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Digitalisierung Gastronomie: Was es kostet, was es bringt — und wo Sie anfangen

Digitalisierung in der Gastronomie — Kassensystem, Warenwirtschaft, Reservierung im Vergleich. Kosten, ROI und KfW-Förderung 2026.

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Digitalisierung Gastronomie: Was es kostet, was es bringt — und wo Sie anfangen

Die Gastronomie ist eine der letzten Branchen, in der viele Betriebe noch mit Handzettelblöcken und Taschenrechner arbeiten. Nicht aus Sturheit — sondern weil der Alltag keine Zeit lässt für Technologie-Projekte. Zwischen Mise en Place, Mittagsservice und Abendgeschäft bleibt kein Fenster für “Digitalisierungsstrategie.”

Gleichzeitig steigt der Druck. Seit Januar 2026 müssen Kassensysteme die geteilte MwSt. (7 % auf Speisen, 19 % auf Getränke) korrekt abbilden. Die TSE-Pflicht läuft. Der Personalmangel wird schlimmer. Und die Margen sind so dünn, dass jede Effizienzsteigerung zählt — in einer Branche, die 2025 im sechsten Verlustjahr in Folge steckte.

Die drei Stufen der Gastro-Digitalisierung

Nicht jeder Betrieb braucht eine volldigitale Küche. Aber fast jeder Betrieb verschenkt Geld, weil grundlegende Prozesse noch analog laufen.

Stufe 1: Basis (ab 400 € + 30 €/Monat)

KomponenteWas es machtTypische Kosten
iPad-/Tablet-KasseBestellen, abrechnen, MwSt. automatisch30–80 €/Monat + Hardware 300–800 €
KartenleserEC-/Kreditkartenzahlung0–50 € einmalig, 1,2–2,6 % pro Transaktion
Cloud-BuchhaltungsexportDaten automatisch an SteuerberaterMeist im Kassensystem enthalten

ROI: Amortisation in 4–8 Wochen durch Zeitersparnis, weniger Fehler und saubere Steuerunterlagen.

Stufe 2: Mittelklasse (ab 2.000 € + 100 €/Monat)

KomponenteWas es machtTypische Kosten
Kassensystem mit TischmanagementTischzuweisung, Gangsteuerung, Split-Rechnung70–150 €/Monat + Hardware 800–2.500 €
Küchenmonitor (KDS)Bestellungen digital in die Küche500–1.000 € einmalig
ReservierungssystemOnline-Reservierung, No-Show-Management30–80 €/Monat
RezeptkalkulationWareneinsatz pro Gericht berechnen0–50 €/Monat

ROI: 15–25 % weniger Servicezeit pro Bestellung, über 40 % mehr Getränkeumsatz in der Außengastronomie (durch mobile Bestellung), deutlich weniger No-Shows.

Stufe 3: Volldigital (ab 5.000 € + 200 €/Monat)

KomponenteWas es machtTypische Kosten
WarenwirtschaftBestandsführung, automatische Nachbestellung80–200 €/Monat
PersonalplanungDienstplan, Stundenerfassung, Lohnvorbereitung50–150 €/Monat
Self-Ordering (QR-Code/Kiosk)Gäste bestellen selbst am Tisch oder Terminal50–200 €/Monat + Hardware
Business IntelligenceUmsatzanalysen, Wareneinsatzquote, Trends50–100 €/Monat
Schnittstellen (API)Alle Systeme miteinander verbundenEinmalige Einrichtung

ROI: Schwieriger zu beziffern, aber Betriebe berichten von 10–20 % geringeren Gesamtbetriebskosten durch integrierte Prozesse.

Kassensystem-Vergleich 2026

Wichtig: Jedes Kassensystem muss seit 2023 eine TSE haben. Alles zu Kosten, Hardware vs. Cloud-TSE und steuerlicher Absetzbarkeit finden Sie im separaten TSE-Ratgeber.

Die relevanten Anbieter für die DACH-Gastronomie

AnbieterAb Preis/MonatHardwareStärkeFür wen
SumUp0 € (nur Transaktionsgebühr)Ab 79 €Einfachheit, EinstiegImbiss, Food Truck, Kiosk
ready2orderAb 35 €Ab 279 €Preis-Leistung, österreichischer AnbieterKleine Betriebe, AT-freundlich
OrderbirdAb 49 €iPad-basiertGastro-spezialisiert, starker SupportRestaurants, Bars, Cafés
LightspeedAb 69 €VariabelUmfangreiche Analytik, SchnittstellenMittlere bis große Betriebe
GastrofixAuf AnfrageEigene HardwareEnterprise-Funktionen, FranchiseKetten, Hotels, große Betriebe

Alle genannten Systeme sind TSE-konform und unterstützen das 7/19-%-MwSt.-Splitting seit Januar 2026. Warum TSE-Konformität nicht nur Pflicht, sondern auch Schutz bei einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt ist, zeigt der separate Ratgeber.

