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Gastronomie finanzieren: Kredit, Eigenkapital und welche Sicherheiten die Bank wirklich will

Gastronomie-Finanzierung realistisch erklärt: Wie viel Eigenkapital Sie brauchen, welche Kredite es gibt, was die KfW bietet und warum Banken Gastronomen skeptisch sehen.

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Gastronomie finanzieren: Kredit, Eigenkapital und welche Sicherheiten die Bank wirklich will

Sie haben das Konzept. Sie haben den Standort. Sie haben die Erfahrung. Was Ihnen fehlt, sind 120.000 €.

Willkommen im schwierigsten Teil der Gastronomie-Gründung. Nicht die Speisekarte, nicht das Personal, nicht die Genehmigungen — das Geld. Denn Banken haben ein ganz bestimmtes Bild von der Gastronomie, und das sieht so aus: Hohe Insolvenzquote, niedrige Margen, saisonabhängig, inhaberabhängig. Nicht gerade der Traum-Kreditnehmer.

Trotzdem werden jeden Tag in Deutschland Restaurants eröffnet, Cafés gegründet, Food Trucks finanziert. Die, die es schaffen, machen drei Dinge anders: Sie kennen ihre Zahlen. Sie wissen, welche Fördertöpfe es gibt. Und sie verstehen, was die Bank wirklich sehen will.

Was die Bank über die Gastronomie denkt — und warum

Bevor Sie zum Bankgespräch gehen, müssen Sie verstehen, gegen welches Bild Sie antreten:

Was die Bank siehtDie RealitätIhre Aufgabe
Insolvenzquote Gastro: ca. 30 % in 3 JahrenStimmt — aber nur bei unzureichender PlanungZeigen Sie, dass Sie die Risiken kennen und kalkuliert haben
Niedrige Margen (5–10 % Nettoergebnis)Stimmt — aber ausreichend bei solider KalkulationLegen Sie einen realistischen Finanzplan vor, keine Traumzahlen
InhaberabhängigStimmt — der Betrieb läuft nur, wenn Sie da sindZeigen Sie Ihre Branchenerfahrung und ein Team-Konzept
SaisonabhängigTeilweise — je nach BetriebsartLiquiditätsplan mit Monatsauflösung, der Saisonschwankungen abbildet

Wie viel Geld brauchen Sie wirklich?

Viele Gründer unterschätzen den Kapitalbedarf. Nicht bei der Einrichtung — die können die meisten gut schätzen. Sondern beim Betriebsmittel, also dem Geld, das Sie brauchen, bis der Laden läuft.

Investitionsbedarf nach Betriebsart

BetriebsartEinrichtung & UmbauErstausstattungBetriebsmittel (6 Monate)Gesamt
Imbiss15.000–40.000 €5.000–15.000 €10.000–20.000 €30.000–75.000 €
Food Truck30.000–80.000 € (Fahrzeug)5.000–15.000 €8.000–15.000 €43.000–110.000 €
Café30.000–80.000 €10.000–25.000 €15.000–30.000 €55.000–135.000 €
Restaurant (50–80 Plätze)60.000–180.000 €15.000–40.000 €20.000–50.000 €95.000–270.000 €
Gehobenes Restaurant120.000–400.000 €30.000–80.000 €30.000–80.000 €180.000–560.000 €

Der vergessene Posten: Betriebsmittel

Das ist das Geld, das Sie brauchen, um die ersten Monate zu überleben. Miete, Personal, Wareneinkauf, Versicherungen — bevor der erste Euro Umsatz fließt.

Monat nach EröffnungTypischer Umsatz (% vom Zielwert)Deckungslücke
Monat 130–50 %Hoch — Sie brauchen Reserven
Monat 2–350–70 %Noch negativ oder knapp null
Monat 4–670–90 %Langsam Richtung Breakeven
Ab Monat 780–100 %Sollte stabil sein

Planen Sie mindestens 6 Monate Betriebsmittel ein. Wer nach 3 Monaten kein Geld mehr hat, muss den günstigsten Lieferanten nehmen statt den besten — und das merkt man im Essen.

