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Cocktail-Kalkulation: Was ein Drink wirklich kostet — und wo die Marge verschwindet

Cocktails und Longdrinks kalkulieren — Rezeptkosten, Eisverbrauch, Ausschankmaße, Pour Cost und warum die Bar trotz voller Theke oft zu wenig verdient.

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Cocktail-Kalkulation: Was ein Drink wirklich kostet — und wo die Marge verschwindet

Freitagabend, die Bar ist voll, der Bartender schüttelt ohne Pause. 180 Cocktails an einem Abend, Durchschnittspreis 12 Euro — das sind 2.160 Euro Umsatz. Klingt gut. Bis man nachrechnet: 4 Flaschen Gin à 22 Euro, 3 Flaschen Rum à 25 Euro, 2 Flaschen Whisky à 35 Euro, 12 Liter Säfte, Sirup, Tonic, Eis, Limetten, Minze, Garnitur, Strohhalme. Und dann die halbe Flasche Hendrick’s, die der Bartender sich und den Stammgästen einschenkt, weil „das gehört dazu”.

Am Ende bleiben statt der erhofften 75 % Marge vielleicht 55 %. Und niemand weiß genau, warum.

Das Problem ist nicht der Cocktailpreis. Das Problem ist, dass die meisten Barbetreiber ihre Drinks nicht auf Rezeptebene kalkulieren — und damit die drei größten Margenfresser übersehen: ungenaues Einschenken, vergessene Nebenkosten und fehlende Standardrezepturen.

Pour Cost: Die Kennzahl, die alles verrät

In der Küche heißt es Wareneinsatzquote. An der Bar heißt es Pour Cost. Gemeint ist dasselbe: Wie viel Prozent des Verkaufspreises gehen für Zutaten drauf? Die Grundlagen der Getränkekalkulation in der Gastronomie gelten auch an der Cocktailbar — mit ein paar wichtigen Besonderheiten.

Pour CostBewertungWas es bedeutet
<18 %ExzellentEntweder sehr gute Kalkulation oder zu hohe Preise — vergleichen Sie mit den Wareneinsatz-Richtwerten nach Betriebsart
18–22 %GutBranchenstandard für gut geführte Bars
22–25 %AkzeptabelHäufig bei Bars mit vielen Premium-Spirituosen
25–30 %ProblematischMarge wird dünn, Gegenmaßnahmen nötig
>30 %KritischBetrieb subventioniert die Gäste

Pour Cost nach Drink-Kategorie

Nicht jeder Drink hat denselben Pour Cost — und soll er auch nicht. Die Mischung macht’s:

KategorieBeispielTypischer WareneinsatzVerkaufspreis (Großstadt)Pour Cost
Highball/LongdrinkGin Tonic, Rum Cola1,20–1,80 €9–12 €12–16 %
KlassikerMojito, Moscow Mule1,80–2,50 €11–13 €16–20 %
Sour/ShakenWhisky Sour, Daiquiri2,00–2,80 €12–14 €18–22 %
Old Fashioned/NegroniSpirituosenlastig2,50–3,50 €12–15 €20–25 %
Premium/SignatureEigenkreation, teure Zutaten3,00–5,00 €14–18 €22–30 %
AlkoholfreiVirgin Mojito, Mocktails0,80–1,50 €7–10 €10–15 %

Die Erkenntnis: Alkoholfreie Cocktails und Highballs sind die Margenbringer. Wer mehr davon verkauft, senkt den Gesamt-Pour-Cost — ohne den Preiseindruck zu verändern. Dieses Prinzip der Mischkalkulation funktioniert an der Bar genauso wie in der Küche: margenstarke Drinks finanzieren die teuren Signature-Cocktails.

Was die meisten bei der Kalkulation vergessen

Die versteckten Kosten pro Drink

KostenfaktorKosten pro DrinkPro Monat (bei 120 Drinks/Tag)
Eis (selbst hergestellt)0,08–0,15 €250–470 €
Eis (gekauft)0,20–0,40 €624–1.248 €
Garnitur (Limette, Orange, Olive, Kräuter)0,10–0,60 €312–1.872 €
Strohhalme (Papier/Metall)0,05–0,15 €156–468 €
Servietten, Untersetzer0,03–0,08 €94–250 €
Versteckte Kosten gesamt0,26–1,38 €1.436–4.308 €

Bei einem Cocktail für 12 € macht die Garnitur allein 0,10–0,60 € aus. Das klingt nach wenig — aber bei 3.600 Drinks im Monat sind 0,30 € Garnitur pro Drink 1.080 €.

