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Aufschlagkalkulation vs. Deckungsbeitrag: Welche Methode passt zu Ihrem Betrieb?

Aufschlagkalkulation und Deckungsbeitragskalkulation im direkten Vergleich — Formeln, Rechenbeispiele und die ehrliche Antwort, wann welche Methode funktioniert.

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Aufschlagkalkulation vs. Deckungsbeitrag: Welche Methode passt zu Ihrem Betrieb?

„Nimm den Wareneinsatz mal drei” — das lernen Sie in jedem IHK-Gründerseminar. Und für den Anfang funktioniert das auch. Aber irgendwann sitzen Sie abends über der Kasse und fragen sich, warum die Zahlen nicht aufgehen, obwohl jedes Gericht „richtig kalkuliert” ist.

Das Problem ist selten die einzelne Kalkulation. Das Problem ist die Methode. Oder genauer: dass eine Methode allein nicht reicht.

Die Aufschlagkalkulation — der Klassiker

So funktioniert sie

Die Aufschlagkalkulation ist die verbreitetste Methode in der Gastronomie — und eine von mehreren, die in unserem Überblick über Kalkulationsmethoden in der Gastronomie vorgestellt werden. Das Prinzip: Sie ermitteln den Wareneinsatz eines Gerichts und schlagen einen festen Faktor auf.

Verkaufspreis (netto) = Wareneinsatz × Aufschlagfaktor

Bei einem Faktor von 3,5 wird aus einem Gericht mit 2,80 € Wareneinsatz ein Verkaufspreis von 9,80 € netto — also rund 11,60 € brutto (bei 19 % MwSt.).

Rechenbeispiel: Schnitzel mit Pommes

PositionMengePreis
Schweineschnitzel (180 g)0,225 kg (inkl. 25 % Parierverlust)2,25 €
Panade (Mehl, Ei, Semmelbrösel)1 Portion0,35 €
Pommes frites (TK)200 g0,40 €
Beilagensalat1 Portion0,55 €
Butterschmalz (Bratfett)40 ml0,25 €
Wareneinsatz gesamt3,80 €

Aufschlag × 3,5 = 13,30 € netto → 15,83 € brutto

Gerundet auf der Karte: 15,90 €. Fertig? Fast. Die Rechnung geht auf, solange alle Gerichte ähnliche Fixkosten-Anteile haben. Aber das tun sie selten.

Wann die Methode funktioniert

  • Kleine Karten mit 8–15 Gerichten und ähnlichen Wareneinsätzen
  • Imbisse mit standardisierten Portionen
  • Als schnelle Ersteinschätzung bei neuen Gerichten
  • Wenn der Faktor regelmäßig überprüft und angepasst wird

Wann sie an ihre Grenzen stößt

  • Gerichte mit sehr unterschiedlichem Wareneinsatz (Pasta neben Rinderfilet)
  • Wenn Personal- und Fixkosten stark schwanken (Saisonbetrieb, Catering)
  • Sobald die Karte mehr als 20 Positionen hat
  • Wenn der Markt den Preis diktiert (Lieferdienst-Plattformen, Konkurrenz nebenan)

Die Deckungsbeitragskalkulation — die Gegenprobe

So funktioniert sie

Die Deckungsbeitragskalkulation dreht die Logik um. Statt vom Wareneinsatz nach oben zu rechnen, rechnet sie vom Verkaufspreis nach unten:

Deckungsbeitrag = Verkaufspreis (netto) − Wareneinsatz

Der Deckungsbeitrag ist das Geld, das übrig bleibt, um Personalkosten, Miete, Energie, Versicherungen und Ihren Gewinn zu bezahlen. Wenn der Deckungsbeitrag nicht reicht, hilft der schönste Aufschlagfaktor nichts.

Rechenbeispiel: Zwei Gerichte im Vergleich

Spaghetti CarbonaraRinderfilet mit Gemüse
Verkaufspreis (netto)10,00 €26,00 €
Wareneinsatz2,10 €9,80 €
Wareneinsatzquote21 %37,7 %
Deckungsbeitrag7,90 €16,20 €

Die Carbonara hat eine bessere Quote — aber das Rinderfilet bringt pro Teller doppelt so viel Deckungsbeitrag. Wenn Sie nur auf die Wareneinsatzquote schauen, würden Sie die Carbonara als „besser” bewerten. Wenn Sie auf den Deckungsbeitrag schauen, sehen Sie die Wahrheit: Das Rinderfilet finanziert Ihren Betrieb stärker.

