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Brunch-Kalkulation: Buffet richtig kalkulieren — damit der Sonntag sich auch lohnt

Brunch und Buffet kalkulieren mit der Musterteller-Methode: Pro-Kopf-Kosten berechnen, Portionsgrößen planen, Schwund einkalkulieren und den richtigen Preis finden.

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Brunch-Kalkulation: Buffet richtig kalkulieren — damit der Sonntag sich auch lohnt

Sonntagsbrunch. Das Buffet steht ab 10 Uhr. Die ersten Gäste kommen um halb elf. Um halb zwei ist es vorbei. Sie räumen ab, und da stehen noch sechs Schüsseln Rührei, zwei Platten Lachs und ein Brotkorb, den kaum jemand angerührt hat.

Am Ende des Tages rechnen Sie: 35 Gäste à 24,90 € — sieht gut aus. Dann ziehen Sie die Waren ab. Dann die drei Servicekräfte, die fünf Stunden da waren. Dann den Abwasch. Und plötzlich bleiben von den 871,50 € Umsatz vielleicht 80 € übrig. Wenn überhaupt.

Das ist kein Brunch-Problem. Das ist ein Kalkulationsproblem. Denn wer ein Buffet wie eine Speisekarte kalkuliert, wird immer daneben liegen. Das Buffet folgt eigenen Regeln — und die muss man kennen.

Warum Buffet-Kalkulation anders funktioniert als à la carte

FaktorÀ la carteBuffet / Brunch
PortionskontrolleSie bestimmen, was auf den Teller kommtDer Gast nimmt, was er will
Schwund3–8 % (Putzabfall, Fehlproduktion)15–30 % (Buffet-Rest, Überproduktion)
WareneinsatzPro Gericht kalkulierbarPro Person geschätzt
PersonalaufwandService bestellt und serviertKüche produziert auf Vorrat, Service räumt nach
UmsatzrisikoGering — jeder Gast bestellt und zahltHoch — leeres Buffet bei wenig Gästen, volle Schüsseln am Ende

Der entscheidende Unterschied: Bei à la carte wissen Sie genau, was jeder Gast kostet. Beim Buffet müssen Sie schätzen — und wenn Sie falsch schätzen, ist das Geld weg.

Die Musterteller-Methode: So kalkulieren Profis

Die einzig zuverlässige Methode, ein Buffet zu kalkulieren, heißt Musterteller. Sie stellen zusammen, was ein durchschnittlicher Gast isst und trinkt — und rechnen genau das durch.

Schritt 1: Was isst ein durchschnittlicher Brunch-Gast?

KategorieMenge pro PersonBeispielprodukte
Brot & Gebäck200–250 gBrötchen, Croissant, Toast, Laugenstange
Aufschnitt & Käse120–150 gSchinken, Salami, Gouda, Camembert
Warme Speisen100–120 gRührei, Bacon, Würstchen, Kartoffelrösti
Obst & Müsli80–100 gObstsalat, Joghurt, Granola
Süßes50–80 gKuchen, Marmelade, Honig, Nutella
Lachs / Premium30–50 gRäucherlachs, Matjes, Garnelen
Essen gesamt650–800 g
Kaffee / Tee3–4 TassenFilterkaffee, Cappuccino, Tee
Saft0,3–0,4 lOrangensaft, Multivitamin
Sekt (falls inkl.)0,1–0,2 lProsecco, Winzersekt

Schritt 2: Warenkosten des Mustertellers berechnen

PositionMengeEinkaufspreis/kgKosten
Brötchen-Mix220 g2,80 €/kg0,62 €
Aufschnitt (gemischt)130 g9,50 €/kg1,24 €
Käse (gemischt)80 g8,00 €/kg0,64 €
Rührei (2 Eier + Butter)120 g0,55 €
Bacon40 g12,00 €/kg0,48 €
Räucherlachs40 g28,00 €/kg1,12 €
Obst (Saison)90 g3,50 €/kg0,32 €
Joghurt + Granola80 g4,00 €/kg0,32 €
Kuchen (Stück)60 g6,00 €/kg0,36 €
Butter, Marmelade, Honig40 g0,25 €
Kaffee (3,5 Tassen)0,15 €/Tasse0,53 €
Orangensaft0,35 l1,80 €/l0,63 €
Musterteller gesamt7,06 €

Schritt 3: Schwund-Faktor aufschlagen

Das ist der Posten, den die meisten vergessen. Beim Buffet werfen Sie immer weg — die Frage ist nur, wie viel.

