Franchise Gastronomie: Was es wirklich kostet — und ob sich die Gebühren rechnen
Die Idee klingt verlockend: ein fertiges Konzept, eine bekannte Marke, erprobte Prozesse, Unterstützung beim Start. Kein Risiko, ob das Konzept funktioniert — McDonald’s, Domino’s, BackWerk haben bewiesen, dass es geht. Sie müssen nur noch den Laden aufmachen.
So verkaufen es die Franchisegeber. Und so einfach ist es natürlich nicht.
Was die meisten Franchise-Interessenten unterschätzen, sind nicht die Einstiegskosten — die stehen im Exposé. Was sie unterschätzen, sind die laufenden Gebühren. 5 % vom Umsatz klingt überschaubar. Aber wenn Ihre Gewinnmarge bei 8–12 % liegt, gehen 40–60 % Ihres Gewinns direkt an den Franchisegeber. Dafür bekommen Sie eine Marke, Einkaufskonditionen und ein Handbuch. Ob das reicht, hängt davon ab, was Sie selbst mitbringen.
Die echten Kosten: Einstieg und laufend
Einstiegskosten nach Konzepttyp
| Konzept | Eintrittsgebühr | Umbau/Ausstattung | Gesamt-Erstinvestition | Eigenkapital (min.) |
|---|---|---|---|---|
| Schnellimbiss/Takeaway | 5.000–15.000 € | 30.000–80.000 € | 50.000–120.000 € | 15.000–40.000 € |
| Café/Bäckerei | 10.000–25.000 € | 60.000–150.000 € | 80.000–200.000 € | 25.000–60.000 € |
| Pizza-Lieferdienst | 15.000–30.000 € | 80.000–180.000 € | 120.000–250.000 € | 40.000–80.000 € |
| Casual Dining | 20.000–40.000 € | 150.000–350.000 € | 200.000–400.000 € | 60.000–120.000 € |
| Fast Casual (Burger, Bowl) | 15.000–35.000 € | 120.000–280.000 € | 150.000–350.000 € | 50.000–100.000 € |
| Full Service Restaurant | 25.000–50.000 € | 200.000–500.000 € | 250.000–600.000 € | 80.000–180.000 € |
Achtung: Die Eintrittsgebühr ist nur der Anfang. Der Umbau — nach Vorgaben des Franchisegebers, mit vorgeschriebenen Einrichtungsfirmen und Materialien — kostet oft das Fünf- bis Zehnfache.
Laufende Kosten: Was jeden Monat abfließt
| Gebührenart | Typische Höhe | Bei 50.000 € Nettoumsatz/Monat |
|---|---|---|
| Franchisegebühr (laufend) | 4–8 % des Nettoumsatzes | 2.000–4.000 € |
| Werbegebühr (Marketing-Pool) | 2–5 % des Nettoumsatzes | 1.000–2.500 € |
| IT/Software-Gebühr | 200–600 €/Monat (pauschal) | 200–600 € |
| Wareneinsatz (Pflichtlieferanten) | Oft 2–5 % über Marktpreis | 300–750 € Mehrkosten |
| Summe Franchisekosten | 3.500–7.850 €/Monat |
Das sind 42.000–94.200 € im Jahr. Bei einem Jahresumsatz von 600.000 € netto und einer Gastro-typischen Gewinnmarge von 5–8 % (30.000–48.000 € Gewinn) kann die Franchisegebühr allein den gesamten Gewinn übersteigen.
Die Kalkulation, die Sie vor dem Unterschreiben machen müssen
Beispiel: Pizza-Lieferdienst-Franchise
| Position | Ohne Franchise (eigenes Konzept) | Mit Franchise |
|---|---|---|
| Monatsumsatz (netto) | 35.000 € | 45.000 € (Marke bringt mehr Kunden) |
| Wareneinsatz (30 %) | –10.500 € | –14.850 € (33 %, Pflichtlieferant teurer) |
| Personal (35 %) | –12.250 € | –15.750 € |
| Miete + Nebenkosten | –3.500 € | –4.200 € (Standortvorgabe: teurere Lage) |
| Franchisegebühr (6 %) | 0 € | –2.700 € |
| Werbegebühr (3 %) | 0 € | –1.350 € |
| IT-Gebühr | –150 € (eigene Lösung) | –400 € |
| Eigenes Marketing | –1.500 € | –500 € (weniger nötig dank Marke) |
| Sonstige Kosten | –2.500 € | –2.500 € |
| Ergebnis vor Steuern | 4.600 € (13,1 %) | 2.750 € (6,1 %) |
Der Franchise-Betrieb macht 10.000 € mehr Umsatz — aber 1.850 € weniger Gewinn. Die Franchisegebühren (4.450 €/Monat) fressen den Mehrumsatz auf und kosten zusätzlich Marge.