Wann die Methode überlegen ist

  • Karten mit mehr als 15 Gerichten und gemischten Preislagen
  • Betriebe mit hohen Fixkosten (hohe Miete, viel Personal)
  • Wenn Sie wissen wollen, welche Gerichte Sie aktiv verkaufen sollten (Menu Engineering)
  • Bei Preisanpassungen: Sie sehen sofort, welche Gerichte noch tragfähig sind — mehr dazu in unserem Guide zur Preiskalkulation in der Gastronomie

Was sie voraussetzt

  • Sie müssen Ihre Fixkosten kennen (monatliche Gesamtkosten ohne Wareneinsatz)
  • Sie brauchen Absatzzahlen: Wie oft wird jedes Gericht bestellt?
  • Für eine saubere Analyse brauchen Sie den Mindest-Deckungsbeitrag pro Gericht:

Mindest-DB = (Fixkosten + Zielgewinn) ÷ Anzahl verkaufter Gerichte (gesamt)

Ein Restaurant mit 12.000 € Fixkosten, 3.000 € Zielgewinn und 2.000 verkauften Portionen pro Monat braucht mindestens 7,50 € Deckungsbeitrag pro Portion.

Der direkte Vergleich

KriteriumAufschlagkalkulationDeckungsbeitragskalkulation
PrinzipWareneinsatz × FaktorVerkaufspreis − Wareneinsatz
SchwierigkeitEinfachMittel
DatenaufwandNur Wareneinsatz nötigFixkosten + Absatzzahlen nötig
StärkeSchnelle ErsteinschätzungZeigt, was wirklich Geld verdient
SchwächeIgnoriert Fixkosten-UnterschiedeAufwändiger in der Erhebung
Geeignet fürKleine Karten, Imbiss, NeugründungEtablierte Betriebe, große Karten
Finanzamt-RelevanzRohgewinnaufschlag als ReferenzZeigt reale Ertragskraft

Die häufigsten Fehler in der Praxis

Fehler 1: Einen Faktor für alles

Faktor 3,5 auf ein Pastagericht mit 1,80 € Wareneinsatz ergibt 6,30 € netto — ein guter Preis. Faktor 3,5 auf ein Rinderfilet mit 9,00 € ergibt 31,50 € netto — für viele Standorte zu hoch. Wer pauschal kalkuliert, hat entweder zu billige Fleischgerichte oder zu teure Nudeln.

Fehler 2: Nur auf die Quote schauen

Eine niedrige Wareneinsatzquote ist kein Selbstzweck. Ein Gericht mit 18 % Quote und 4,50 € Deckungsbeitrag ist weniger wert als eines mit 35 % Quote und 14,00 € Deckungsbeitrag — wenn Ihre Fixkosten pro Portion bei 8,00 € liegen.

Fehler 3: Fixkosten nicht kennen

Wer seine monatlichen Fixkosten nicht auf den Euro genau kennt, kann keine sinnvolle Deckungsbeitragskalkulation machen. Und wer ohne diese Zahl kalkuliert, kalkuliert im Blindflug. Das Finanzamt kennt Ihre Kosten — Sie sollten es auch.

Fehler 4: Methode einmal wählen und nie wieder anfassen

Wareneinsatzpreise ändern sich. Personalkosten steigen. Die Gästefrequenz schwankt saisonal. Eine Kalkulation, die im Januar stimmt, kann im Juli 3 Prozentpunkte daneben liegen.

Mischkalkulation: Beide Methoden zusammen

Die Praxis zeigt: Die besten Ergebnisse erzielen Betriebe, die beide Methoden nutzen. Wie Sie dieses Prinzip systematisch auf Ihre gesamte Speisekarte anwenden, zeigt unser Guide zur Mischkalkulation in der Gastronomie.