Was ein Kassensystem können muss (Mindestanforderungen 2026)

  • ✅ TSE-Konformität (Technische Sicherheitseinrichtung — gesetzliche Pflicht)
  • ✅ MwSt.-Splitting: 7 % auf Speisen, 19 % auf Getränke, automatisch
  • ✅ Kombiangebote aufsplittbar (Mittagsmenü mit Getränk = anteilige MwSt.)
  • ✅ GoBD-konform (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung digital)
  • ✅ Export für Steuerberater (DATEV, CSV)
  • ✅ Kartenzahlung integriert oder anschließbar

Warenwirtschaft — braucht man das?

Was eine Warenwirtschaft konkret macht

FunktionOhne WarenwirtschaftMit Warenwirtschaft
Bestand kennenZählen (Inventur 1–2× pro Monat)Echtzeit-Bestand nach jeder Buchung
Nachbestellen”Haben wir noch Tomaten?” — nachschauenAutomatische Bestellvorschläge bei Mindestbestand
Wareneinsatz berechnenMonatlich, rückwirkend, grobTäglich, pro Gericht, exakt
Schwund erkennenKaum möglichSoll/Ist-Vergleich zeigt Abweichungen sofort
LieferantenvergleichManuell, mühsamAutomatischer Preisvergleich über Zeiträume

Wann sich eine Warenwirtschaft lohnt

  • Wareneinsatz über 30 %: Sie verlieren wahrscheinlich Geld durch Schwund, den Sie nicht messen — ein digitales HACCP-System kann dabei helfen, Verderb und Temperaturfehler gleichzeitig zu dokumentieren
  • Mehr als 50 Artikel im Sortiment: Die Komplexität übersteigt die manuelle Kontrolle
  • Mehr als 3 Lieferanten: Preisvergleich und Bestellplanung werden unübersichtlich
  • Wachstum geplant: Spätestens beim zweiten Standort ist eine Warenwirtschaft unverzichtbar

Was es kostet — und was es spart

Beispiel: Restaurant, 20.000 € Wareneinsatz/Monat, Wareneinsatzquote 32 %

PositionOhne WarenwirtschaftMit Warenwirtschaft
Software-Kosten0 €120 €/Monat
Arbeitszeit Inventur8 Std./Monat (= 200 €)2 Std./Monat (= 50 €)
Schwundverluste (geschätzt)3–5 % = 600–1.000 €/Monat1–2 % = 200–400 €/Monat
Netto-Effekt+230–550 € Ersparnis/Monat

Förderung: Der KfW-Förderkredit Digitalisierung

Seit Juli 2025 gibt es ein neues KfW-Programm, das speziell für Digitalisierung gedacht ist.

Was gefördert wird

FörderstufeZuschussMaximaler ZuschussVoraussetzung
BasisförderungGünstiger KreditBis 7,5 Mio. €Digitalisierungs-Check (Pflicht)
LevelUp3 % Zuschuss auf KreditbetragBis 200.000 €Digitalisierungs-Check + Konzept
HighEnd5 % Zuschuss auf KreditbetragBis 200.000 €Digitalisierungs-Check + umfassendes Konzept

Was das in der Praxis heißt

Beispiel: Sie investieren 15.000 € in Kassensystem + Warenwirtschaft + Küchenmonitor

Mit LevelUp-FörderungBetrag
KfW-Kredit15.000 €
Zuschuss (3 %)450 €
Effektive Investition14.550 €

Bei einer monatlichen Ersparnis von 400 € (Zeitersparnis + Schwundreduktion) amortisiert sich die Investition in 36 Monaten — ohne Zuschuss in 37,5 Monaten. Der Zuschuss ist nett, aber der eigentliche Gewinn liegt in der laufenden Ersparnis.

Zusätzliche Landesförderungen

BundeslandProgrammBesonderheit
NRWDigitalisierung Handel & Gastgewerbe10 Mio. € Fördertopf
BayernDigitalbonusBis 50.000 € für KMU
SachsenDigitalprämieBis 10.000 € für kleine Betriebe

Prüfen Sie Ihr Bundesland — die Programme ändern sich regelmäßig. Die IHK vor Ort berät kostenlos.

