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Food Waste Gastronomie: Wie Sie Lebensmittelverschwendung reduzieren — und dabei Geld sparen

Food Waste in der Gastronomie reduzieren — Zahlen, Methoden, Resteverwertung und wie weniger Abfall direkt die Marge verbessert.

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Food Waste Gastronomie: Wie Sie Lebensmittelverschwendung reduzieren — und dabei Geld sparen

Irgendwann zwischen der dritten Lieferung Salat, die braun wird, und dem Sonntagsbrunch, bei dem die Hälfte der Lachs-Bagels übrig bleibt, fällt es auf: Da wirft man nicht nur Essen weg. Da wirft man Geld weg.

10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. 2 Millionen Tonnen davon kommen aus der Gastronomie. Und das sind nicht die Kartoffelschalen und Hühnerknochen — das ist essbare Ware, die eingekauft, gelagert, teilweise zubereitet und dann entsorgt wird. Bezahlt. Und dann nochmal bezahlt: für die Entsorgung.

In einer Branche, in der 48.000 Betriebe seit 2020 geschlossen haben und die Margen bei 3–5 % liegen, ist das keine Nachhaltigkeitsfrage mehr. Das ist eine Überlebensfrage.

Was Food Waste wirklich kostet

Die Rechnung, die keiner machen will

Beispiel: Restaurant, 80 Plätze, 22.000 € Wareneinsatz/Monat

AbfallartAnteil am Food WasteGeschätzte Kosten/Monat
Tellerreste (Gäste essen nicht auf)30–35 %400–550 €
Verderb im Lager (zu viel bestellt, falsch gelagert)25–30 %350–500 €
Zubereitungsabfälle (über Schälverluste hinaus)20–25 %280–400 €
Überproduktion (zu viel vorbereitet, Buffet-Reste)15–20 %200–300 €
Food Waste gesamt1.230–1.750 €/Monat

Das sind 14.760–21.000 € pro Jahr. Bei einer Gewinnmarge von 4 % (= 880 €/Monat bei 22.000 € Wareneinsatz) ist der Food Waste doppelt so hoch wie der Gewinn. Food Waste und Schwund in der Gastronomie überschneiden sich, sind aber nicht dasselbe: Schwund umfasst auch Diebstahl und Überportionierung, Food Waste konzentriert sich auf vermeidbare Lebensmittelverluste.

Was ein Kilogramm Food Waste wirklich kostet

Nicht nur der Einkaufspreis. Sondern:

KostenfaktorAnteilBeispiel (1 kg Rindergulasch)
Einkaufspreis45–55 %8,50 €
Arbeitszeit (Annahme, Lagerung, Vorbereitung)20–25 %4,00 €
Energie (Kühlung, Zubereitung)10–15 %2,50 €
Entsorgung5–10 %1,00 €
Vollkosten pro kg Food Waste100 %16,00 €

Der Einkaufspreis ist nur die Hälfte der Geschichte. Ein Kilogramm weggeworfenes Essen kostet im Durchschnitt 16–24 € — wenn man alle Kosten berücksichtigt.

Die vier Hauptquellen — und was dagegen hilft

1. Überbestellung und Verderb (25–30 % des Food Waste)

Ursache: Zu viel bestellt, weil die Bestellmengen auf Bauchgefühl basieren statt auf Verkaufsdaten.

MaßnahmeAufwandEinsparung
Bestellmengen auf Basis der Verkaufszahlen der letzten 4 WochenGering (15 Min./Bestellung)15–25 % weniger Verderb
FIFO-Prinzip konsequent umsetzen (First In, First Out)Gering (Einmalige Umorganisation)10–15 % weniger Verderb
Kühltemperaturen täglich dokumentieren5 Min./Tag5–10 % weniger Verderb
Lagerbestand 2× pro Woche zählen (nicht nur monatlich)30 Min., 2×/WocheÜberbestellung sofort sichtbar — eine regelmäßige Inventur macht den Verbrauch messbar

Schnellster Hebel: Die Top-10-Verderber identifizieren. Welche zehn Artikel werfen Sie am häufigsten weg? Eine systematische Lieferantenbewertung hilft dabei, Verderb schon beim Einkauf zu reduzieren — bessere Ware hält länger. Bei den meisten Betrieben sind es Salat, Kräuter, frischer Fisch, vorbereitete Saucen und Backwaren. Für diese zehn Artikel die Bestellmengen um 20 % reduzieren — und schauen, ob es reicht.

