Finanzplan Gastro-Gründung: Was Sie wirklich brauchen — und woher das Geld kommt
In Deutschland haben zwischen 2020 und 2023 rund 48.000 Gastronomiebetriebe geschlossen. 2024 kamen 1.190 Insolvenzen hinzu — 30 % mehr als im Vorjahr. Das klingt nach einer Branche, in der man besser nicht gründet.
Und trotzdem tun es jedes Jahr Tausende. Weil sie kochen können, weil sie eine Idee haben, weil sie von der eigenen Küche träumen. Die Leidenschaft ist da. Was oft fehlt, ist der Finanzplan.
Nicht der Businessplan mit hübschen Grafiken für die Bank. Sondern die ehrliche Rechnung: Was kostet es wirklich? Wie lange dauert es, bis der Laden sich trägt? Und was passiert, wenn die Umsätze im ersten Jahr bei 60 % der Prognose liegen? Einen umfassenden Überblick über alle Kosten einer Existenzgründung in der Gastronomie finden Sie im separaten Ratgeber.
Was eine Gastro-Gründung wirklich kostet
Investitionskosten — die einmaligen Ausgaben
| Position | Kleines Bistro (30 Plätze) | Restaurant (80 Plätze) | Café (40 Plätze) |
|---|---|---|---|
| Kaution + Maklerprovision | 5.000–15.000 € | 15.000–40.000 € | 8.000–20.000 € |
| Umbau/Renovierung | 15.000–40.000 € | 40.000–120.000 € | 20.000–50.000 € |
| Küchenausstattung | 15.000–30.000 € | 40.000–80.000 € | 10.000–25.000 € |
| Mobiliar (Gastraum) | 5.000–15.000 € | 15.000–40.000 € | 8.000–20.000 € |
| Kassensystem + IT | 2.000–5.000 € | 5.000–10.000 € | 2.000–5.000 € |
| Genehmigungen + Anmeldung | 1.000–3.000 € | 2.000–5.000 € | 1.000–3.000 € |
| Erstausstattung (Geschirr, Besteck, Wäsche) | 2.000–5.000 € | 5.000–15.000 € | 2.000–5.000 € |
| Marketing (Eröffnung) | 2.000–5.000 € | 5.000–10.000 € | 2.000–5.000 € |
| Investition gesamt | 47.000–118.000 € | 127.000–320.000 € | 53.000–133.000 € |
Laufende Kosten — der Monat, der sich wiederholt
| Position | Anteil am Umsatz | Kleines Bistro | Restaurant | Café |
|---|---|---|---|---|
| Miete + Nebenkosten | 8–15 % | 2.000–4.000 € | 4.000–10.000 € | 2.500–5.000 € |
| Wareneinsatz | 25–35 % | 3.500–5.000 € | 8.000–18.000 € | 3.000–6.000 € |
| Personal | 30–40 % | 4.000–6.000 € | 12.000–25.000 € | 4.000–8.000 € |
| Versicherungen | 1–2 % | 300–500 € | 500–1.200 € | 300–500 € |
| Marketing (laufend) | 2–4 % | 300–500 € | 500–1.500 € | 300–600 € |
| Energie | 5–8 % | 800–1.200 € | 1.500–3.500 € | 600–1.200 € |
| Sonstiges (Reparaturen, Verbrauchsmaterial) | 2–4 % | 300–600 € | 800–2.000 € | 300–600 € |
| Monatliche Kosten | 11.200–17.800 € | 27.300–61.200 € | 11.000–21.900 € |
Ob diese Kostenanteile im laufenden Betrieb stimmen, sehen Sie an Ihrer BWA (Betriebswirtschaftlichen Auswertung) — dem monatlichen Finanz-Check, den Ihr Steuerberater erstellt. Und ob Ihre Raumkosten tragbar sind, hängt davon ab, was genau in Ihrem Pacht- oder Mietvertrag steht.
Die Betriebsmittelreserve — der vergessene Posten
Hier scheitern die meisten. Die Investition steht, die Eröffnung war ein Erfolg — und nach drei Monaten geht das Geld aus, weil der laufende Betrieb mehr kostet als geplant.
Faustregel: Mindestens 3 Monatskosten als Reserve. Besser: 6 Monate.
| Konzept | Monatliche Kosten | Reserve (3 Monate) | Reserve (6 Monate) |
|---|---|---|---|
| Kleines Bistro | 15.000 € | 45.000 € | 90.000 € |
| Restaurant | 40.000 € | 120.000 € | 240.000 € |
| Café | 15.000 € | 45.000 € | 90.000 € |
Fördermittel und Finanzierung — was es gibt
Einen ausführlichen Ratgeber zu Kreditarten, Bankgespräch und Bürgschaftsbanken finden Sie im separaten Finanzierungsleitfaden.