Wann rechnet sich das trotzdem? Wenn der Umsatzvorteil durch die Marke deutlich höher ist. Ab ca. 60.000 € Monatsumsatz wird der Franchise-Betrieb im Beispiel profitabler als das eigene Konzept — weil die Fixkosten (Miete, Personal-Grundlast) prozentual sinken.
Die Break-Even-Rechnung
Bevor Sie unterschreiben, rechnen Sie:
Franchise-Mehrumsatz pro Monat = Geschätzter Umsatz (Franchise) – Geschätzter Umsatz (eigenes Konzept)
Franchise-Kosten pro Monat = Franchisegebühr + Werbegebühr + IT + Einkaufs-Mehrkosten
Break-Even: Franchise-Mehrumsatz × Ihre Marge ≥ Franchise-Kosten
Wenn die Franchise-Marke Ihnen nicht mindestens so viel Mehrumsatz bringt, dass die Marge die Gebühren deckt, zahlen Sie drauf.
Was Sie vom Franchisegeber bekommen — und was nicht
Was im Paket ist
| Leistung | Wert für Sie | Kommentar |
|---|---|---|
| Markenbekanntheit | Hoch (in den ersten 2 Jahren) | Danach zählt Ihr Standort und Ihre Bewertungen |
| Erprobtes Konzept | Hoch | Reduziert Gründungsrisiko deutlich |
| Einkaufskonditionen | Mittel | Oft 5–15 % günstiger als Einzeleinkauf — aber Pflichtlieferanten |
| Schulung und Onboarding | Hoch (einmalig) | 2–6 Wochen Schulung, Handbuch, Begleitung bei Eröffnung |
| Laufende Unterstützung | Variabel | Manche Systeme: monatliche Besuche. Andere: nur Hotline |
| Standortanalyse | Mittel–Hoch | Franchisegeber prüft Standort — will aber auch hohe Miete akzeptieren |
| Marketing-Material | Mittel | Nationale Kampagnen. Lokales Marketing oft Ihre Sache |
Was nicht im Paket ist
| Was Sie selbst tun müssen | Aufwand |
|---|---|
| Eigene Finanzierung sichern (Bank, KfW) — siehe Finanzplan Gastro-Gründung | 2–6 Monate |
| Mietvertrag verhandeln | 1–3 Monate |
| Personal finden und einarbeiten | Laufend |
| Lokales Marketing (Google Maps, Social Media, Flyer) | Laufend |
| Tägliche Betriebsführung | 50–70 Stunden/Woche |
| Nachkalkulation und Wareneinsatzkontrolle | Ihre Verantwortung |
Einkaufsbindung: Die versteckte Kostenfalle
Die meisten Franchise-Systeme schreiben vor, bei welchen Lieferanten Sie einkaufen müssen. Das hat Vorteile (einheitliche Qualität, Mengenrabatte) und Nachteile:
| Aspekt | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Zentraleinkauf | 5–15 % günstiger als Einzeleinkauf | Kein Verhandlungsspielraum, kein Lieferantenwechsel |
| Pflichtlieferanten | Einheitliche Qualität garantiert | Oft 2–5 % über günstigstem Marktpreis |
| Logistik | Automatisierte Bestellung, weniger Aufwand | Mindestbestellmengen, die für kleine Standorte zu hoch sind |
| Kickbacks | — | Franchisegeber erhält Rückvergütung vom Lieferanten (1–3 % vom Einkaufswert) |
Kickbacks sind der Elefant im Raum. Viele Franchisegeber erhalten vom Pflichtlieferanten eine Rückvergütung von 1–3 % des Einkaufsvolumens aller Franchisenehmer. Das ist legal und wird im Franchisevertrag oft erwähnt — aber selten erklärt. Bei einem Wareneinsatz von 15.000 € pro Monat und 200 Franchisenehmern erhält der Franchisegeber 36.000–108.000 € monatlich — nur aus Kickbacks.
Der Franchisevertrag: Worauf Sie achten müssen
Die wichtigsten Vertragsklauseln
| Klausel | Worauf achten | Risiko |
|---|---|---|
| Vertragslaufzeit | 10–20 Jahre üblich, 5 Jahre selten | Lange Bindung, kaum Ausstiegsmöglichkeit |
| Gebietsschutz | Exklusives Gebiet? Radius? Oder nur „bevorzugt”? | Ohne Gebietsschutz kann der Franchisegeber 500 m weiter einen zweiten Laden aufmachen |
| Kündigungsrecht | Nur außerordentlich? Ordentliche Kündigung möglich? | Franchisegeber kann oft leichter kündigen als Sie |
| Wettbewerbsverbot | Meist 1–2 Jahre nach Vertragsende, im Umkreis von X km | Sie dürfen nach dem Franchise nichts Ähnliches eröffnen |
| Investitionsschutz bei Kündigung | Wer zahlt die Einrichtung, wenn der Vertrag endet? | Oft: Sie haben investiert, der Franchisegeber übernimmt den Standort |
| Übertragbarkeit | Können Sie den Franchise-Standort verkaufen? | Meist nur mit Zustimmung des Franchisegebers — der mitverdient |
Vor dem Unterschreiben
- Franchisevertrag von einem spezialisierten Anwalt prüfen lassen (Kosten: 1.500–3.000 €). Kein allgemeiner Anwalt — es gibt Franchise-Fachanwälte (Deutsche Franchise-Vereinigung hat eine Liste). Worauf Sie dabei achten müssen — Gebietsschutz, Bezugspflichten, Kündigungsklauseln, Wettbewerbsverbot — erklären wir im Detail im Leitfaden Franchisevertrag prüfen.
