alles über 24.357 € ist Gewinn. Alles darunter ist Verlust. Wenn Ihr Umsatz im Januar bei 26.000 € lag und im Februar auf 23.500 € fällt, sind Sie unter der Schwelle — und sollten sofort reagieren.

8. Liquiditätsreserve (Tage)

Formel: Kontostand ÷ durchschnittliche Tagesausgaben

Keine BWA-Kennzahl, aber überlebenswichtig. Wie viele Tage können Sie weitermachen, wenn ab morgen kein Gast mehr kommt?

ReserveBewertung
Unter 14 Tage🔴 Existenzgefährdend
14–30 Tage🟠 Knapp — jeder Umsatzeinbruch wird kritisch
30–60 Tage🟡 Solide Basis
Über 60 Tage🟢 Komfortabel

Mehr zur Finanzierung und Liquiditätsplanung

Ihr monatlicher Controlling-Bogen

Sie brauchen keine Software und kein Excel-Monster. Ein einfaches Blatt, das Sie jeden Monat ausfüllen, reicht.

KennzahlJanFebMrzTrendMaßnahme
Wareneinsatzquote28,4 %29,1 %31,7 %🔴 ↑Einkauf prüfen, Portionen wiegen
Personalkostenquote32,0 %31,5 %31,8 %🟢 →
Prime Cost60,4 %60,6 %63,5 %🔴 ↑WEQ-Anstieg ist die Ursache
Umsatz/Gast28,50 €27,90 €27,20 €🟡 ↓Speisekarte + Upselling prüfen
Umsatz/Sitzplatz/Tag42 €39 €36 €🟠 ↓Öffnungszeiten / Auslastung prüfen
DB Top-Gericht8,20 €8,20 €7,40 €🟡 ↓Rezept nachkalkulieren
Break-even erreicht?⚠️ knappFixkosten prüfen
Liquiditätsreserve38 Tage34 Tage28 Tage🟡 ↓Ausgaben drosseln

Das Ampelsystem:

  • 🟢 Grün: Wert im Zielkorridor, kein Handlungsbedarf
  • 🟡 Gelb: Leichte Abweichung (<2 Prozentpunkte), beobachten
  • 🟠 Orange: Deutliche Abweichung (2–4 Prozentpunkte), Ursache finden
  • 🔴 Rot: Starke Abweichung (>4 Prozentpunkte), sofort handeln

Was tun bei Abweichungen? — Drei Szenarien

Szenario 1: WEQ steigt plötzlich um 3 Punkte

Checkliste:

  1. Einkaufsrechnungen des Monats mit Vormonat vergleichen — sind Preise gestiegen?
  2. Inventur machen — stimmen die Bestände?
  3. Portionsgrößen in der Küche prüfen — wird nach Rezept gearbeitet?
  4. Verkaufsstruktur analysieren — werden mehr Gerichte mit hoher WEQ verkauft?
  5. Umsatz prüfen — bei gleichem Einkauf und weniger Umsatz steigt die Quote automatisch

Szenario 2: Personalkosten steigen ohne Umsatzwachstum

Checkliste:

  1. Überstunden prüfen — werden Stunden korrekt erfasst?
  2. Dienstplan analysieren — sind die Schichten an die Auslastung angepasst?
  3. Krankenstand prüfen — hoher Ausfall führt zu teuren Aushilfen
  4. Mindestlohn-Anpassung berücksichtigt? Preise parallel erhöht?

Szenario 3: Break-even wird nicht mehr erreicht

Sofortmaßnahmen:

  1. Fixkosten durchgehen — gibt es etwas, das kurzfristig reduzierbar ist?
  2. Öffnungszeiten überprüfen — lohnen sich alle Tage/Schichten?
  3. Speisekarte straffen — weniger Gerichte = weniger Einkauf, weniger Schwund, schnellere Küche
  4. Preise anpassen — oft reichen 5–8 % Erhöhung (→ Preise erhöhen)
  5. Finanzplan aktualisieren und mit Steuerberater besprechen

Die Richtsatzsammlung — Ihr Vergleichsmaßstab vom Finanzamt

Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht die Richtsatzsammlung mit Durchschnittswerten für jede Branche. Diese Werte nutzt auch das Finanzamt bei der Betriebsprüfung. Wenn Ihre Zahlen dauerhaft und erheblich von den Richtsätzen abweichen, kann das eine Prüfung auslösen.