2. Tellerreste (30–35 % des Food Waste)

Ursache: Portionen sind zu groß, Beilagenauswahl passt nicht, Gäste bestellen zu viel.

MaßnahmeAufwandEinsparung
Portionsgrößen standardisieren (Waage statt Augenmaß)Mittel (Einmalig + Schulung)15–25 % weniger Tellerreste
Zwei Portionsgrößen anbieten (“Normal” und “Kleiner Hunger”)Gering (Kartenänderung)10–20 % weniger Tellerreste
Beilagenwahl statt StandardbeilageGering5–10 % weniger Tellerreste
Tellerreste eine Woche lang wiegen und auswertenMittelBewusstsein → sofortige Änderung

Wichtig: Kleinere Portionen sind kein Qualitätsverlust. In einer Studie der BFH gaben 72 % der Gäste an, dass ihnen die reduzierte Portion (–15 %) nicht aufgefallen ist. Die, denen es auffiel, bewerteten es überwiegend positiv.

3. Zubereitungsverluste (20–25 % des Food Waste)

Ursache: Schälverluste über dem Nötigen, Zuschnitte nicht optimal, verwertbare Teile landen im Müll.

LebensmittelUnvermeidbarer VerlustTypischer Verlust (Praxis)Optimierungspotenzial
Kartoffeln10–15 % (Schale)20–25 %5–10 %
Karotten8–12 %15–20 %5–8 %
Zwiebeln10 %15–18 %5–8 %
Brokkoli (nur Röschen)45 %55–60 %Stiel verwerten!
Rindfleisch (Zuschnitt)15–20 %25–30 %Abschnitte für Fonds

Die goldene Regel: Was nicht auf den Teller kommt, muss nicht in die Tonne. Gemüseschalen → Fond. Fleischabschnitte → Ragout. Altes Brot → Paniermehl oder Brotchips. Überreifes Obst → Desserts oder Smoothies.

4. Überproduktion (15–20 % des Food Waste)

Ursache: Buffet zu üppig kalkuliert, Tagesgerichte überproduziert, Mise en Place für den Worst Case vorbereitet.

MaßnahmeAufwandEinsparung
Buffet in kleineren Gebinden auffüllen (Nachfüllen statt Vorhalten)Gering20–30 % weniger Buffet-Reste
Tagesgericht-Menge auf 80 % der erwarteten Bestellungen kalkulierenGering10–15 % weniger Überproduktion
”Ausverkauft” ist erlaubt — und wirkt qualitätsbewusstKein AufwandÜberproduktion vermeiden
Reste des Tagesgerichts am Folgetag als Personalessen oder Mitarbeiter-MitnahmeGeringKeine Entsorgung, motiviert Mitarbeiter

Food-Waste-Messung: So fangen Sie an

Die Ein-Wochen-Methode

Sie brauchen: drei beschriftete Tonnen, eine Küchenwaage, ein Blatt Papier.

TonneWas reinkommtZiel
Tonne 1: LagerVerdorbene Ware, abgelaufene ProdukteBestellmengen optimieren
Tonne 2: KücheZubereitungsabfälle (über Unvermeidbares hinaus), ÜberproduktionArbeitsabläufe optimieren
Tonne 3: TellerTellerreste der GästePortionen optimieren

Tägliches Protokoll (5 Minuten):

Tag: ___________
Tonne 1 (Lager): ___ kg | Top-3-Artikel: _______________
Tonne 2 (Küche): ___ kg | Top-3-Artikel: _______________
Tonne 3 (Teller): ___ kg | Auffälligkeiten: ______________
Gästeanzahl: ___
Food Waste pro Gast: ___ g

