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Energiekosten in der Gastronomie senken: Wo Ihr Geld wirklich versickert

Strom, Gas und Wasser in der Gastronomie — welche Geräte am meisten fressen, was sich sofort ändern lässt und wie Energiekosten in die Rezeptkalkulation einfließen.

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Energiekosten in der Gastronomie senken: Wo Ihr Geld wirklich versickert

Montag, 6:30 Uhr. Der Koch kommt, schaltet als Erstes den Kombidämpfer ein. Dann den Herd. Dann die Fritteuse. Alles auf Maximum, Vorheizen. Mittagsservice ist um 11:30. In den vier Stunden dazwischen laufen drei Großgeräte auf voller Leistung, ohne dass ein einziges Gericht zubereitet wird.

Das sind — je nach Gerätepark — 8 bis 15 kWh. Jeden Morgen. Bei 0,35 €/kWh macht das 2,80–5,25 € pro Morgen, 73–137 € pro Monat. Nur durch zu frühes Einschalten.

Und das ist nur einer von vielen Energiefressern, die niemand auf dem Schirm hat. Denn während jeder Gastronom seine Wareneinsatzquote kennt und die Personalkosten im Blick hat, sind Energiekosten der blinde Fleck der Branche. Sie stehen irgendwo in der BWA unter „sonstige Betriebskosten” — und werden selten hinterfragt.

Was Energie in der Gastronomie wirklich kostet

Die Zahlen im Überblick

KennzahlWertKontext
Durchschnittlicher Verbrauch200–300 kWh/m²/Jahr3–5× mehr als ein Büro
Anteil am Umsatz4–8 % des NettoumsatzesWar vor 2022 bei 3–5 %, seitdem gestiegen
Strompreis Gewerbe (2026)0,30–0,40 €/kWhJe nach Vertrag und Region
Gaspreis Gewerbe (2026)0,08–0,14 €/kWhWieder unter dem Krisenniveau, aber über 2019
Jährliche Kosten (Beispiel 200 m²)20.000–40.000 €Stark abhängig von Geräteausstattung und Verhalten

Wo die Energie hinfließt

BereichAnteil am GesamtverbrauchTypische Monatskosten (200-m²-Restaurant)
Küche (Kochen, Backen, Braten)50–60 %1.000–1.800 €
Kühlung (Kühlschränke, Kühlzelle, Tiefkühler)20–25 %400–750 €
Spülen (Geschirrspüler, Gläserspüler)8–12 %160–360 €
Lüftung und Klimatisierung8–12 %160–360 €
Beleuchtung5–8 %100–240 €
Sonstiges (Kaffeemaschine, Eismaschine, Musik)3–5 %60–150 €

Die Erkenntnis: Über 70 % der Energiekosten entstehen in der Küche und bei der Kühlung. Wer dort ansetzt, bewegt den größten Hebel.

Die größten Energiefresser — und was sie kosten

Gerät für Gerät durchgerechnet

GerätLeistung (kW)Typische Laufzeit/TagVerbrauch/Tag (kWh)Kosten/Monat (bei 0,35 €/kWh)
Kombidämpfer15–40 kW4–8 h15–45137–410 €
Herd (6 Platten, Induktion)12–20 kW5–8 h12–25109–228 €
Fritteuse (2 Becken)6–12 kW3–6 h8–1573–137 €
Geschirrspüler (Haubenmaschine)8–15 kW3–5 h6–1255–109 €
Salamander/Grill4–8 kW4–6 h5–1046–91 €
Kühlzelle (begehbar)1–3 kW24 h (Kompressor: 8–12 h)4–1036–91 €
Tiefkühltruhe0,5–1,5 kW24 h (Kompressor: 6–10 h)2–518–46 €
Kaffeevollautomat2–4 kW8–12 h (Standby: ~0,1 kW)2–418–36 €

Der Kombidämpfer: König und Kostenfalle zugleich

Der Kombidämpfer ist das wichtigste Gerät in der modernen Großküche — und der größte Stromfresser. Ein 20-kW-Gerät auf voller Last verbraucht pro Stunde Strom für 7 Euro.

Drei Dinge, die sofort Geld sparen:

  1. Später einschalten. Aufheizzeit eines modernen Kombidämpfers: 8–15 Minuten. Trotzdem schalten viele Köche ihn Stunden vor dem Service ein. Jeden Tag 2 Stunden weniger Leerlauf = 40–80 € weniger im Monat.