Deutschland
| Programm | Betrag | Zinssatz | Eigenkapital | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| ERP-Gründerkredit StartGeld | Bis 125.000 € | Ab 1,87 % | Nicht erforderlich | COSME-Garantie, über Hausbank |
| ERP-Kapital für Gründung | Bis 500.000 € | Ab 0,40 % | 10 % | Für 50 % des Finanzbedarfs |
| Gründerzuschuss (Agentur f. Arbeit) | ALG + 300 €/Monat | — | — | Nur bei Gründung aus Arbeitslosigkeit |
| KfW-Förderkredit Digitalisierung | Kein Mindestbetrag | Variabel | — | Seit Juli 2025, bis 5 % Zuschuss |
| Mikrokreditfonds Deutschland | Bis 25.000 € | Ca. 6–8 % | Nicht erforderlich | Für Kleingründungen, ohne Bankweg |
Österreich
| Programm | Betrag | Zinssatz | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| AWS ERP-Kleinkredit | 10.000–300.000 € | 0,5 % (1. Jahr), dann 0,75 % | 6 Jahre Laufzeit |
| Tourismus-Jungunternehmerförderung | Bis 500.000 € Investitionskosten | — | Zuschuss, nicht Kredit |
| Wien Wirtschaftsagentur | Bis 75.000 € pro Projekt | — | Für Wiener Gründungen |
Die Genehmigungskosten im Detail
Was viele Gründer vergessen — die Bürokratie kostet:
| Genehmigung/Anmeldung | Kosten | Dauer |
|---|---|---|
| Gewerbeschein | 50–400 € | 1–2 Wochen |
| Gaststättenkonzession | 500–3.000 € | 4–12 Wochen |
| Schanklizenz | 100–1.000 € | 2–4 Wochen |
| Gesundheitszeugnis (IHK) | 25–35 € | 1 Tag |
| GEMA-Anmeldung (Musik) | 150–500 €/Jahr | 2–4 Wochen |
| Sperrzeitverlängerung | 100–500 € | 4–8 Wochen |
| Bauaufsichtliche Abnahme | 200–1.000 € | 2–6 Wochen |
| Gesamt | 1.125–5.735 € |
Die Umsatzplanung — ehrlich rechnen
Der häufigste Fehler
Gründer rechnen mit 80 % Auslastung ab Monat drei. Die Realität:
| Zeitraum | Typische Auslastung (Neueröffnung) | Umsatz vs. Zielwert |
|---|---|---|
| Monat 1–3 | 30–50 % | 40–60 % |
| Monat 4–6 | 40–60 % | 55–75 % |
| Monat 7–12 | 50–70 % | 65–85 % |
| Jahr 2 | 60–80 % | 80–100 % |
| Jahr 3+ | 65–85 % | Zielwert möglich |
So rechnen Sie konservativ
Beispiel: Restaurant, 80 Plätze, Ø-Bon 28 €
Maximale Kapazität:
80 Plätze × 1,5 Umschlag × 28 € × 30 Tage = 100.800 €/Monat
Konservative Planung (55 % Auslastung, 26 Tage):
80 × 1,5 × 28 € × 26 × 55 % = 48.048 €/Monat
Davon Speisen (75 %, seit 2026 mit 7 % MwSt.):
36.036 € brutto → 33.678 € netto
Davon Getränke (25 %, weiterhin 19 % MwSt.):
12.012 € brutto → 10.094 € netto
Nettoumsatz gesamt: 43.772 €/Monat
Wichtig seit 2026: Die dauerhafte 7 % MwSt. auf Speisen verbessert den Nettoumsatz erheblich. Gegenüber der 19-%-Berechnung sind das bei 36.000 € Bruttoumsatz Speisen rund 3.600 € mehr Nettoumsatz pro Monat. Das verändert die Gesamtkalkulation spürbar — aber es ändert nichts an der Anlaufphase.
Saisonalität einplanen
| Monat | Umsatzfaktor (Durchschnitt = 1,0) | Typisch für |
|---|---|---|
| Januar–Februar | 0,70–0,80 | Tiefsaison, Sparverhalten nach Weihnachten |
| März–April | 0,85–0,95 | Frühling, Ostern |
| Mai–Juni | 1,05–1,20 | Biergarten, Außengastro, Feiertage |
| Juli–August | 0,90–1,15 | Ferienzeit (standortabhängig) |
| September–Oktober | 1,00–1,15 | Herbst, Oktoberfest, Events |
| November | 0,80–0,90 | Übergangsmonat |
| Dezember | 1,20–1,40 | Weihnachtsfeiern, Silvester |
Liquiditätsplanung — wann das Geld knapp wird
Die kritische Phase: Monat 4 bis 8
Die Eröffnungseuphorie ist vorbei, aber die Stammkunden sind noch nicht da. In dieser Phase verbrennen die meisten Betriebe Geld.
| Monat | Einnahmen (konservativ) | Ausgaben (fix + variabel) | Ergebnis | Kumuliert |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 25.000 € | 42.000 € | –17.000 € | –17.000 € |
| 2 | 30.000 € | 40.000 € | –10.000 € | –27.000 € |
| 3 | 35.000 € | 40.000 € | –5.000 € | –32.000 € |
| 4 | 38.000 € | 40.000 € | –2.000 € | –34.000 € |
| 5 | 40.000 € | 40.000 € | ±0 € | –34.000 € |
| 6 | 42.000 € | 40.000 € | +2.000 € | –32.000 € |
In diesem Beispiel ist der Break-even in Monat 5 — aber das kumulierte Minus beträgt 34.000 €. Dieses Geld muss vorfinanziert sein. Wer nur 20.000 € Reserve hat, geht in Monat 3 das Geld aus.