Was die Zahlen bedeuten

KennzahlGutAkzeptabelHandlungsbedarf
Food Waste pro Gast<80 g80–150 g>150 g
Food Waste als % des Wareneinsatzes<3 %3–7 %>7 %
Verderb-Anteil am Food Waste<20 %20–35 %>35 %
Tellerreste-Anteil<30 %30–40 %>40 %

Resteverwertung: Aus Abfall wird Umsatz

Kreative Verwertungsideen, die funktionieren

RestwareVerwertungMarge
Altes BrotSemmelknödel, Brotchips (Snack), Paniermehl, BrotsuppeHoch (Rohstoff: fast 0 €)
Gemüsereste + SchalenFond (Basis für Suppen und Saucen)Hoch
Überreifes ObstCrumble, Smoothie, Eis, ChutneyMittel–Hoch
FleischabschnitteFonds, Ragout, Füllung für TeigtaschenMittel
Reste vom TagesgerichtNächster Tag: Suppe, Eintopf, Wrap-FüllungMittel
KaffeesatzNicht essbar — aber: Kompost, Peeling (Verkauf?), oder PilzzuchtKreativ

Too Good To Go und andere Rettungsplattformen

PlattformFunktionsweiseTypischer ErlösFür wen geeignet
Too Good To GoÜberraschungstüte für Gäste (3,99–5,99 €)2,40–3,60 € netto (nach Provision)Bäckereien, Cafés, Restaurants mit Takeaway
ResQ ClubÄhnlich wie TGTG, regionalVariabelMittlere bis große Betriebe
Direkte Mitarbeiter-MitnahmeMitarbeiter nehmen Reste mit0 € Erlös, 0 € EntsorgungskostenAlle Betriebe

Rechnung: 5 Überraschungstüten pro Tag × 2,50 € Nettoerlös × 26 Tage = 325 €/Monat. Statt Entsorgungskosten: Einnahme. Und die Ware wurde sowieso eingekauft.

Was kommt: EU-Vorgaben 2025–2030

Zeitplan

JahrRegelungWas es für Sie bedeutet
2025EU-Abfallrahmenrichtlinie in KraftNationale Reduktionsziele werden verbindlich
2025Nationale Strategie Deutschland überarbeitetGastro ist explizit einbezogen
2025 (Feb)Schweiz: Neue WeitergabepflichtenBetriebe müssen essbare Lebensmittel vorrangig weitergeben
2027Nationale Umsetzungsgesetze erwartetKonkrete Vorgaben für Gastro wahrscheinlich
2030EU-Ziel: 30 % weniger Food WasteBerichtspflicht für größere Betriebe absehbar

Was das praktisch heißt

Die Richtung ist klar: Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie wird reguliert werden. Wer jetzt anfängt zu messen und zu reduzieren, hat einen Vorsprung — nicht nur regulatorisch, sondern wirtschaftlich.

Die fünf häufigsten Ausreden — und warum sie nicht stimmen

1. “Unsere Gäste erwarten volle Teller”

Volle Teller und weniger Verschwendung schließen sich nicht aus. Standardisierte Portionsgrößen bedeuten nicht kleinere Portionen — sie bedeuten gleichmäßige Portionen. Wenn jeder Koch anders anrichtet, schwankt das Gewicht um 30–50 %. Das ist teuer und unprofessionell.

2. “Messen kostet zu viel Zeit”

5 Minuten am Tag für das Protokoll. Eine Woche lang. Danach wissen Sie mehr über Ihre Kosten als in den letzten drei Jahren zusammen.

3. “Resteverwertung passt nicht zu unserem Konzept”

Fond aus Gemüseresten ist keine Resteverwertung — es ist Handwerk. Die besten Küchen der Welt arbeiten nach dem Nose-to-Tail-/Root-to-Leaf-Prinzip. Es ist ein Qualitätsmerkmal, kein Kompromiss.