  2. Tür geschlossen halten. Jedes Öffnen der Tür lässt 20–30 % der Hitze entweichen. Der Kompressor muss nachheizen. Bei 10 Türöffnungen pro Stunde summiert sich das auf 5–10 % Mehrverbrauch.

  3. Voll beladen. Ein halb beladener Kombidämpfer verbraucht fast genauso viel wie ein voller. Gerichte zusammenlegen, Garzeiten koordinieren. Ein gut organisierter Garzeitplan spart 15–25 % Energie.

Kühlung: 24 Stunden, 365 Tage

Kühlgeräte laufen immer — deshalb ist Effizienz hier besonders wichtig. Und deshalb amortisieren sich neue Kühlgeräte schneller als jedes andere Gerät in der Küche.

Die häufigsten Kühlungsfehler

FehlerMehrverbrauchWas es kostet (pro Monat)
Türdichtung defekt oder verschmutzt+15–25 %+50–150 €
Kühlzelle auf 2 °C statt 5 °C eingestellt+10–15 %+30–90 €
Warme Speisen direkt in die Kühlung+5–10 % pro Vorgang+20–60 €
Kondensator/Wärmetauscher verstaubt+15–30 %+50–200 €
Lichtschalter in der Kühlzelle defekt (Licht brennt dauerhaft)+20–50 kWh/Monat+7–18 €
Keine Streifenvorhänge an der Kühlzellentür+10–20 %+30–120 €

Der einfachste Spareffekt: Kondensator alle 3 Monate reinigen. 15 Minuten Arbeit, 50–200 € Ersparnis im Monat. Das beste Verhältnis von Aufwand zu Wirkung in der gesamten Gastronomie.

Kühlgeräte-Check: Tauschen oder behalten?

GerätealterEmpfehlungBegründung
<5 JahreBehaltenEffizienz noch nah am Neuzustand
5–10 JahrePrüfenDichtungen und Kompressor checken, Verbrauch messen
10–15 JahreTauschen planenEnergieverbrauch oft 40–60 % über Neugeräteniveau
>15 JahreSofort tauschenAmortisation in 12–18 Monaten durch Energieeinsparung

Verhaltensänderungen: 0 € Investition, messbare Wirkung

Die günstigsten Maßnahmen kosten nichts — sie erfordern nur Konsequenz:

Küchenteam-Regeln für weniger Energieverbrauch

RegelErwartete EinsparungUmsetzung
Geräte erst einschalten, wenn sie gebraucht werden10–20 % bei KochgerätenZeitplan erstellen: „Kombidämpfer ab 10:00, Fritteuse ab 10:30”
Geräte nach dem Service sofort ausschalten5–10 %Checkliste am Küchenausgang (Abendroutine)
Herdplatten abschalten, die nicht genutzt werden5–8 % bei HerdenInduktion hat Vorteil: sofortige Reaktion, kein Vorheizen nötig
Kühlschranktür: öffnen, nehmen, schließen8–15 % bei KühlgerätenMise en Place vor dem Service komplett vorbereiten
Spülmaschine nur voll beladen starten15–25 % bei SpülmaschineSammeln statt einzeln spülen (außer Gläser in der Rush Hour)
Licht aus in leeren Räumen3–5 % gesamtBewegungsmelder in Lager und Personalräumen

Der Energie-Dienstplan

Erstellen Sie einen Einschaltplan wie einen Dienstplan — mit konkreten Zeiten:

06:30  Kühlzelle kontrollieren (läuft ohnehin)
09:30  Kaffeemaschine an
10:00  Kombidämpfer an (Vorheizen für Mittagsservice)
10:15  Herd an (Induktionsplatten: kein Vorheizen nötig)
10:30  Fritteuse an (braucht 10–15 Min. zum Aufheizen)
14:30  Fritteuse aus (wenn kein Nachmittagsservice)
14:30  Kombidämpfer aus (wenn Abendvorbereitung erst ab 16:00)
16:00  Kombidämpfer wieder an
16:30  Fritteuse wieder an
22:00  Alles aus bis auf Kühlgeräte
22:05  Abendroutine-Checkliste durchgehen

Investitionen, die sich rechnen

Schnelle Amortisation (unter 12 Monate)

MaßnahmeInvestitionErsparnis/MonatAmortisation
LED-Beleuchtung (Gastraum + Küche)500–2.000 €40–120 €4–17 Monate
Türdichtungen erneuern (alle Kühlgeräte)200–600 €50–150 €1–4 Monate
Streifenvorhang für Kühlzelle80–200 €30–120 €1–2 Monate
Zeitschaltuhren für Lüftung/Beleuchtung50–150 €20–60 €1–3 Monate
Wassersparventile (Spüle)30–80 €15–40 €1–2 Monate