BrancheRohgewinnaufschlag (Richtsatz)Entspricht ca. WEQ
Speisewirtschaft190–330 %23–34 %
Schankwirtschaft250–400 %20–29 %
Imbissbetrieb150–280 %26–40 %
Café / Konditorei200–350 %22–33 %

Diese Werte sind Korridore — und innerhalb dieser Korridore bewegen Sie sich sicher. Deutliche Abweichungen nach unten (also ein sehr niedriger Rohgewinn) wecken Interesse beim Finanzamt, weil sie auf nicht erfasste Einnahmen hindeuten könnten.

Diese Woche noch umsetzen

  • Die letzte BWA Ihres Steuerberaters öffnen und die 8 Kennzahlen herausschreiben
  • Wareneinsatzquote und Personalkostenquote der letzten 3 Monate nebeneinanderlegen — gibt es einen Trend?
  • Prime Cost berechnen: Liegt sie unter 60 %?
  • Break-even für Ihren Betrieb ausrechnen — und prüfen, ob jeder Monat darüber lag
  • Einen einfachen Controlling-Bogen anlegen (Tabelle, Notizbuch oder Excel) und ab nächsten Monat führen

Controlling beginnt bei der Rezeptkalkulation: Wenn Sie wissen, was jedes Gericht kostet, können Sie Ihre Wareneinsatzquote gezielt steuern. KitchenCost berechnet Ihre Rezeptkosten — und zeigt sofort, wo Ihre Marge liegt. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die wichtigste Kennzahl in der Gastronomie?

Die Prime Cost — also Wareneinsatz plus Personalkosten zusammen. Liegt dieser Wert über 60 % vom Nettoumsatz, bleibt nach Abzug von Miete, Energie, Versicherungen und Abschreibungen praktisch kein Gewinn übrig. Der Zielwert liegt bei 55–60 %. Wer nur den Wareneinsatz oder nur die Personalkosten einzeln betrachtet, übersieht das Zusammenspiel: Ein günstiger Wareneinsatz von 24 % nützt nichts, wenn die Personalkosten bei 40 % liegen.

Wie oft sollte man Kennzahlen in der Gastronomie auswerten?

Wareneinsatzquote und Tagesumsatz sollten Sie wöchentlich prüfen — je früher Sie Abweichungen erkennen, desto schneller können Sie gegensteuern. Die vollständige BWA mit allen Kennzahlen kommt monatlich vom Steuerberater. Entscheidend ist der Monatsvergleich: nicht die einzelne Zahl, sondern die Veränderung gegenüber dem Vormonat und dem Vorjahresmonat zeigt, ob etwas schiefläuft.

Welche Wareneinsatzquote ist in der Gastronomie normal?

Das hängt stark von der Betriebsart ab: Klassische Restaurants liegen bei 25–32 %, Imbissbetriebe bei 30–38 %, Cafés bei 20–28 % (Getränke-lastig), und Caterer bei 35–42 %. Wichtiger als der Branchenwert ist Ihre eigene Entwicklung: Steigt die Quote von einem Monat zum nächsten um mehr als 2 Prozentpunkte, stimmt etwas nicht — Einkaufspreise, Portionsgrößen oder Schwund.

Was ist der Unterschied zwischen BWA lesen und Controlling?

Die BWA lesen heißt: verstehen, was war. Controlling heißt: erkennen, was sich verändert, und handeln, bevor es zu spät ist. Die BWA ist das Werkzeug, Controlling ist die Methode. Konkret bedeutet das: Sie vergleichen jeden Monat Ihre IST-Zahlen mit dem SOLL (Ihrem Plan oder Vorjahr), identifizieren Abweichungen über 2 Prozentpunkte und leiten Maßnahmen ein. Das kostet 30 Minuten pro Monat — und spart Ihnen tausende Euro im Jahr.

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