Das Bankgespräch — was überzeugt
Was die Bank sehen will
| Element | Was die Bank beeindruckt | Was die Bank abschreckt |
|---|---|---|
| Branchenerfahrung | 3+ Jahre in der Gastro gearbeitet | Keine Gastro-Erfahrung |
| Eigenkapital | 20–30 % der Investition | Unter 10 % |
| Umsatzplanung | Konservativ mit Worst-Case-Szenario | ”80 % Auslastung ab Monat 1” |
| Standortanalyse | Frequenzmessung, Wettbewerbsanalyse | ”Tolle Lage” ohne Daten |
| Konzept | Klare Zielgruppe, klarer USP | ”Für alle etwas” |
| Sicherheiten | Immobilien, Bürgschaften, Lebensversicherung | Keine |
Der realistische Finanzierungsmix
| Quelle | Anteil | Beispiel (200.000 € Investition) |
|---|---|---|
| Eigenkapital | 20–30 % | 40.000–60.000 € |
| KfW-Förderkredit | 30–40 % | 60.000–80.000 € |
| Bankkredit (Hausbank) | 20–30 % | 40.000–60.000 € |
| Förderzuschüsse | 5–10 % | 10.000–20.000 € |
| Lieferantenkredit (Küchenausstattung) | 5–15 % | 10.000–30.000 € |
Die vier teuersten Gründungsfehler
1. Zu viel in den Ausbau, zu wenig in die Reserve
Das Fitnessstudio-Syndrom: Alles glänzt, aber nach sechs Monaten ist das Konto leer. Investieren Sie 60 % in die Einrichtung und 40 % in Betriebsmittel — nicht umgekehrt. Wer zum Beispiel ein Café eröffnen will, braucht oft weniger Küchenausstattung — aber genauso viel Betriebsmittelreserve.
2. Keine Pufferzeiten einplanen
Die Genehmigung dauert drei Wochen länger. Der Umbau vier Wochen. Die Küche wird zwei Wochen später geliefert. Jede Verzögerungswoche kostet Miete, ohne dass ein Euro reinkommt.
Tipp: Planen Sie 2 Monate Puffer zwischen Mietbeginn und Eröffnung ein. Wie genau ein Pacht- oder Mietvertrag funktioniert — und welche Klauseln Ihnen bei Verzögerungen helfen — lesen Sie in unserem Ratgeber dazu.
3. Personalkosten unterschätzen
Nicht nur Bruttolöhne — rechnen Sie mit dem Faktor 1,3 bis 1,5 für Lohnnebenkosten. Ein Koch mit 3.200 € brutto kostet Sie 4.160–4.800 € im Monat. Dazu kommen Urlaub, Krankheit, Feiertage. Eine detaillierte Aufschlüsselung finden Sie im Ratgeber zu Personalkosten in der Gastronomie.
4. Die eigenen Lebenshaltungskosten vergessen
Sie gründen — und verdienen erstmal nichts. Mindestens 6–12 Monate kein Unternehmergehalt ist realistisch. Sind Ihre privaten Kosten (Miete, Versicherung, Lebenshaltung) in dieser Zeit gedeckt?
Diese Woche noch umsetzen
- Schreiben Sie alle Investitionskosten einzeln auf — nicht “Küchenausstattung”, sondern jedes Gerät mit geschätztem Preis
- Berechnen Sie Ihre monatlichen Fixkosten (Miete, Personal, Versicherung) — das ist Ihr monatliches Minimum
- Erstellen Sie eine konservative Umsatzplanung: 50 % Auslastung für die ersten 6 Monate
- Prüfen Sie die KfW-Förderprogramme unter kfw.de — der ERP-Gründerkredit StartGeld ist der einfachste Einstieg
- Rechnen Sie Ihre Liquiditätsreserve aus: Wie viele Monate können Sie die Fixkosten tragen, wenn der Umsatz bei 50 % liegt?
- Vereinbaren Sie ein erstes Gespräch mit Ihrer Hausbank — unverbindlich, aber mit konkreten Zahlen
KitchenCost berechnet den Wareneinsatz pro Rezept — und das ist die Grundlage jeder Umsatzplanung. Wer vor der Gründung weiß, was jedes Gericht in der Herstellung kostet, plant den Verkaufspreis richtig und die Marge realistisch. Rezepte anlegen, Zutatenpreise eingeben, Marge prüfen — bevor der erste Gast bestellt. Kostenlos im App Store.