Schwund: Der stille Killer

SchwundartTypischer VerlustWas es kostet (pro Monat, 120 Drinks/Tag)
Overpouring (zu viel einschenken)10–15 % der Spirituosen400–900 €
Verschütten, Fehlmixen3–5 %120–300 €
Personalkonsum (mit/ohne Erlaubnis)2–8 %80–480 €
Schmelzverlust Eis15–20 % des Eises40–250 €
Verderb (Säfte, Früchte, Kräuter)5–10 % der Frischware60–200 €
Schwund gesamt700–2.130 €

Overpouring ist der größte Einzelfaktor. Wenn ein Bartender statt 4 cl Gin 5 cl einschenkt — ein Centimeter mehr im Jigger — sind das 25 % mehr Spirituosenverbrauch. Bei einem Gin Tonic: 0,30 € mehr pro Drink. Bei 50 Gin Tonics am Abend: 15 € pro Abend. Bei 26 Bartagen: 390 € im Monat. Nur durch einen Centimeter.

Die Standardrezeptur: Warum sie unverzichtbar ist

Ohne Standardrezeptur kalkuliert jeder Bartender anders. Bartender A macht den Mojito mit 5 cl Rum, Bartender B mit 6 cl. Bartender A nimmt drei Limettenspalten, Bartender B eine halbe Limette. Das sind pro Drink 0,40–0,80 € Unterschied — und der Gast merkt keinen Geschmacksunterschied.

Beispiel-Standardrezeptur: Mojito

ZutatMengeEinkaufspreis/EinheitKosten pro Drink
Havana Club 3 Años (1 l)5 cl14,90 €/l0,75 €
Limettensaft, frisch gepresst3 cl3,50 €/l (ca. 8 Limetten)0,11 €
Rohrzuckersirup (selbst hergestellt)2 cl1,20 €/l0,02 €
Minze, frisch6 Blätter1,80 €/Bund (ca. 80 Blätter)0,14 €
Sodawasser8 cl0,50 €/l0,04 €
Crushed Iceca. 200 g0,12 €/kg (selbst)0,02 €
Limettenspalte (Garnitur)1 Stück0,35 €/Limette (8 Spalten)0,04 €
Strohhalm (Papier)1 Stück0,08 €0,08 €
Wareneinsatz gesamt1,20 €

Verkaufspreis: 11,50 € | Pour Cost: 10,4 % | Bruttomarge: 89,6 %

Sieht traumhaft aus. Aber ohne Standardrezeptur schwankt der Wareneinsatz zwischen 1,20 € und 2,10 € — der Pour Cost springt von 10 % auf 18 %. Über den Monat gerechnet sind das bei 400 Mojitos 360 € Unterschied.

Ausschankmaße und das Eichrecht

In Deutschland und Österreich gelten Ausschankmaße nach dem Mess- und Eichgesetz (MessEG). Das betrifft in der Bar vor allem Bier und Wein (geeichte Gläser), nicht aber Cocktails. Trotzdem:

ThemaRegelPraxistipp
Spirituosen pur (2 cl / 4 cl)Muss mit geeichtem Ausgießer oder Jigger portioniert werdenJigger verwenden, nicht freipourieren — auch für die Kalkulation
Bier (Schankgefäße)Geeichte Gläser Pflicht, FüllstrichFassbier: 10–15 % Schwund einkalkulieren
CocktailsKeine Eichpflicht (Mischgetränk)Trotzdem: Standardrezeptur = Kalkulationsgrundlage
Wein (offen)0,1 l / 0,2 l / 0,25 l — geeichte Gläser oder KaraffenSchwund 5–8 % (Probierschluck, Rest in Flasche)

Praxishinweis: Freipourieren (also ohne Jigger einschenken) sieht professionell aus — kostet aber 15–25 % mehr Spirituosen als Jigger-Portionierung. In High-Volume-Bars lohnt sich Freipourieren nur, wenn die Bartender wirklich trainiert und regelmäßig getestet werden.