Mittlere Amortisation (1–3 Jahre)

MaßnahmeInvestitionErsparnis/MonatAmortisation
Induktionsherd (statt Gas/Ceran)3.000–8.000 €100–250 €12–32 Monate
Neuer Geschirrspüler mit Wärmerückgewinnung4.000–8.000 €120–200 €20–40 Monate
Neuer Kombidämpfer (Energieklasse A)8.000–20.000 €150–350 €23–57 Monate

Was sich nicht rechnet

Nicht jede „grüne” Investition spart wirklich Geld:

  • Photovoltaik auf dem Restaurantdach: Sinnvoll nur bei Eigentum und großer Dachfläche. Bei Miete: Vermieter müsste zustimmen und investieren. Amortisation: 8–12 Jahre.
  • Wärmepumpe statt Gasheizung: Hohe Investition (15.000–30.000 €), sinnvoll nur bei Neubau oder Kernsanierung.
  • Smart-Home-Steuerung für die Küche: Klingt modern, spart aber selten mehr als 3–5 %. Der Energie-Dienstplan auf Papier ist billiger und genauso wirksam.

Energiekosten in die Kalkulation einrechnen

Die meisten Gastronomen kalkulieren Wareneinsatz + Personalkosten + Gewinnmarge. Energiekosten? Werden pauschal als Gemeinkosten verbucht. Das Problem: Gerichte mit langer Garzeit (Schmorgerichte, Sous-Vide) kosten deutlich mehr Energie als ein Salat — aber in der Kalkulation taucht das nicht auf.

Energiekosten pro Gericht berechnen

Schritt 1: Gerätekosten pro Stunde ermitteln

GerätLeistung (kW)Kosten/Stunde (bei 0,35 €/kWh)
Kombidämpfer20 kW (Durchschnittslast: ~12 kW)4,20 €
Fritteuse8 kW (Durchschnittslast: ~5 kW)1,75 €
Herdplatte (Induktion)3,5 kW1,23 €
Salamander4 kW1,40 €

Schritt 2: Energiekosten pro Portion

GerichtGerätGarzeitPortionen gleichzeitigEnergiekosten/Portion
Schnitzel (Fritteuse)Fritteuse8 Min.40,06 €
Pulled Pork (Kombidämpfer)Kombidämpfer6 h300,84 €
Risotto (Herdplatte)Herd25 Min.10,51 €
Crème brûlée (Kombidämpfer)Kombidämpfer45 Min.200,16 €
Salat (keine Garung)~0 €

Die Überraschung: Pulled Pork kostet 0,84 € Energie pro Portion — das sind bei einem Wareneinsatz von 3,50 € zusätzliche 24 %. Wer das in der Preiskalkulation ignoriert, verschenkt Marge. Bei 20 Portionen Pulled Pork am Tag sind das 16,80 € — im Monat über 400 €.

Förderprogramme und Zuschüsse

Die Bundesregierung und die Länder fördern Energieeffizienzmaßnahmen. Für Gastronomiebetriebe relevant:

ProgrammWas gefördert wirdZuschussBeantragung
BAFA — Energieberatung MittelstandProfessionelles Energieaudit80 % der Beratungskosten (max. 6.000 €)Vor Beginn der Beratung
KfW — Energieeffizienzkredit (295)Energieeffiziente Geräte, LED, DämmungZinsverbilligter Kredit + TilgungszuschussVor Bestellung/Beauftragung
Länder-Programme (variieren)Unterschiedlich je Bundesland10–30 % der InvestitionLandesförderbank

Wichtig: Alle Förderanträge müssen vor dem Kauf gestellt werden. Rückwirkende Förderung gibt es nicht. Wer also nächste Woche einen neuen Kombidämpfer braucht, sollte vorher prüfen, ob eine KfW-Förderung möglich ist.

In Österreich übernimmt die WKO Umweltförderung ähnliche Programme, in der Schweiz gibt es kantonale Förderprogramme über ProKilowatt.

Energieverbrauch messen und kontrollieren

Was man nicht misst, kann man nicht verbessern. Drei Messmethoden nach Budget:

MethodeKostenWas sie bringt
Monatliche Ablesung + Excel-Tabelle0 €Trends erkennen, saisonale Schwankungen verstehen
Zwischenzähler an Großgeräten30–80 € pro GerätVerbrauch pro Gerät messen, Ausreißer finden
Smart Meter mit Echtzeit-Dashboard200–500 € + 10–20 €/MonatSofort sehen, welches Gerät wie viel verbraucht

Praxistipp: Beginnen Sie mit der kostenlosen Variante. Tragen Sie jeden Monat den Zählerstand ein. Vergleichen Sie mit dem Vorjahresmonat und dem Umsatz. Wenn der Energieverbrauch steigt, obwohl der Umsatz gleich bleibt, haben Sie ein Problem — und wissen, dass Sie genauer hinschauen müssen.