Die fünf häufigsten Digitalisierungsfehler

1. Das teuerste System kaufen

Mehr Funktionen = besser? Nein. Ein Imbiss mit 15 Artikeln braucht kein Enterprise-Kassensystem mit Franchise-Modul. Starten Sie mit dem, was Sie wirklich nutzen — und erweitern Sie bei Bedarf.

2. Insellösungen ohne Schnittstellen

Kassensystem von Anbieter A, Reservierung von B, Buchhaltung bei C — und nichts spricht miteinander. Das erzeugt doppelte Dateneingabe und Fehlerquellen. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihre Systeme Daten austauschen können.

3. Die Mitarbeiter nicht mitnehmen

Neue Software funktioniert nur, wenn das Team sie akzeptiert. Planen Sie 2–3 Schulungstage ein. Benennen Sie einen “Digital-Champion” im Team, der Ansprechpartner für Fragen ist.

4. Keine Testphase

Nehmen Sie kein System, das Sie nicht 14 Tage testen können. Der Demomodus im Büro zeigt nicht, wie das System im Freitagabend-Service funktioniert.

5. Alles auf einmal umstellen

Kassensystem, Warenwirtschaft und Reservierungssystem gleichzeitig einführen? Rezept für Chaos. Starten Sie mit der Kasse, lassen Sie zwei Monate Routine einziehen, dann die nächste Stufe.

Diese Woche noch umsetzen

  • Prüfen Sie: Kann Ihr Kassensystem die geteilte MwSt. (7 % Speisen, 19 % Getränke) korrekt abbilden?
  • Notieren Sie drei Prozesse, die Sie täglich ärgern, weil sie analog sind (Bestellaufnahme? Inventur? Dienstplan?)
  • Holen Sie ein Angebot bei zwei Kassensystem-Anbietern ein — die meisten bieten kostenlose Demos
  • Prüfen Sie die KfW-Förderbedingungen unter kfw.de (Förderkredit Digitalisierung)
  • Fragen Sie Ihre IHK nach regionalen Digitalisierungsförderungen für Ihr Bundesland
  • Lesen Sie, welche KI-Tools sich für Ihren Betrieb lohnen — und welche nicht

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Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Kassensystem in der Gastronomie?

Cloud-basierte Kassensysteme starten ab 30 € pro Monat (z.B. Orderbird, SumUp). All-in-one-Lösungen mit Hardware kosten 800–2.500 € einmalig plus 50–150 € monatlich. Wichtig seit 2026: Das System muss die geteilte MwSt. (7 % Speisen, 19 % Getränke) korrekt abbilden können und TSE-konform sein. Kartenzahlungsgebühren liegen bei 1,2–2,6 % pro Transaktion.

Gibt es Förderung für die Digitalisierung in der Gastronomie?

Ja. Seit Juli 2025 gibt es den KfW-Förderkredit Digitalisierung ohne Mindestbetrag. Die Basisförderung umfasst bis zu 7,5 Mio. € Kredit. Zusätzlich gibt es Zuschüsse: LevelUp (3 % Zuschuss, max. 200.000 €) und HighEnd (5 % Zuschuss, max. 200.000 €). Voraussetzung ist ein Digitalisierungs-Check. Einige Bundesländer haben zusätzliche Programme — NRW hat z.B. 10 Mio. € speziell für Handel und Gastgewerbe bereitgestellt.

Welches Kassensystem ist das beste für die Gastronomie?

Es gibt kein bestes System für alle. Die Wahl hängt vom Betriebstyp ab. Für kleine Betriebe (Imbiss, Café): SumUp oder ready2order (günstig, einfach, ab 30 €/Monat). Für mittlere Betriebe (Restaurant, Bar): Orderbird oder Lightspeed (Tischmanagement, Küchenmonitor, ab 70 €/Monat). Für größere Betriebe (Hotel-Restaurant, Franchise): Gastrofix oder POSitive (umfangreiche Schnittstellen, individuelle Preise). Entscheidend: TSE-Konformität, MwSt.-Splitting (7/19 %) und Schnittstellen zu Ihrem Buchhaltungssystem.

Lohnt sich Digitalisierung für einen kleinen Gastro-Betrieb?

Ja — gerade für kleine Betriebe. Ein iPad-Kassensystem spart 15–25 % der Servicezeit pro Bestellung. Digitale Bestellaufnahme reduziert Fehler um 60–80 %. Und: Der Steuerberater bekommt saubere Daten statt Zettelwirtschaft. Die Grundausstattung (Kasse + Kartenleser) gibt es ab 400 € einmalig + 30 €/Monat. Bei einem Betrieb mit 15.000 € Umsatz rechnet sich das meist innerhalb von 8 Wochen.

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