Die Finanzierungsbausteine

Baustein 1: Eigenkapital

Eigenkapital-AnteilWirkung auf KreditkonditionenWirkung auf Genehmigung
0–10 %Zinsen +1–2 % über Normalzins, wenn überhauptSehr schwer — Bürgschaftsbank fast Pflicht
10–20 %Normalzins möglich, aber Bank verlangt SicherheitenMachbar mit gutem Konzept und Erfahrung
20–30 %Gute Konditionen, VerhandlungsspielraumGute Chancen
Über 30 %Beste Konditionen, Bank kommt auf Sie zuSehr gute Chancen

Was als Eigenkapital zählt:

  • Bargeld und Sparguthaben (eindeutig)
  • Wertpapiere, Bausparverträge (werden mit 60–80 % des Werts angerechnet)
  • Eigene Geräte, die Sie einbringen (Zeitwert, oft konservativ bewertet)
  • Eigenleistung beim Umbau (wird angerechnet, aber nur mit Nachweis)

Was nicht als Eigenkapital zählt:

  • Zugesagte Unterstützung von Familie ohne schriftliche Vereinbarung
  • Einnahmen, die Sie „erwarten” (z. B. aus dem zukünftigen Betrieb)
  • Kreditkarten-Rahmen oder Dispo

Baustein 2: KfW-Förderkredite

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet zwei Programme für Gastro-Gründer:

ProgrammMax. BetragHaftungsfreistellungBesonderheit
ERP-Gründerkredit StartGeld125.000 €80 % für die HausbankFür Gründer und Jungunternehmer (< 5 Jahre). Kein eigenes Sicherheitserfordernis an die Bank.
ERP-Kapital für Gründung500.000 €Bis 100 % nachrangigEigenkapital-ähnlich — stärkt Ihre Bilanz. 7 Jahre Laufzeit, 15 Jahre bei Immobilien.

Was „80 % Haftungsfreistellung” bedeutet: Wenn Sie den Kredit nicht zurückzahlen können, trägt die KfW 80 % des Ausfalls. Die Hausbank riskiert nur 20 %. Das ist der Grund, warum die Bank Ihnen mit KfW-Kredit zustimmt, ohne KfW aber nicht.

Wie Sie den KfW-Kredit beantragen:

  1. Businessplan erstellen (mit Finanzplan)
  2. Zur Hausbank gehen — KfW vergibt nicht direkt
  3. Hausbank prüft und beantragt bei der KfW
  4. Genehmigung dauert 2–4 Wochen
  5. Auszahlung über die Hausbank

Wichtig: Kein Geld ausgeben, bevor der Kredit genehmigt ist. Die KfW fördert keine rückwirkenden Investitionen.

Baustein 3: Bürgschaftsbank

Wenn Sie nicht genug Sicherheiten haben, springt die Bürgschaftsbank Ihres Bundeslandes ein. Sie übernimmt eine Bürgschaft gegenüber der Hausbank — typischerweise 60–80 % des Kreditbetrags.

MerkmalDetail
BürgschaftshöheBis 80 % des Kreditbetrags, max. 1,25 Mio. €
Kosten1,0–1,5 % des Bürgschaftsbetrags pro Jahr
Bearbeitungsgebühr1 % einmalig
VorteilSie brauchen keine privaten Sicherheiten (Haus, Grundschuld)
NachteilDie Bürgschaft kostet zusätzlich — bei 100.000 € Bürgschaft ca. 1.000–1.500 €/Jahr

Rechenbeispiel:

PositionBetrag
Gesamtinvestition150.000 €
Eigenkapital (20 %)30.000 €
Kredit120.000 €
Davon Bürgschaft (70 %)84.000 €
Bürgschaftsgebühr (1,2 %/Jahr)1.008 €/Jahr = 84 €/Monat
Kreditrate (6 %, 10 Jahre)1.332 €/Monat
Monatliche Gesamtbelastung1.416 €/Monat

Baustein 4: Mikrokredite

Für kleinere Beträge — Imbiss-Gründung, Geräte-Nachrüstung, erste Warenbefüllung:

AnbieterMax. BetragLaufzeitZinsenBesonderheit
Mikrokreditfonds Deutschland25.000 €4 Jahre7–8 %Keine Sicherheiten nötig, aber Bürge erforderlich
GLS Bank50.000 €5–7 Jahre5–7 %Nachhaltigkeitsfokus, passt zu Bio-/Regionalkonzepten
Crowdfunding (Startnext, Kickstarter)Variabel0 % (Vorverkauf)Funktioniert für Konzepte mit Community-Appeal

Was der Kredit in Ihrer Kalkulation bedeutet

Kreditkosten sind fixe Gemeinkosten. Sie müssen in jedem Verkaufspreis stecken — wie Miete und Personal.

Rechenbeispiel: 120.000 € Kredit, 10 Jahre, 6 %

KennzahlWert
Monatliche Rate1.332 €
Davon Zinsen (Ø über Laufzeit)ca. 550 €/Monat
Davon Tilgungca. 782 €/Monat
Anteil am Umsatz (bei 35.000 € Monatsumsatz)3,8 %

Diese 3,8 % fehlen Ihnen bei jeder Preiskalkulation, wenn Sie sie nicht einrechnen. Bei einer Wareneinsatzquote von 28 % und Personalkosten von 35 % bleiben ohne Kreditkosten noch 37 % für Miete, Gemeinkosten und Gewinn. Mit Kreditkosten nur noch 33,2 %.

Das Bankgespräch: Was Sie mitbringen müssen

UnterlageWas die Bank damit machtWie gut muss es sein?
Businessplan (3–5 Seiten)Konzept verstehen, Markt einschätzenKurz, klar, realistisch — keine Marketing-Broschüre
Lebenslauf mit BranchenreferenzPrüft Ihre QualifikationGastronomie-Erfahrung ist fast Pflicht. Quereinsteiger brauchen einen erfahrenen Partner.
Rentabilitätsvorschau (3 Jahre)Prüft, ob der Laden Gewinn abwirftRealistisch! Nicht 100 % Auslastung ab Monat 1.
Liquiditätsplan (12 Monate, monatsgenau)Prüft, ob Sie die Raten zahlen könnenZeigen Sie, dass Sie auch schwache Monate überleben
InvestitionsplanWas kostet was? Angebote beilegen.Konkrete Angebote von Lieferanten — nicht „ca. 30.000 €“
StandortanalyseLaufkundschaft, Wettbewerb, ErreichbarkeitFotos, Frequenzmessung, Wettbewerber-Karte
Schufa-AuskunftPrüft Ihre KreditwürdigkeitHolen Sie sie vorher selbst (meineschufa.de), Überraschungen vermeiden

Die drei Fragen, die jeder Bankberater stellt

  1. „Wie viel verdienen Sie nach einem Jahr?” → Haben Sie die Antwort parat. Nicht „hoffentlich genug”, sondern: „Bei 30.000 € Monatsumsatz und meiner Kostenstruktur bleiben 2.800 € Ergebnis vor Steuern — das sind 9,3 %.”

  2. „Was passiert, wenn der Umsatz 30 % unter Plan bleibt?” → Zeigen Sie einen Worst-Case-Plan. Welche Kosten können Sie kürzen? Wie lange reichen die Reserven?

  3. „Warum gerade Gastronomie?” → Branchenerfahrung schlägt jede PowerPoint. Wenn Sie fünf Jahre als Küchenchef gearbeitet haben, ist das mehr wert als ein MBA.

Typische Fehler bei der Gastronomie-Finanzierung

FehlerKonsequenzVermeidung
Zu wenig Eigenkapital → alles auf KreditHohe monatliche Belastung, kein PufferMin. 20 %, besser 30 % ansparen
Betriebsmittel vergessenNach 3 Monaten kein Geld für Wareneinkauf6 Monate Betriebsmittel einplanen
Nur eine Bank gefragtSie nehmen das erste Angebot, egal ob teuerMin. 3 Banken + KfW-Option prüfen
Kredit zu kurz gewähltHohe Raten, LiquiditätsengpassLaufzeit 10 Jahre, Sondertilgung vereinbaren
Privat gebürgt ohne LimitIm Worst Case: PrivatinsolvenzBürgschaft begrenzen, Bürgschaftsbank nutzen
KfW-Antrag nach InvestitionKfW fördert nicht rückwirkendErst Antrag, dann investieren