Kalkulation nach Getränkekategorie

Spirituosen pur und auf Eis

SpirituoseEinkauf (0,7 l)Ertrag (à 4 cl, abzgl. 5 % Schwund)Kosten pro PortionEmpf. VKPour Cost
Standardgin (Beefeater, Gordon’s)13–16 €16 Portionen0,81–1,00 €6–8 €12–14 %
Premium-Gin (Monkey 47, Hendrick’s)28–35 €16 Portionen1,75–2,19 €8–12 €18–22 %
Standardwhisky (Jim Beam, Johnnie Walker Red)14–18 €16 Portionen0,88–1,13 €6–8 €13–15 %
Single Malt (Glenfiddich 12, Lagavulin 16)30–55 €16 Portionen1,88–3,44 €9–14 €20–28 %
Standardrum (Bacardi, Havana 3)12–15 €16 Portionen0,75–0,94 €6–8 €11–13 %

Longdrinks

Die einfachste Kalkulation — und die profitabelste:

Longdrink-Kosten = Spirituose (4 cl) + Filler (0,2 l) + Eis + Garnitur

Beispiel Gin Tonic:
Gin (4 cl Beefeater): 0,85 €
Tonic (0,2 l Fever-Tree): 0,80 €
Eis: 0,10 €
Limettenspalte: 0,04 €
= 1,79 € Wareneinsatz

VK: 10,50 € → Pour Cost: 17 %

Achtung Tonic-Falle: Fever-Tree und Schweppes Premium kosten 2,50–3,50 € pro 0,5-l-Flasche. Standard-Schweppes kostet 0,80–1,20 €. Der Unterschied pro Drink: 0,40–0,60 €. Bei 30 Gin Tonics am Abend sind das 12–18 € — pro Abend.

Eis: Der vergessene Kostenfaktor

Selbst herstellen vs. kaufen

Selbst herstellenLieferant (Eisbeutel)Lieferant (Premiumeis)
Kosten pro kg0,30–0,60 €1,20–2,00 €3,00–5,00 €
QualitätAbhängig von MaschineStandardqualitätKlar, langsam schmelzend
AufwandTäglich 30–60 Min.Bestellung + LagerplatzBestellung + Lagerplatz
Für wen?Bars mit >100 Drinks/TagBars mit 30–80 Drinks/TagPremium-Bars, Signature-Drinks

Faustregel: Pro Cocktail brauchen Sie 150–250 g Eis (je nach Drink). Pro Longdrink 100–150 g. Bei 120 Drinks am Abend sind das 15–25 kg Eis pro Abend — 390–650 kg im Monat.

Eisverschwendung reduzieren

Drei Maßnahmen, die zusammen 15–25 % Eis sparen:

  1. Eiswanne richtig befüllen — nicht zu voll (schmilzt durch Kontakt), nicht zu leer (mehr Nachfüllen)
  2. Deckel auf die Eiswanne — halbiert den Schmelzverlust
  3. Eis erst kurz vor dem Mixen ins Glas — nicht minutenlang stehen lassen

Getränkekarte gestalten: Marge steuern

Die Cocktailkarte funktioniert wie eine Speisekarte — was oben steht, wird öfter bestellt. Also:

Position auf der KarteWas dort stehen sollteWarum
Ganz obenTeuerster Signature-Cocktail (14–18 €)Preisanker — alles andere wirkt günstiger
Position 2–3Margenstärkste Cocktails (Pour Cost <18 %)Werden häufig bestellt, bringen am meisten
MitteKlassiker (Mojito, Negroni, Old Fashioned)Bekannte Drinks, sichere Bestellungen
UntenAlkoholfreie Cocktails (Pour Cost 10–15 %)Wachsendes Segment, exzellente Marge

Alkoholfreie Cocktails: Die unterschätzte Goldgrube

Der Mocktail-Markt wächst in Deutschland jährlich um 15–20 % (GfK-Daten). Immer mehr Gäste bestellen alkoholfrei — nicht nur Fahrer, sondern auch gesundheitsbewusste Gäste unter 35.

MocktailWareneinsatzEmpf. VKPour Cost
Virgin Mojito0,65 €8,50 €7,6 %
Alkoholfreier Spritz (Seedlip + Tonic)1,20 €9,50 €12,6 %
Hausgemachte Limonade0,40 €7,00 €5,7 %

Der Pour Cost ist halb so hoch wie bei alkoholischen Cocktails. Und der Verkaufspreis? Liegt nur 20–30 % unter dem alkoholischen Pendant. Wer eine attraktive alkoholfreie Karte hat, verdient mehr pro Gast — nicht weniger.