- Mindestens fünf bestehende Franchisenehmer besuchen und befragen — nicht die, die der Franchisegeber vorschlägt, sondern zufällig ausgewählte
- Nach gescheiterten Franchisenehmern fragen — wenn es keine gibt, ist das System entweder perfekt oder sehr jung
Franchise in der DACH-Gastronomie: Der Markt 2026
Marktzahlen Deutschland
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Franchise-Systeme Gastronomie (gesamt) | ca. 180 |
| Franchisenehmer Gastronomie | ca. 22.000 Standorte |
| Durchschnittlicher Jahresumsatz (Franchise-Gastro) | 350.000–800.000 € |
| Überlebensrate nach 5 Jahren (Franchise) | ca. 85 % |
| Überlebensrate nach 5 Jahren (Einzelgründung Gastro) | ca. 50 % |
Trends 2026
| Trend | Auswirkung auf Franchisekosten |
|---|---|
| 7 % MwSt auf Speisen (ab 01.01.2026) | Entlastet alle Gastro-Betriebe — auch Franchise. Aber: Franchisegeber könnten Gebühren anpassen |
| Personalmangel | Franchise hat Vorteil: Schulungssysteme, standardisierte Prozesse. Aber: Personalkosten steigen überall |
| Digitalisierung (Bestell-Apps, KI-Kassensysteme) | Franchise investiert zentral — Franchisenehmer zahlt IT-Gebühr, profitiert aber von besserer Technik |
| Ghost Kitchens / Dark Kitchens | Neue Franchise-Modelle mit niedrigeren Einstiegskosten (30.000–80.000 €), aber unerprobtem Konzept |
Franchise vs. eigenes Konzept: Die ehrliche Gegenüberstellung
| Kriterium | Franchise | Eigenes Konzept |
|---|---|---|
| Gründungsrisiko | Geringer (erprobtes Konzept) | Höher (muss sich erst beweisen) — mehr dazu unter Existenzgründung Gastronomie |
| Investition | Höher (Eintrittsgebühr + Vorgaben) | Flexibel (Sie entscheiden) |
| Laufende Kosten | Franchisegebühr + Werbeumlage (6–13 %) | Kein Franchise-Abfluss |
| Gewinnmarge | Niedriger (nach Gebühren: 3–7 %) | Potenziell höher (5–12 %) |
| Freiheit | Eingeschränkt (Sortiment, Lieferanten, Einrichtung) | Volle Freiheit |
| Skalierung | Leichter (Multi-Unit-Franchise) | Schwieriger (eigenes Konzept replizieren) |
| Exit | Eingeschränkt (Franchisegeber hat Vorkaufsrecht) | Frei verkaufbar |
| Für wen? | Quereinsteiger, sicherheitsorientiert | Erfahrene Gastronomen, kreativ, risikobereit |
Diese Woche noch umsetzen
- Rechnen Sie die Gesamtkosten über fünf Jahre durch: Eintrittsgebühr + laufende Gebühren × 60 Monate + Investition — wie viel müssen Sie verdienen, damit sich das rechnet?
- Besuchen Sie zwei bestehende Franchisenehmer des Systems, das Sie interessiert — unangekündigt, als Gast, und reden Sie danach offen über Zahlen
- Holen Sie sich den Franchisevertrag und lassen Sie ihn von einem Franchise-Fachanwalt prüfen (1.500–3.000 € gut investiertes Geld)
- Erstellen Sie eine Vergleichskalkulation: Was würde ein eigenes Konzept am gleichen Standort kosten — ohne Franchisegebühren?
- Prüfen Sie die KfW-Förderprogramme (ERP-Gründerkredit, ERP-Kapital für Gründung) — auch für Franchise-Gründungen nutzbar
KitchenCost zeigt den Wareneinsatz pro Rezept — egal ob Franchise oder eigenes Konzept. Wenn Ihr Franchisegeber vorschreibt, welche Zutaten Sie verwenden und wo Sie einkaufen, zeigt Ihnen KitchenCost, was das pro Gericht wirklich kostet. Und ob die vorgegebenen Verkaufspreise Ihre Marge halten. Kostenlos im App Store.