Diese Woche noch umsetzen

  • Gesamtinvestition realistisch berechnen: Umbau + Einrichtung + Erstausstattung + 6 Monate Betriebsmittel
  • Eigenkapital aufaddieren: Was haben Sie wirklich zur Verfügung? (Sparguthaben, Wertpapiere, Eigenleistung)
  • KfW-Förderprogramme prüfen: kfw.de/Gründen — passt das ERP-StartGeld?
  • Bürgschaftsbank Ihres Bundeslandes recherchieren — falls Eigenkapital unter 20 %
  • Rentabilitätsvorschau erstellen: Monatlicher Umsatz × 12, minus alle Kosten — bleibt Gewinn?

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel Eigenkapital braucht man für ein Restaurant?

Die Faustregel der Banken: mindestens 20 % der Gesamtinvestition, besser 30 %. Bei einer Gesamtinvestition von 150.000 € wären das 30.000–45.000 €. Manche Banken akzeptieren auch 15 %, wenn Sie einen überzeugenden Businessplan, Branchenerfahrung und zusätzliche Sicherheiten (z. B. Bürgschaft, Lebensversicherung) vorweisen können. Ohne jedes Eigenkapital wird es sehr schwer — nicht unmöglich (Bürgschaftsbank als Ersatz), aber die Konditionen sind deutlich schlechter und die Ablehnungsquote liegt bei über 70 %.

Welche Kredite gibt es für die Gastronomie-Gründung?

Drei Hauptwege: 1) KfW-Kredit (ERP-Gründerkredit Startgeld bis 125.000 €, 80 % Haftungsfreistellung für die Hausbank, aktuell ab ca. 4,5 % effektiv). 2) Hausbank-Kredit (Investitionskredit mit 5–15 Jahren Laufzeit, Zinsen je nach Bonität 5–9 %). 3) Bürgschaftsbank Ihres Bundeslandes (übernimmt bis zu 80 % der Bürgschaft, wenn Sie keine Sicherheiten haben). Dazu kommen Mikrokredite bis 25.000 € (z. B. Mikrokreditfonds Deutschland) und Betriebsmittelkredite für laufende Kosten (Kontokorrent, 8–14 % Zinsen). Mischen Sie idealerweise KfW + Hausbank + Eigenkapital.

Wie überzeuge ich die Bank von meinem Gastronomie-Konzept?

Drei Dinge zählen mehr als alles andere: 1) Branchenerfahrung — wer nie in der Gastronomie gearbeitet hat, bekommt selten einen Kredit. 2) Ein durchgerechneter Finanzplan mit realistischen Umsatzprognosen, nicht mit Wunschzahlen. 3) Eigenkapital, das zeigt, dass Sie selbst an Ihr Konzept glauben. Konkret: Bringen Sie einen dreiseitigen Businessplan (kein 40-Seiten-Monster), eine Rentabilitätsvorschau für 3 Jahre, einen Liquiditätsplan und Ihren Lebenslauf mit Branchenbezug. Und: Kennen Sie Ihre Zahlen auswendig — Wareneinsatzquote, Personalkostenannteil, Breakeven-Punkt.

Was kostet ein Gastronomie-Kredit monatlich?

Beispielrechnung: 100.000 € Kredit, 10 Jahre Laufzeit, 6 % Zinsen effektiv. Monatliche Rate: ca. 1.110 €. Davon sind im ersten Jahr rund 500 € Zinsen und 610 € Tilgung. Über die gesamte Laufzeit zahlen Sie rund 33.000 € Zinsen — das ist Geld, das in Ihrer Kalkulation als fixe Gemeinkosten auftauchen muss. Bei einem KfW-Kredit mit 4,5 % sinkt die Rate auf ca. 1.038 € und die Gesamtzinsen auf rund 24.500 €. Der Unterschied: 8.500 € über 10 Jahre — deshalb lohnt sich der Weg über die KfW fast immer.

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