Bestandskontrolle: So finden Sie, wo die Marge verschwindet

Die Wöchentliche Spirituosen-Inventur

Sie brauchen 30 Minuten pro Woche. Aber diese 30 Minuten sparen 200–500 € im Monat:

  1. Alle offenen Flaschen wiegen (Leergewicht vorher notieren oder vom Lieferanten erfragen)
  2. Bestand in cl umrechnen (Gewicht − Leergewicht = Inhalt in Gramm, durch 0,95 für Spirituosen ≈ cl)
  3. Sollverbrauch berechnen: Verkaufte Drinks × cl pro Rezeptur = Sollverbrauch
  4. Istverbrauch berechnen: Anfangsbestand + Einkauf − Endbestand = Istverbrauch
  5. Differenz = Schwund: Istverbrauch − Sollverbrauch
ErgebnisBewertung
Differenz <3 %Normal (Messfehler, kleine Verschüttungen)
Differenz 3–8 %Overpouring wahrscheinlich — Bartender schulen
Differenz 8–15 %Systematisches Problem — Prozesse überprüfen
Differenz >15 %Diebstahl oder massives Overpouring — sofort handeln

Diese Woche noch umsetzen

  • Schreiben Sie für Ihre fünf meistverkauften Cocktails eine Standardrezeptur auf — mit exakten Mengen und Kosten pro Zutat
  • Wiegen Sie Ihre offenen Spirituosenflaschen und vergleichen Sie den Istverbrauch mit dem Sollverbrauch der letzten Woche
  • Berechnen Sie den Pour Cost Ihrer Cocktailkarte: Wareneinsatz geteilt durch Verkaufspreis — Ziel: unter 22 %
  • Prüfen Sie Ihre Eis-Kosten: Wie viel zahlen Sie pro Monat für Eis (selbst oder gekauft)? Rechnen Sie Schmelzverlust ein
  • Setzen Sie mindestens zwei alkoholfreie Cocktails auf die Karte — mit eigenem Abschnitt, nicht versteckt unter „Sonstiges”

KitchenCost rechnet den Wareneinsatz pro Rezeptur — auch für Cocktails. Alle Zutaten eingeben, Mengen festlegen, Kosten sehen. Wenn Sie wissen, dass Ihr Mojito 1,20 € kostet und nicht 2,10 €, können Sie den Preis mit Überzeugung setzen. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist der Wareneinsatz bei einem Cocktail?

Der reine Spirituosen- und Zutateneinsatz liegt bei den meisten Cocktails zwischen 1,20 € und 3,50 €. Dazu kommen versteckte Kosten: Eis (0,15–0,40 € pro Drink), Garnitur (0,10–0,60 €), Einwegstrohhalm oder Papierstrohhalm (0,05–0,15 €) und Servietten. Vollkostenkalkuliert liegt der Wareneinsatz eines Standardcocktails bei 1,80–4,50 €. Bei einem Verkaufspreis von 10–14 € ergibt das einen Pour Cost von 15–25 %.

Was ist der Pour Cost und welcher Wert ist gut?

Der Pour Cost ist der prozentuale Anteil des Wareneinsatzes am Verkaufspreis. In einer gut geführten Bar liegt der Pour Cost bei 18–22 % über alle Drinks gemischt. Unter 18 % ist exzellent, über 25 % wird es kritisch. Der Pour Cost variiert stark nach Drink-Kategorie: Highballs (12–16 %), klassische Cocktails (18–24 %), Premium-Cocktails mit teuren Spirituosen (25–35 %).

Wie kalkuliere ich Eis in der Cocktailbar?

Eis ist einer der am häufigsten vergessenen Kostenfaktoren. Selbst hergestelltes Eis kostet ca. 0,08–0,15 € pro Drink (Strom, Wasser, Maschinenabschreibung). Gekauftes Eis vom Lieferanten kostet 0,20–0,40 € pro Drink. Bei 150 Drinks pro Abend sind das 30–60 € täglich — also 780–1.560 € im Monat. Dazu kommen 15–20 % Schmelzverlust bei falscher Lagerung.

Wie viel sollte ein Cocktail in Deutschland kosten?

Das hängt von Standort und Konzept ab. In deutschen Großstädten (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt) liegen Cocktailpreise 2026 bei 11–16 € für Standardcocktails, 14–20 € für Signature Drinks. In kleineren Städten sind 9–13 € üblich. Die Faustregel: Verkaufspreis = Wareneinsatz × 4 bis 5. Premium-Bars mit Showeffekt (Rauch, Infusionen) können den Faktor 6–8 ansetzen.

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