Schwund-NiveauAufschlagKorrigierte WarenkostenTypisch für
Gut (erfahrener Betrieb, Reservierung)+10 %7,77 €Brunch mit Voranmeldung, kleine Gruppen
Normal (gemischter Betrieb)+20 %8,47 €Offener Sonntagsbrunch, gemischtes Publikum
Schlecht (kein System, große Buffets)+30 %9,18 €Große Veranstaltungen, kein Reservierungssystem

Schritt 4: Preis kalkulieren

Jetzt rechnen wir den Verkaufspreis. Wir nehmen den Normalfall mit 20 % Schwund:

PostenBetrag pro Gast
Warenkosten (inkl. 20 % Schwund)8,47 €
Personalkosten (anteilig)4,50 €
Gemeinkosten (Miete, Energie, Versicherung)2,80 €
Selbstkosten15,77 €
Gewinn (20 %)3,15 €
Verkaufspreis netto18,92 €
Verkaufspreis brutto (7 % MwSt)20,24 €

→ Ein Brunchpreis von 19,90–22,90 € ist für dieses Niveau realistisch. Unter 18 € wird es eng.

Die Personalkosten beim Brunch: Unterschätzt

Viele kalkulieren nur die Warenkosten und vergessen, dass ein Brunch personalintensiv ist.

AufgabeStundenMitarbeiterKosten (13,90 €/h Mindestlohn + 30 % AG-Anteil)
Vorbereitung Küche (7:00–10:00)3 h1–254–108 €
Service (10:00–14:30)4,5 h2–3162–243 €
Abräumen + Spülen (14:00–16:00)2 h1–236–72 €
Gesamt252–423 €

Bei 35 Gästen sind das 7,20–12,09 € Personalkosten pro Gast. Die 4,50 € in unserer Kalkulation oben setzen einen effizienten Betrieb mit 50+ Gästen voraus. Bei weniger Gästen steigen die Personalkosten pro Kopf drastisch.

Die Breakeven-Frage: Ab wie vielen Gästen lohnt sich der Brunch?

GästeanzahlPersonalkosten/GastGesamtkosten/GastBei 22,90 € Verkaufspreis: Gewinn/Gast
20 Gäste12,60 €23,87 €−0,97 € (Verlust!)
30 Gäste8,40 €19,67 €3,23 €
40 Gäste6,30 €17,57 €5,33 €
50 Gäste5,04 €16,31 €6,59 €
60 Gäste4,20 €15,47 €7,43 €

Ab etwa 25 Gästen wird der Brunch bei 22,90 € profitabel. Darunter verlieren Sie Geld — oder müssen den Preis erhöhen.

Die häufigsten Brunch-Fehler

FehlerWarum er teuer wirdLösung
Buffet zu früh voll bestückenLachs steht um 9:30 bereit, die Gäste kommen um 11:00 — Qualität und Marge leidenIn Wellen bestücken: Grundangebot ab 10:00, warme Speisen ab 10:30, Premium ab 11:00
Keine ReservierungSie wissen nicht, ob 20 oder 60 Gäste kommen — und kochen für 60Reservierungspflicht mit Zeitslots (10:00–12:00, 12:00–14:00)
Zu viele Premium-ProdukteLachs, Shrimps, Sushi am Buffet — sieht toll aus, kostet ein VermögenMax. 2–3 Premium-Positionen, den Rest clever dekorieren
Getränke inklusive ohne Limit4 Cappuccini à 0,80 € Warenkosten pro Gast = 3,20 € nur für KaffeeFilterkaffee inklusive, Spezialitäten gegen Aufpreis
Kinderteller zum halben PreisKinder essen 60 % so viel, aber der halbe Preis ist 50 % — das passt nichtKinderpreis = 55–60 % des Erwachsenenpreises

Schwund reduzieren: Die drei wirksamsten Maßnahmen

1. Kleine Gefäße, häufig nachfüllen

MethodeSchwundAufwand
Große Schüsseln, einmal füllen25–35 %Gering — aber teuer
Mittlere Schüsseln, 2–3× nachfüllen15–20 %Mittel — lohnt sich fast immer
Kleine Schüsseln, alle 15–20 Min.8–12 %Hoch — aber die Marge dankt es

2. Zeitslots statt offenes Ende

ModellGästeplanungSchwund
„Brunch 10–14 Uhr, kommen Sie wann Sie wollen”Unmöglich zu planen25–35 %
„Brunch 10–12 Uhr oder 12–14 Uhr, bitte reservieren”Sehr gut planbar10–15 %

3. Die letzte Stunde aktiv managen

Ab 13:00 Uhr (bei einem Brunch bis 14:00) hören Sie auf, frische Platten nachzulegen. Was auf dem Buffet steht, wird serviert. Warme Speisen auf Bestellung aus der Küche — das ist frischer und reduziert den Abfall auf fast null.

Brunch als Geschäftsmodell: Wann lohnt es sich?