Schritt 1 — Aufschlagkalkulation als Einstieg: Neues Gericht, erster Preisansatz. Wareneinsatz × Faktor = Richtwert.

Schritt 2 — Deckungsbeitrags-Check: Liegt der DB über dem Mindest-Deckungsbeitrag? Ja → Preis ist tragfähig. Nein → Preis muss rauf, Kosten müssen runter, oder das Gericht fliegt.

Schritt 3 — Karten-Analyse: Alle Gerichte im DB-Vergleich. Stars (hoher DB, hohe Nachfrage) bewerben. Penner (niedriger DB, niedrige Nachfrage) streichen. Arbeitspferde (niedriger DB, hohe Nachfrage) optimieren.

Praxisbeispiel: Karte mit 5 Gerichten

GerichtWEVK (netto)DBAbsatz/MonatDB gesamt
Flammkuchen1,60 €8,50 €6,90 €280×1.932 €
Schnitzel3,80 €12,50 €8,70 €220×1.914 €
Caesar Salad2,30 €9,00 €6,70 €150×1.005 €
Rinderroulade5,40 €16,00 €10,60 €90×954 €
Lachs4,90 €15,00 €10,10 €110×1.111 €

Ergebnis: Flammkuchen und Schnitzel bringen zusammen 56 % des gesamten Deckungsbeitrags. Das sind Ihre Stars — die gehören prominent auf die Karte. Die Rinderroulade hat den besten DB pro Portion, wird aber zu selten bestellt. Lohnt sich die Optimierung? Das zeigt nur der Gesamtblick.

Diese Woche noch umsetzen

  • Berechnen Sie den Wareneinsatz für Ihre fünf meistverkauften Gerichte
  • Rechnen Sie für jedes den Deckungsbeitrag: Verkaufspreis (netto) minus Wareneinsatz
  • Ermitteln Sie Ihre monatlichen Fixkosten (Miete, Personal, Energie, Versicherungen)
  • Berechnen Sie Ihren Mindest-Deckungsbeitrag: Fixkosten ÷ Anzahl verkaufter Portionen
  • Vergleichen Sie: Welche Gerichte liegen über dem Mindest-DB, welche darunter?

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Aufschlagkalkulation und Deckungsbeitragskalkulation?

Die Aufschlagkalkulation multipliziert den Wareneinsatz mit einem Faktor (z. B. × 3), um den Verkaufspreis zu bestimmen. Die Deckungsbeitragskalkulation rechnet umgekehrt: Sie zieht vom Verkaufspreis den Wareneinsatz ab und prüft, ob der Rest (Deckungsbeitrag) alle Fixkosten und den Gewinn abdeckt. Kurz: Aufschlag fragt ‚Was muss ich verlangen?', Deckungsbeitrag fragt ‚Was bleibt übrig?'.

Welcher Aufschlagfaktor ist in der Gastronomie üblich?

Faktor 3 bis 4 auf den Wareneinsatz ist der Klassiker. Das ergibt eine Wareneinsatzquote von 25–33 %. Bei Getränken liegt der Faktor oft bei 4–6, bei aufwändigen Fleischgerichten eher bei 2,5–3. Aber ein pauschaler Faktor ignoriert, dass jedes Gericht unterschiedliche Fixkosten-Anteile hat.

Wann sollte ich die Deckungsbeitragskalkulation nutzen?

Sobald Ihre Speisekarte mehr als 10–15 Gerichte umfasst und Sie Gerichte mit sehr unterschiedlichen Wareneinsätzen haben — zum Beispiel Pasta (20 %) neben Rinderfilet (40 %). Die Deckungsbeitragskalkulation zeigt Ihnen, welche Gerichte wirklich Geld verdienen und welche nur den Umsatz aufblähen.

Kann ich beide Kalkulationsmethoden kombinieren?

Ja, und genau das machen erfahrene Gastronomen: Aufschlagkalkulation als schnelle Ersteinschätzung, Deckungsbeitragskalkulation für die Feinsteuerung. So sehen Sie sofort, ob ein Gericht grundsätzlich tragfähig ist — und dann, ob es im Zusammenspiel mit der restlichen Karte funktioniert.

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