4. “Too Good To Go schadet unserem Image”

Die Realität: Jüngere Gäste (unter 40) sehen es positiv. Es signalisiert Nachhaltigkeit und Verantwortung. Und: Die Tüten werden abends verkauft — die regulären Gäste sehen es kaum.

5. “Wir haben kaum Abfall”

Dann messen Sie eine Woche und beweisen Sie es. Die meisten Betriebe, die “kaum Abfall” haben, stellen beim Messen fest: 80–150 g pro Gast. Bei 100 Gästen am Tag sind das 8–15 kg. Am Tag. Das sind 240–450 kg im Monat.

Diese Woche noch umsetzen

  • Stellen Sie drei beschriftete Tonnen auf (Lager, Küche, Teller) und wiegen Sie eine Woche lang täglich
  • Identifizieren Sie Ihre fünf häufigsten Verderber — und reduzieren Sie die Bestellmenge um 20 %
  • Standardisieren Sie die Portionsgröße Ihrer drei meistverkauften Gerichte (Waage statt Augenmaß)
  • Prüfen Sie: Können Sie ein Tagesgericht aus gestrigen Resten anbieten? (Suppe, Eintopf, Wrap) — mehr dazu im Guide Zero Waste in der Küche
  • Registrieren Sie sich bei Too Good To Go — die Anmeldung ist kostenlos, Sie entscheiden, was reinkommt

KitchenCost rechnet den Wareneinsatz pro Rezept — und zeigt, was Verschwendung wirklich kostet. Wenn Sie wissen, dass ein Kilogramm Rindergulasch 16 € in der Herstellung kostet (nicht nur 8,50 € Einkaufspreis), sehen Sie Food Waste mit anderen Augen. Zutaten eingeben, Rezeptkosten berechnen, Portionen auf den Cent genau kalkulieren. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Food Waste entsteht in der deutschen Gastronomie?

Rund 2 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr — allein in der Außer-Haus-Verpflegung (Restaurants, Hotels, Kantinen, Catering). Das entspricht etwa 36 % des gesamten Food Waste in Deutschland (10,8 Millionen Tonnen). Pro Betrieb sind das durchschnittlich 7.000–12.000 kg pro Jahr, je nach Größe und Konzept.

Was kostet Food Waste einen Gastro-Betrieb?

Durchschnittlich 5–10 % des Wareneinsatzes gehen durch Verschwendung verloren. Bei einem Restaurant mit 20.000 € Wareneinsatz pro Monat sind das 1.000–2.000 € monatlich — also 12.000–24.000 € im Jahr, die buchstäblich in der Tonne landen. Studien der BFH (Berner Fachhochschule) beziffern die Kosten auf ca. 24 CHF pro Kilogramm Lebensmittelabfall, wenn man Einkauf, Lagerung, Zubereitung und Entsorgung zusammenrechnet.

Wie kann ich Food Waste in meinem Restaurant messen?

Die einfachste Methode: Stellen Sie eine Woche lang separate Tonnen für Tellerreste, Zubereitungsabfälle und verdorbene Ware auf. Wiegen und dokumentieren Sie täglich. Daraus berechnen Sie: Food Waste in kg pro Gast, pro Gericht und als Anteil am Wareneinsatz. Viele Betriebe sind schockiert über die Zahlen — das Messen allein führt oft schon zu 15–20 % Reduktion, weil das Bewusstsein steigt.

Welche Gesetze zum Food Waste gibt es in Deutschland?

Die EU-Abfallrahmenrichtlinie (in Kraft seit Oktober 2025) verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung um 30 % zu reduzieren. Deutschland hat eine Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (überarbeitet 2025), bisher ohne verbindliche Vorgaben für einzelne Betriebe. Aber: Große Einzelhändler (ab 400 m²) müssen bereits quartalsweise über Lebensmittelabfälle berichten — eine Ausweitung auf die Gastronomie ist absehbar. In der Schweiz gelten seit Februar 2025 neue Pflichten zur Lebensmittelweitergabe.

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