FaktorBrunch lohnt sichBrunch lohnt sich (noch) nicht
StandortInnenstadtlage, Wohnviertel, TouristengebietGewerbegebiet, Autobahnlage
ZielgruppeFamilien, junge Berufstätige, TouristenGeschäftsreisende, Pendler
SitzplätzeMindestens 40 (für Breakeven)Unter 25 — zu wenig Volumen
KücheLeistungsfähig genug für ParallelbetriebZu klein für Buffet + à la carte
TagSonntag (stärkster Brunch-Tag), FeiertageUnter der Woche (zu wenig Nachfrage)
FrequenzWöchentlich oder 2× monatlich — Stammgäste gewöhnen sich dranEinmal im Quartal — zu selten für Bekanntheit

Diese Woche noch umsetzen

  • Musterteller zusammenstellen: Was würde ein durchschnittlicher Gast bei Ihrem Brunch essen und trinken?
  • Warenkosten pro Musterteller berechnen — mit KitchenCost oder manuell
  • Personalaufwand realistisch schätzen: Wie viele Stunden brauchen Sie für Vorbereitung, Service, Nachbereitung?
  • Breakeven berechnen: Ab wie vielen Gästen verdienen Sie bei Ihrem geplanten Preis tatsächlich Geld?
  • Reservierungssystem einrichten oder Zeitslots definieren — das ist der einzelne Hebel mit dem größten Effekt auf Ihren Schwund

Buffet-Kalkulation ist Kopfrechnen mit zu vielen Variablen. Mit KitchenCost kalkulieren Sie Ihren Musterteller in Minuten — und sehen sofort, ob der Brunch-Preis Ihre Kosten deckt. Kostenlos im App Store.

Häufig gestellte Fragen

Wie kalkuliert man einen Brunch pro Person?

Die bewährteste Methode ist der Musterteller: Sie stellen einen repräsentativen Teller zusammen, den ein durchschnittlicher Gast essen wird — inklusive Getränke, Nachschlag und Dessert. Rechnen Sie mit 650–900 g Essen pro Person (ohne Getränke) und kalkulieren Sie die Warenkosten dieses Mustertellers. Dazu kommen anteilige Personalkosten (pro Gast ca. 3–6 €), Gemeinkosten und Ihre Zielmarge. Beispiel: Musterteller Warenkosten 5,80 €, Personal 4,50 €, Gemeinkosten 2,20 €, Gewinn 3,50 € = Brunchpreis 16,00 € netto (17,12 € brutto bei 7 % MwSt).

Wie viel Essen pro Person beim Brunch einplanen?

Als Richtwert: 650–900 g Essen pro Erwachsenem, davon etwa 200–250 g Brot und Gebäck, 120–150 g Aufschnitt und Käse, 100–120 g warme Speisen (Rührei, Bacon, Würstchen), 80–100 g Obst und Müsli, 50–80 g Süßes (Kuchen, Croissant). Dazu 3–4 Tassen Kaffee und 1–2 Gläser Saft oder Sekt. Kinder rechnen Sie mit 50–60 % der Erwachsenenmenge. Diese Werte variieren stark je nach Zielgruppe: Ein Business-Brunch verbraucht weniger als ein Familienbrunch am Feiertag.

Welcher Preis ist für einen Brunch angemessen?

In Deutschland liegen Brunch-Preise je nach Region und Niveau zwischen 12 und 45 €. Einfacher Sonntagsbrunch (Café, keine warmen Speisen): 12–18 €. Gehobener Brunch mit warmer Küche: 22–32 €. Premium-Brunch mit Sekt und Livemusik: 35–50 €. Die Warenkosten sollten 25–35 % des Verkaufspreises nicht übersteigen — beim Buffet ist der Schwund-Faktor höher als à la carte, weshalb viele Betriebe mit 30–35 % kalkulieren statt der üblichen 28 %. Der Preis muss zu Ihrer Zielgruppe und Ihrem Standort passen: In Kleinstädten ist bei 22 € oft Schluss, in München oder Hamburg gehen 35 € problemlos.

Wie reduziert man den Schwund beim Brunch-Buffet?

Schwund ist der größte Margenkiller beim Buffet. Drei Strategien, die funktionieren: 1) Nachfüllen statt voll bestücken — lieber kleine Schüsseln alle 20 Minuten auffüllen als große Schüsseln, die am Ende halb voll weggeworfen werden. 2) Feste Endzeit kommunizieren — wenn das Buffet um 14:00 Uhr schließt, reduzieren Sie ab 13:00 das Nachfüllen schrittweise. 3) Reservierungspflicht mit festen Zeitslots — Sie wissen genau, wie viele Gäste kommen, und können die Mengen präzise planen. In der Praxis senken diese drei Maßnahmen den Schwund von 20–30 % auf 8–12 %.

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