Diese Woche noch umsetzen

  • Schreiben Sie die aktuellen Zählerstände (Strom und Gas) auf und beginnen Sie eine monatliche Tabelle
  • Erstellen Sie einen Einschaltplan für die Küche — welches Gerät wird wann eingeschaltet und wann ausgeschaltet?
  • Prüfen Sie alle Kühlschrank- und Kühlzelldichtungen: Klemmen Sie ein Blatt Papier ein und ziehen Sie es heraus. Rutscht es leicht raus, ist die Dichtung verschlissen
  • Reinigen Sie die Kondensatoren Ihrer Kühlgeräte (Rückseite oder Unterseite) — 15 Minuten Arbeit, oft 50–200 € Ersparnis pro Monat
  • Rechnen Sie Ihren Energiekostenanteil am Umsatz aus: letzte Strom- und Gasrechnung ÷ Monatsumsatz × 100. Liegt er über 6 %? Dann lohnt sich ein genauerer Blick

KitchenCost kalkuliert den Wareneinsatz pro Rezeptur — Zutat für Zutat. Wenn Sie wissen, was auf dem Teller liegt, können Sie die Gesamtkosten einschließlich Energie besser einschätzen. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sind die Energiekosten in der Gastronomie im Durchschnitt?

Gastronomische Betriebe verbrauchen durchschnittlich 200–300 kWh pro Quadratmeter und Jahr — drei- bis fünfmal so viel wie ein normales Büro. Die Energiekosten machen typisch 4–8 % des Nettoumsatzes aus. Für ein Restaurant mit 200 m² Gesamtfläche und 500.000 € Jahresumsatz bedeutet das 20.000–40.000 € pro Jahr allein für Strom und Gas. Rund 50–60 % davon entfallen auf die Küche, 20–25 % auf Kühlung, 10–15 % auf Beleuchtung und Lüftung.

Welches Küchengerät verbraucht in der Gastronomie am meisten Strom?

Der größte Einzelverbraucher ist der Kombidämpfer mit 15–45 kWh pro Tag bei Volllast — das sind 300–900 € pro Monat. Es folgen Fritteuse (8–15 kWh/Tag, 160–300 €/Monat), Geschirrspüler (6–12 kWh/Tag, 120–240 €/Monat) und Kühlzellen (4–10 kWh/Tag bei 24h-Betrieb, 80–200 €/Monat). Entscheidend ist aber nicht der Einzelverbrauch, sondern das Nutzungsverhalten: Ein Kombidämpfer, der morgens um 7 eingeschaltet wird, obwohl er erst um 11 gebraucht wird, verbraucht 4 Stunden Energie für nichts.

Lohnt sich der Wechsel auf energieeffiziente Geräte?

Ja, aber nur bei Geräten mit hoher Laufzeit. Ein neuer Kombidämpfer mit Energieeffizienzklasse A spart gegenüber einem 15 Jahre alten Gerät 30–40 % Strom — bei den aktuellen Strompreisen sind das 120–350 € pro Monat. Die Amortisation liegt bei 2–4 Jahren. Bei Kühlgeräten (24h-Betrieb) rechnet sich der Tausch noch schneller: 12–24 Monate. Bei einer Fritteuse, die nur 4 Stunden am Tag läuft, dauert die Amortisation dagegen 5–7 Jahre — hier lohnt sich eher Verhaltensänderung als Neuanschaffung.

Wie kann ich Energiekosten in die Rezeptkalkulation einrechnen?

Der einfachste Weg: Berechnen Sie die Energiekosten pro Betriebsstunde für Ihre Hauptgeräte (Jahresstromkosten des Geräts ÷ Betriebsstunden pro Jahr). Ein Kombidämpfer kostet ca. 2,50–4,00 € pro Stunde, eine Fritteuse 0,80–1,50 €. Wenn ein Gericht 20 Minuten im Kombidämpfer braucht und Sie 10 Portionen gleichzeitig garen, sind das 0,08–0,13 € Energiekosten pro Portion. Klingt wenig — aber bei einem Gericht mit 2,50 € Wareneinsatz sind das 3–5 % zusätzlich.

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